Buchen

Helmut Ullmann feiert heute 90. Geburtstag Zahlreiche Gebäude in und um Buchen tragen die Handschrift des Architekten / Die freie Zeit für Hobbys genutzt

„Taste mich langsam an die Acrylmalerei heran“

Archivartikel

Buchen.„Mi principio: rendirse, nunca!“ – zu Deutsch „mein Prinzip: Niemals aufgeben!“: Mit diesem Wahlspruch feiert der in und um Buchen als Architekt bekannt gewordene Helmut Ullmann am heutigen Freitag seinen 90. Geburtstag. Zahlreiche Gebäude Buchens wie etwa der Kindergarten St. Josef und das Pfarrhaus tragen seine Handschrift.

Geboren am 1. Juni 1928 im nordmährischen Sedlnitz, wuchs der Jubilar mit zwei Geschwistern auf und besuchte zunächst in seinem Heimatort die Volksschule, der sich das Gymnasium in Mährisch Freiberg anschloss. 1944 wurde er als Luftwaffenhelfer zum Kriegsdienst eingezogen und konnte nach russischem Angriff mit dem Fahrrad nach Mährisch Ostfrau flüchten. Von dort aus gelangte er ins seinerzeit zerbombte Berlin.

„Wir sind damals etappenweise Nacht für Nacht aus Berlin geflohen und zogen immer weiter westwärts“, blickt Helmut Ullmann zurück. Im Mai 1945 traf er in Tangermünde an der Elbe ein und geriet in russische Kriegsgefangenschaft; nach der Entlassung arbeitete er in Böhmen als Landwirtschaftshelfer und wollte eigentlich zurück nach Sedlnitz – doch erfuhr er, dass die Familie längst in die „Teufelsklinge“ Seckach ausgesiedelt wurde. Als nächste Zwischenstation lebte Helmut Ullmann im thüringischen Schmalkalden, ehe er die erforderliche Zuzugsgenehmigung erhielt und seiner Familie ins badische Frankenland folgen durfte.

Nach Buchen kam er im Herbst 1947 und holte das Abitur nach. Kein leichtes Unterfangen: „Es gab weder Schreibpapiere noch Federn oder gar Bücher, was besonders traurig war“, erinnert sich Ullmann. Nach dem Abitur arbeitete er beim Neubau der im Krieg zerstörten Bahnlinie Neckarsulm-Heilbronn mit und half später bei Bauprojekten der „Neuen Heimat“ mit. Eigentlich wollte er dann Medizin studieren, entschied sich jedoch aufgrund rar gesäter Studienplätze und seiner Vorkenntnisse für ein Architekturstudium, das er zwischen 1950 und 1956 in Stuttgart absolvierte. In dieser Zeit lernte er auch seine inzwischen verstorbene, aus spanischem Adelsgeschlecht stammende Gattin Rosa Maria Ayguarires kennen und heiratete sie 1958. Der Ehe entsprangen zwei Töchter und ein Sohn.

In den 60er-Jahren kehrte die Familie nach Buchen zurück, wo sich Helmut Ullmann als freier Architekt niederließ. Neben dem Kindergarten St. Josef und dem Buchener Pfarrhaus, dem „Kaiserhof“, zahllosen Privatbauten sowie den Kindergärten in Altheim und Seckach wirkte er beim Erweiterungsbau des erzbischöflichen Studienheims in Tauberbischofsheim sowie am Neubau des Laudaer Pfarrhauses mit. 1992 zog er sich nach einem Herzinfarkt aus dem Berufsleben zurück und übergab sein Lebenswerk an seinen Schwiegersohn Peter Scheuermann, der das Architekturbüro heute mit Wolfgang Felch gemeinsam führt.

Seitdem kann er sich verstärkt seinen Hobbys widmen, zu denen neben der Musik und Büchern sowie dem Internet insbesondere die Ölmalerei zählt. „Unter anderem konnte ich meine Werke in der Sparkasse, der Volksbank und dem Buchener Rathaus zeigen“, bemerkt Ullmann erfreut. Heute verbringt der siebenfache Großvater, der sich auch über einen Urenkel freut, die meiste Zeit des Jahres in Spanien. Ein neues Hobby entdeckte er allerdings erst kürzlich in Buchen: „Ich taste mich langsam an die Acrylmalerei heran“, lacht er und verweist auf sein kleines Atelier.

Den Gratulanten zum 90. Geburtstag schließen sich die Fränkischen Nachrichten mit den besten Glück- und Segenswünschen an. ad