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In Hettingenbeuern Nach 30 Jahren Dauer und Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro feierlich beendet / „Lehrbuchbeispiel dafür, was moderne Flurbereinigung leistet“

Schlusspunkt unter Flurneuordnung gesetzt

Hettigenbeuern.Ein offizieller Schlusspunkt wurde zu Beginn der Sommerferien unter das Flurneuordnungsverfahren Hettigenbeuern gesetzt. „Hettigenbeuern hat gewonnen durch die Flurneuordnung“, fiel das Fazit nach dem nahezu 30 Jahre dauernden Verfahren mit Ausführungskosten von 1,5 Millionen Euro positiv aus.

Erreichte Ziele beleuchtet

Der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Hettigenbeuern, Clemens Meixner, begrüßte insbesondere Landrat Dr. Achim Brötel, Bürgermeister Roland Burger, Ortsvorsteher Günther Müller und die Vertreter des Fachdienst Flurneuordnung des Landratsamtes, Markus Hüblein, den Leiter des Fachdienstes Flurneuordnung und Landentwicklung, Projektleiter Manfred Wiener, Projektingenieur Ferdinand Kraus und Edgar Baumann, Bausachbearbeiter des Verbandes der Teilnehmergemeinschaften Baden-Württemberg.

Die erreichten Ziele des Verfahrens wurden beleuchtet. Es erfolgten eine Bodenordnung in der Feld-, Wald- und Ortslage von Hettigenbeuern und der Ausbau eines bedarfsgerechten landwirtschaftlichen Wegenetzes.

Zahlreiche Ortsgestaltungsmaßnahmen, wie zum Beispiel der Ausbau der Morretalstraße oder der neue Brunnen, wurden durchgeführt. Es erfolgte die Bereitstellung von Flächen für öffentliche Nutzung und der Grunderwerb für Gewässerrandstreifen an der Morre. Umgesetzt wurden außerdem Ziele des Natur- und Landschaftsschutzes und es wurden örtliche Erholungseinrichtungen wie der Kapellensteg und der neue Sportplatzsteg geschaffen. Das Flurneuordnungsgebiet wurde neu vermessen. Die Ausgangslage waren schmale und kaum ausgebaute Wege sowie eine schwierige Topographie. Die vorhandenen geschützten Biotope konnten erhalten werden. „Das abwechslungsreiche Landschaftsbild im Morretal blieb in seiner Vielfalt und Eigenart erhalten“, so wurde festgestellt.

An Anfänge erinnert

Landrat Dr. Achim Brötel erinnerte an den Verfahrensbeginn im Jahr 1989. „Das Verfahren biegt jetzt sozusagen auf die Zielgerade ein“, so Brötel.

Die Schlussfeststellung sei für November 2018 geplant.

Der Wege- und Gewässerplan samt dem landschaftspflegerischen Begleitplan sei im April 1997 genehmigt worden. Der Stadtteil Hettigenbeuern habe durch die neuen Anlagen für Landschaftspflege und Erholung eine weitere enorme Aufwertung erfahren, hob der Landrat hervor und stellte fest: „Das Tal der Liebe ist durch die Maßnahmen noch lieblicher geworden.“

Er fasste einige wichtige Aspekte des Verfahrens, welche er als Gemeinschaftswerk bezeichnete, zusammen. 2,8 Kilometer Asphaltwege, 5,7 Kilometer Schotterwege und 11,8 Kilometer Graswege wurden gebaut. Es entstanden drei Kilometer Wassergräben. Dazu wurden 110 neue Bäume und 220 neue Obstbäume, es wurden 150 neue Sträucher gepflanzt und eine zehn Meter lange Trockenmauer entstand. Es wurden wichtige Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt, insbesondere für die Landwirtschaft und es wurden ökologische Verbesserungen erzielt.

Der Landrat erinnerte an den Kapellen- und Sportplatzsteg, beide dienen dem Hochwasserschutz. Das Verfahren im Morretal sei geradezu ein Lehrbuchbeispiel für das, was eine moderne Flurneuordnung leiste. Flurneuordnungsverfahren seien immer durch sehr komplexe Gemenge-und Interessenlagen gekennzeichnet. Das habe auch für Hettigenbeuern gegolten, es gab sehr kleinteilige Eigentumsverhältnisse und oft zu schmale Wege sowie eine schwierige Topographie, so Landrat Dr. Brötel. Die Flurbereinigung sei ein längst unverzichtbares Instrument zur ganzheitlichen, vor allem auch zur nachhaltigen und zukunftsfähigen strukturelleren Entwicklung der ländlichen Räume. Der Landrat dankte allen Beteiligten am Verfahren. Er dankte dem Land Baden-Württemberg, das mit 1 270 000 Euro, etwa 80 Prozent der Ausführungskosten von 1 590 000 Euro getragen habe.

„Keine einfache Angelegenheit“

Bürgermeister Burger betonte, dass Flurneuordnungsverfahren keine einfache Angelegenheit seien, weil es um die Kunst, unterschiedliche Interessen zu vereinen, gehe. Der Bürgermeister erinnerte, dass am Verfahren in den drei Jahrzehnten viele Menschen beteiligt waren, die mittlerweile nicht mehr im Amt sind. Die Stadt nutzte die Flurneuordnung für einen Mehrwert, die 255 000 Euro, welche von der Stadt investiert wurden, seien gut investiertes Geld. Am Ende dankte der Bürgermeister allen am Verfahren beteiligten.

„Es war richtig, dieses Verfahren durchzuführen“, betonte Ortsvorsteher Günther Müller und zeigte sich erfreut über den Abschluss. Immerhin seien aus zahlreichen kleinen Parzellen doch ganz ordentliche Flächen geworden, wenn er auch an den Steilhängen mehr Asphaltwege gewünscht hätte. Es habe in seiner 24-jährigen Tätigkeit als Ortsvorsteher immer ein gutes Miteinander gegeben. In den 29 Jahren der Maßnahme, so erinnerte der Ortsvorsteher, gab es drei Landräte, drei Bürgermeister zwei Ortsvorsteher und vier Verfahrensleiter, diese Zahlen machen das zeitliche Ausmaß der Maßnahme deutlich. Sein Dank galt der Teilnehmergemeinschaft, dem Vorsitzenden Clemens Meixner (zuvor Konrad Trunk), Stellvertreter Theodor Farrenkopf (zuvor Heinz Pföhler), Vorstandsmitglieder Eugen Repp und Bruno Meixner. Landrat Dr. Brötel überreichte abschließend an den Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft Clemens Meixner, den stellvertreten Vorstandsvorsitzenden Theo Farrenkopf und Vorstandsmitglied Bruno Meixner die Dankurkunden. hes