Buchen

Badische Landesbühne Freilichtaufführung von „Don Camillo und Peppone“ im Buchener Museumshof fand viel Zuspruch

Schauspieler trieben es genüsslich und frech auf die Spitze

Archivartikel

Buchen.Liebe und Leidenschaft, Kommunisten und Katholiken, Glaube und Politik: All das kultivierte die Badische Landesbühne bei ihrer gut besuchten Freilichtaufführung von „Don Camillo und Peppone“ nach Giovannino Guareschi (1908 bis 1968) und Gerold Theobaldt am Dienstag nicht nur – sie trieb es zum Ende ihrer aktuellen Spielzeit genüsslich und frech auf die Spitze, was das im Museumshof sitzende Publikum erfreute.

Mit einem Paukenschlag beginnt das illustre Treiben: Munter miteinander debattierend, bahnt sich die Riege der Darsteller den Weg durch die Zuschauerränge und kommt auf der Bühne an, wo Hochwürden Don Camillo (Stefan Holm) die anstehende Taufe des Sohnes von Parteisekretär und Chef-Kommunist Peppone (Markus Hennes) und Ariana (Elena Weber) trocken konterkariert: „Ihr sagt doch immer, bei euch Kommunisten herrscht die freie Liebe. Also, wer ist der Vater?“, will er wissen. Nun soll der Kleine den Namen „Lenin“ tragen, was Don Camillo mitsamt der Taufe ablehnt. Da mischt sich Jesus (David Meyer) ein: „Wenn der Junge erkrankt und stirbt, trägst du die Schuld dafür, dass er nicht ins Paradies kommt“, sagt der himmlische Herr.

So ergibt ein kurioser Disput den anderen, eine Alltagssorge baut die Brücke für die Nächste – ein Glück, dass die Erde keine Scheibe ist und zumindest nachts der Himmel schweigt. Aber dann rufen die Glocken und Don Camillo die Schäfchen wieder zur Messe und verkünden mit Nachdruck die Wahl Peppones zum Bürgermeister. „Vor uns liegt eine endlose Via Dolorosa mit einem roten Terrorristen“, prophezeihte Don Camillo. Von nun an herrscht Krieg, ohne dass das „böse Wort“ je verwendet wird: Pasotti (Hannes Höchsmann) bringt Don Camillo ein mit allerlei Rechtschreibfehlern versehenes Pamphlet, mit dem Peppone an der Wandzeitung düpiert werden soll. Zudem ergänzt Don Camillo die Wandzeitung mit dem Satz „Peppone ist ein Esel“. Kaum ist die Farbe trocken, meldet sich Jesus: „Du willst eine Witzfigur aus ihm machen“, wirft er ein.

Pasotti betrachtet die Schmähschrift als Rache auf Peppones Revolte, der Aufruhr zeigt: Trotz Rekordeinnahmen möchte der reiche Großgrundbesitzer Pasotti die Löhne nicht erhöhen.

„Die Kleinbauern werden ausgeplündert“, befürchtet Peppone und verkündet schließlich den Generalstreik. Pasotti kontert mit dem Wort „Bürgerkrieg“, was Peppone kalt lässt: „Wir werden sehen, wer den längeren Atem hat“, ruft er, während Don Camillo dem Herrn sein Leid klagt. Zwischendrin entfachen sanfte Gefühle: Pasottis aparte Tochter Gina (Sina Weiß) hat ihr Herz ausgerechnet an Mariolino (Martin Behlert) – den als Tunichtgut gebrandmarkten Sohn des verarmten Bauern und Peppone-Anhängers Bruciata (Markus Wilharm) – verloren. Doch zum Äußersten kommt es nicht: Mit einem Mal fallen Schüsse, ehe die Pause beginnt.

Auf manche angesichts auch zu fortgeschrittener Uhrzeit eindeutig sommerlicher Temperaturen gern eingenommene Erfrischung folgt dann wieder feinste Situationskomik à la Guareschi und BLB: Die zweite Halbzeit beginnt mit Rauchschwaden und mystischer Musik. Was ist da los? Kurze Antwort: Die Hölle! Und zwar in Form bürgerkriegsartiger Zustände irgendwo in einem Dorf in der Po-Ebene Italiens – es heißt sogar, die Faschisten werfen Bomben und holen zum Kahlschlag aus. Don Camillo und Peppone haben alle Mühe, die Sache in den Griff zu bekommen. Der schwerhörige Smilzo (Tobias Karn) wird für tot geglaubt und steht wieder auf, die ältliche Signora Christina (Irmtraud Hetz) hat manchen „Ratschlag“ auf Lager. Da wird einem nie langweilig - auch nicht als Zuschauer: Das turbulente Bühnenspektakel schenkte dem Publikum im Museumshof einen ansprechenden Abend mit viel Flair.

Die Inszenierung von Arne Retzlaff zog dabei alle Register der hohen Theaterschule: Herbe und sympathische Dialoge voll Witz und Charme, ein Fahnenmarsch über die Bühne, gut gelaunte und bestens aufeinander eingespielte Darsteller, die puristische und gerade deswegen exzellente Requisite und natürlich Guareschis legendäre Rahmenhandlung ergänzten sich gegenseitig in perfektem Maß – hier fehlte es an nichts.

Das wusste das geneigte Publikum auch mit gehörigem Applaus zu würdigen. ad