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Kabarettist Philipp Weber gastierte in Hettingen Beim Heimatverein das neue Programm „Futter – streng verdaulich“ vorgestellt

Steckrüben-Uffschnitt statt Steckrüben-Carpaccio

Ein Mann, viel Energie und noch mehr Humor: Der Kabarettist Philipp Weber hat mit seinem zweistündigen Programm „Futter – streng verdaulich!“ rund 280 Besucher im Lindensaal begeistert.

Hettingen. Seit 50 Jahren besteht der Heimatverein Hettingen. Aus diesem Anlass engagierte Vorsitzender Gundolf Scheuermann mit seinem Vorstandsteam den aus Amorbach stammenden und überregional erfolgreichen Philipp Weber für einen Kabarettabend. Vor vollem Saal begeisterte der 44-jährige nicht nur mit seinem originellen, zum Teil geistreichen Witz, sondern auch mit einer unbändigen Energie und Bühnenpräsenz. Und immer wieder bezog er das Publikum mit ein, griff Bemerkungen einzelner auf und baute sie in sein Programm ein. Vor allem die Gäste in der ersten Reihe waren vor dem frechen Humor des Kabarettisten nicht sicher.

„Woher soll ich wissen, wer ich bin, wenn ich nicht weiß, was ich esse?“, fragte Philipp Weber. Er las die Inhaltsstoffe von Tütensuppen vor und ließ die Zuhörer raten, welche Gerichte sich dahinter verbargen. Anschließend berichtete er auf amüsante Weise über eine Einladung zum selbst gekochten Essen mit Freunden. Es sollte Rheinische Rindsrouladen mit Spätzle geben, die Rouladen gefüllt mit Zwiebeln, Speck und Essiggurken. „Und mit Senf“, war aus dem Publikum zu hören. Der Senf wurde von diesem Augenblick an zu einem immer wiederkehrenden Bestandteil des Programms.

Zunächst nahm Philipp Weber die Sonderwünsche seiner Essensgäste auf die Schippe. Gegen diverse Nahrungsmittelallergien riet er zur „aktiven Immunisierung“, indem man das allergieauslösende Nahrungsmittel einfach isst. Er mokierte sich über Vegetarier und Veganer, kritisierte das Wegwerfen von Lebensmitteln und dass Brot vom Vortag zur Stromerzeugung verwendet werde. Gentechnik könnte mit all ihren Nachteilen auch zu einem Vorteil in der Schweinehaltung führen, indem man Schweine mit Lemmingen kreuze: „Dann entsteht ein suizidales Schwein, das sich selbst in die Fleischbrühe stürzt.“

Weber wies darauf hin, dass es in Deutschland bis zum Jahr 1986 erlaubt war, Hunde zu schlachten, und nannte als Beispiel das Gericht Tafelspitz. „Ekel ist relativ“, stellte er fest. So habe man den Rheinischen Sauerbraten ursprünglich aus Pferdefleisch hergestellt. Und bei dem von vielen Menschen geschätzten Waldhonig handelt es sich um die von Bienen verarbeiteten Exkremente der Blattlaus. Weber erinnerte an die Weichmacher in Plastikverpackungen, die zu Erektionsstörungen führen könnten. Er belächelte den exzessiven Konsum von Vitamin C. Denn nachweislich helfe dieses nur gegen die Krankheit Skorbut. Auch von der Regel „Essen wie ein Eskimo“ hält der Kabarettist wenig und vermisst immer mehr die traditionelle deutsche Küche. „Alles, was die Oma gut und billig gekocht hat, wird italienisiert oder asiatisiert“, stellte er fest. So würde aus Steckrübenscheiben ein „Steckrüben-Carpaccio“, das man genauso gut „Steckrüben-Uffschnitt“ nennen könnte.

Weber nahm Medien und Nahrungsmittelindustrie auf die Schippe, die aus wirtschaftlichen Interessen die Verbraucher manipulierten. „An übergewichtigen Menschen verdient eine ganze Industrie“, sagte er. So sei in den USA für „cholesterinfreies Wasser“ geworben worden. Mit einer zweifelhaften „Helsinki-Herzstudie“ wurde zu cholesterinsenkenden Medikamenten geraten. Mit einer Kurz-Studie im Saal zeigte er den Anwesenden, was Wissenschaftlichkeit bedeutet. Er fragte nach verheirateten Zuhörern, die auch Brillenträger sind. Das verblüffende Ergebnis lautete: „Liebe macht blind.“

Philipp Weber riet, saisonale und regional erzeugte Lebensmittel zu essen. „Man soll essen, weil es satt macht und nicht gesund“, sagte er. Er kritisierte die industrielle Erzeugung von Lebensmitteln und den „Bio-Wahn“: „Biogemüse aus China: Da vertraue ich eher Sexspielzeug aus dem Vatikan.“