Buchen

Senkungsbeschwerden bei Frauen Gestiegene Lebenserwartungen führen zu immer mehr Fällen / Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen

Schamgefühle und Hemmungen lassen viele Betroffene zögern

Buchen.Die Veränderung der Alterspyramide und der deutliche Anstieg der Lebenserwartung haben in Europa auch Häufigkeitsverschiebungen von Krankheiten zur Folge. So nimmt hierzulande durch die gestiegene Lebenserwartung beispielsweise auch die Zahl der Frauen mit Störungen der Beckenbodenfunktion zu.

Nach Expertenschätzungen sind es inzwischen mehr als 20 Prozent aller Frauen in Deutschland, die unter einer Schwächung des Bindegewebes im Beckenboden und einer Erschlaffung der Beckenboden-Muskulatur leiden, was zum Absinken von Gebärmutter, Harnblase oder Mastdarm führen kann.

Fremdkörpergefühle

Für Dr. Winfried Munz, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe an den Neckar-Odenwald-Kliniken, gehören entsprechende Beschwerdebilder zu den „wenig spektakulären Situationen der Altersgynäkologie, die fast immer erfolgreich zu behandeln sind, auch im hohen Alter. Solche Beschwerden zeigen sich unter anderem in Fremdkörpergefühlen und Druckgeschwüren in der Scheide, unvollständiger Blasen- oder Darmentleerung und auch als Blasenschwäche oder Harninkontinenz.“ Als zertifizierter Spezialist für Urogynäkologie und plastische Beckenbodenrekonstruktion ist Munz mit allen aktuellen Behandlungsmethoden bei Senkungsbeschwerden vertraut. Im Gespräch weist er darauf hin, dass „eine Senkung auch oft ohne Operation wirksam zu behandeln ist, etwa mit einer osteopathischen Behandlung, kombiniert mit Beckenbodentraining.“

„Wenige trauen sich“

Vor die Entscheidung, ob eine Behandlung ohne Operation aussichtsreich und ratsam erscheint, oder eine Operation als bessere Option zu wählen ist, stellt der Gynäkologe eine umfangreiche und sorgfältige Diagnostik. In den Erstgesprächen mit den Patientinnen, bei denen unter anderem die Art der Beschwerden, Vorerkrankungen und das sonstige Befinden ermittelt werden, erlebt Munz „oft Schamgefühle und Hemmungen. Nur wenige Frauen trauen sich, frei über ihr Befinden in diesem Zusammenhang zu berichten. Da Senkungsbeschwerden oft auch mit unkontrolliertem Harnverlust einhergehen, ist das zwar verständlich, aber absolut unnötig.“

Nach Erfahrung von Munz führen solche Hemmungen oft sogar zu einem Verzögern von Arztbesuchen. Er hält es deshalb für wichtig, über Senkungsbeschwerden breit aufzuklären und die Hemmschwellen in Bezug auf die Wahrnehmung von Hilfsangeboten zu senken. Der Arzt plant in diesem Zusammenhang, ein Infoblatt in höherer Auflage im Patienten-Informations-Zentrum der Neckar-Odenwald-Kliniken in Mosbach auszulegen, und dieses Infoblatt auch niedergelassenen Gynäkologen sowie Sanitätsfachgeschäften und Physiotherapeuten im Neckar-Odenwald-Kreis zur Auslage zur Verfügung zu stellen.

Hinsichtlich der Senkungsoperationen, die an den Neckar-Odenwald-Kliniken durchgeführt werden, betont Munz deren hohen Erfolgsraten und zeitgemäße Technik: „Wir nutzen dabei die sogenannten ‚alloplastischen Operationsverfahren’, das heißt den Einsatz von gut verträglichen Implantaten.

Dabei werden Defekte im Bindegewebe zum Beispiel durch Kunststoffnetze verschlossen. Netzimplantate vermindern die Rückfallrate. Man kann damit auf eine Gewebestraffung verzichten, was Beschwerden nach der Operation deutlich verringert. Außerdem führen Implantatoperationen oft zu mehr Stabilität und vermeiden jedes Deformierungsrisiko von Scheide und Beckenboden.“

Schließlich empfiehlt Munz allen Frauen, die Angebote von Vorsorgeuntersuchungen regelmäßiger wahrzunehmen. Er merkt dazu an, dass „wir bei Frauen jenseits der 50 eine signifikante Nachlässigkeit hinsichtlich der Vorsorge registrieren. Dieses Angebot sollte von mehr Frauen und in größerer Regelmäßigkeit wahrgenommen werden. Da bei diesen Untersuchungen unter anderem auf Senkungsprobleme geachtet wird, ist die Vorsorge auch ein geeigneter Weg, sich zu diesem Thema zu informieren.“ An den Neckar-Odenwald-Kliniken können Betroffene regelmäßig im Rahmen der gynäkologischen Sprechstunden eine erste Orientierung und Beratung finden.