Buchen

Kunstverein Neckar-Odenwald Ausstellung der Berliner Fotografin Sandra Ratkovic „Merseyside and Brexit“ im Kulturforum „Vis-à-vis“

„Sieht man den Menschen an, wie sie abgestimmt haben?“

Buchen.Der Kunstverein Neckar-Odenwald zeigt im Kulturforum „Vis-à-vis“ 42 Bilder der Fotografin Sandra Ratkovic unter dem Titel „Merseyside and Brexit“. Die Berlinerin fotografierte Menschen im Nordwesten Englands und fragte sie, ob sie für oder gegen den Brexit gestimmt hatten. Nun kann man seine Menschenkenntnis testen.

„Die Ausstellung hat mein Interesse geweckt wegen ihrer Fragestellung“, stellte Bürgermeister Roland Burger zu Beginn seines Grußwortes fest. Der Brexit sei „eine unglaubliche Geschichte wie die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA“, sagte er. Vor wenigen Jahren seien solche Entwicklungen undenkbar erschienen. „Das schreit nach Erklärungen“, meinte Burger. „Hier wird mit Fotos gesprochen. Das ist eine spannenden Idee.“ Sandra Ratkovic habe Menschen zwischen dem Referendum und dem Austritt aus der EU fotografiert. „Sieht man den Menschen an, wie sie abgestimmt haben?“, fragte sich Roland Burger. Er dankte der Künstlerin und dem Kunstverein für die Organisation dieser Ausstellung und wünschte dieser viele Besucher.

„Thema ist hochaktuell“

Harald Kielmann, Vorsitzender des Kunstvereins, wies auf das breite Spektrum der Kunst hin, die man mit Ausstellungen zeigen wolle. Dazu gehöre auch die Fotografie. „Das Thema ist hochaktuell“, stellte er fest und ging auf den Werdegang der Künstlerin ein. Ratkovic wurde im Jahr 1980 in Frankfurt geboren. Sie erwarb den Master-Titel in Kunstgeschichte und absolvierte eine Ausbildung zur Fotografin. Sie lebt in Berlin und arbeitet als freie Dokumentarfotografin. Ein vielbeachtetes Werk der vergangenen Jahre ist das Fotobuch „Moskau“. Für die Bilder zur aktuellen Ausstellung hielt sie sich in den Jahren 2017 und 2018 mehrmals in der Region Merseyside mit den Städten Liverpool, St. Helens, Wigan, Birkenhead, New Brighton und Southport auf. „Diese Region spiegelt das Gesamtwahlergebnis wider“, stellte Kielmann fest. Anschließend führte der Kunstvereinsvorsitzende ein kurzes Interview mit der Fotografin. Auf diese Weise erhielten die Besucher einen Einblick in deren Arbeitsweise. Sandra Ratkovic lebte einige Jahre in England. Sie spürte und sah die Veränderungen, die in dem Land vorgingen. So entstand die Idee zu diesem Fotoprojekt. Sie fotografierte die Menschen spontan. Es handelt sich nicht um gestellte Fotos. Und sie fragte jeden, ob er für oder gegen den Brexit gestimmt habe. „Farben sind mir wichtig“, sagte sie über ihre Bilder. Außerdem beschneide sie ihre Bilder nicht. Sie bevorzuge eine reduzierte Ausdrucksweise.