Buchen

Wirtschafts- und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut in Buchen Über Fachkräftemangel und die Herausforderungen für Unternehmen ausgetauscht

Regionale Sonderlösungen gefordert

Wirtschafts-und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut machte bei ihrem Besuch des Neckar-Odenwald-Kreises auch in der Überbetrieblichen Ausbildungsstätte (ÜBA) Station.

Buchen. Über den Fachkräftemangel und die Herausforderungen für Unternehmen im ländlichen Raum haben sich am Montagmittag Unternehmer, Handelskammer-Vertreter und regionale Politiker mit der Ministerin ausgetauscht.

Bei einem Rundgang durch die Werkstätten der ÜAB schaute die Ministerin Auszubildenden über die Schultern und informierte sich bei den Verantwortlichen über die Arbeit in dieser Einrichtung. Nach den Worten von ÜAB-Geschäftsführer Jürgen Weiß gründeten neun Unternehmen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis die ÜAB im Jahr 1974. Inzwischen zählt der Träger-Verein 34 Mitglieder. Ständig erneuere und erweitere man den Maschinenpark. Für dieses Jahr ist geplant, das Gebäude ein weiteres Mal zu modernisieren. Im vergangenen Jahr verfügte die ÜAB für Schüler des ersten Ausbildungsjahrs über 42 Kooperationsbetriebe an 14 Standorten sowie über 56 Kooperationsbetriebe an 22 Standorten für Schüler des zweiten bis vierten Ausbildungsjahrs. Außerdem nahmen an 16 Weiterbildungskursen 151 Personen teil.

"Technische Kleinode"

Martin Gehrig, Vorsitzender des Vereins, der die ÜAB betreibt, wies in seiner Begrüßung auf "technische Kleinode" unter den Unternehmen im Neckar-Odenwald-Kreis hin. Einen Anteil an diesen Erfolgen sei auch auf die gute Ausbildung in der Region zurückzuführen. Er bedankte sich für die finanzielle Förderung des Landes Baden-Württemberg für die duale Ausbildung und die ÜAB. Er wünschte sich allerdings, dass Haupt- und Realschulabschluss in der Öffentlichkeit in einem besseren Licht dargestellt würden. Außerdem wertete er Funklöcher im Mobilfunknetz auf dem Land als Standortnachteil.

"Ich bin eine Verfechterin der dualen Berufsausbildung und der Überbetrieblichen Ausbildungsstätten", sagte Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. "In keinem anderen Land sind Mitarbeiter so qualifiziert wie bei uns!" Sie dankte den Unternehmern für dieses "Erfolgsmodell".

In einer Fragerunde mit der Ministerin war das zentrale Thema der Fachkräftemangel. Michael Kuhn, Geschäftsführer der Kuhn GmbH in Höpfingen, kritisierte die zunehmende Zentralisierung zu Lasten des ländlichen Raums, indem zum Beispiel Behörden in Ballungsräume abgezogen würden. Dadurch verlören ländliche Regionen an Attraktivität. Ein anderer Teilnehmer an der Diskussionsrunde wünschte sich mehr Unterstützung dabei, Flüchtlinge in handwerklichen Berufen unterzubringen.

"Wettbewerb um Köpfe"

Auch Landrat Dr. Achim Brötel stellte fest, dass der "Wettbewerb um Köpfe" in der Wirtschaft längst entfacht sei. Er wies auf die hohe Qualität der Ausbildung im Neckar-Odenwald-Kreis hin mit überdurchschnittlich vielen Prüfungsbesten. "Wir sind gegen starre Kleinklassen-Regelungen in der beruflichen Bildung", sagte er und forderte stattdessen "regionale Sonderlösungen".

Interesse wecken

Christoph Schneider, Geschäftsführer von OKW-Gehäusesysteme, schlug vor, es Quereinsteigern zu erleichtern Fuß in einem technischen Beruf zu fassen. Außerdem appellierte er an die Landesregierung, in Schülern das Interesse an technischen Berufen zu wecken.

Die Ministerin zeigte Verständnis für die Belange der Unternehmer. Der Fachkräftemangel werde durch die gute wirtschaftliche Situation in Deutschland verstärkt. So wanderten zwei Drittel der im Handwerk ausgebildeten jungen Leute in die Industrie ab. Zudem verändere die Digitalisierung die Handwerksberufe. Mit Werbeaktionen wie einem "Gastro-Mobil" und einem "Bau-Mobil" sowie durch zahlreiche weitere Maßnahmen werbe man gemeinsam mit Innungen und Verbänden für Handwerksberufe. Außerdem fördere man mit sogenannten "Kümmerern" die Integration von Flüchtlingen in die Ausbildung.

Im Rahmen ihrer Kreisbereisung besuchte die Ministerin auch die Firma AZO in Osterburken, die Zentralgewerbeschule Buchen sowie die Firmen Weiss GmbH in Buchen und Faustmann, Bau- und Möbelschreinerei GmbH, in Mosbach. mb