Buchen

Psychologische Erziehungs- und Familienberatung 45-jähriges Bestehen in der Stadthalle Buchen mit Vortrag gefeiert

Tipps zum Umgang mit dem Internet gegeben

Buchen.So segensreich das Internet sein kann, so unergründlich sind bei fehlenden Kenntnissen und Arglosigkeit dessen Gefahren. Darüber informierte am Montag in der Buchener Stadthalle der Diplom-Sozialpädagoge Oliver Baseler. Der unter dem Motto „Umgang mit Gefahren im Internet“ stehende Vortrag ging mit einem Jubiläum einher: Zu ihrem 45-jährigen Bestehen hatte die psychologische Erziehungs- und Familienberatung des Neckar-Odenwald-Kreises eingeladen.

Zur Begrüßung gingen Guido Zilling (Diakonie) und Meinrad Edinger (Caritas) auf den Hintergrund des Vortrags ein. Edinger verwies auf zunehmende psychische Auffälligkeiten bei Jugendlichen, die wie ADHS, Burnout-Syndrome, Depressionen und allgemeine Verantwortungslosigkeit „unschöne Nebenwirkungen dauerhaft verlangter Spitzenleistungen“ seien. Bereits 1973 erkannten die Kirchen den Notstand an Aufklärung und zeigten weit vor dem Gesetzgeber Flagge.

Ein Grußwort hatte auch Landrat Dr. Achim Brötel mitgebracht. „Die psychologische Erziehungs- und Familienberatung ist ein wichtiger Bestandteil im Hilfssystem für Kinder, Jugendliche und deren Familien“, räumte er ein und bezeichnete die jährlich seitens des Kreises aufgebrachten 520 000 Euro als „sehr gute Investition“, die vom Rechtsanspruch auf Erziehungsberatung manifestiert wird. Die Digitalisierung böte „Chancen wie Risiken“, weswegen die Maxime gelte, ihr verantwortungsvoll zu begegnen. Sein Dank galt vor allem Ursula Müller-Dietrich und Hanna Vogel mit ihren Teams, ehe der Referent ans Podium schritt.

Kein Verbot

Er definierte das Internet als „geniale Erfindung, die unser Leben stark erleichtert“ und stellte klar, dass es nicht um das Verbieten gehe, sondern um sinnvolle und praktische Tipps. Mit einem Quiz testete er die Vorkenntnisse des altersmäßig bunt gemischten Publikums und verwies auf Zahlen: Besaßen laut Studien nur acht Prozent aller Menschen im Jahr 1998 ein Handy, so sind es 2017 bereits 99 Prozent gewesen – und während 51 Prozent aller Jugendlichen über ein eigenes Radiogerät verfügen, nennen 97 Prozent ein Smartphone ihr Eigen. „Heute sind bereits Vorschulkinder gut vernetzt“, betonte Baseler und erinnerte an durchschnittliche Erstkontakte mit dem World Wide Web im Altersbereich zwischen sieben und zehn Jahren. Allerdings müsse man hier aufpassen: „Weil viele Kinder am PC Platz nehmen, sobald sie zuhause sind, spielen sich Freundschaften oft nur noch virtuell ab“, mahnte der Experte an.

Detailliert ging er auf Phishing (Datenklau von Passwörtern oder Kontonummern über Mails), nervtötende und sofort zu löschende Spam-Nachrichten und den korrekten Umgang mit der Videoplattform YouTube ein. Da diese Zugang zu gewaltverherrlichenden, für den Nachwuchs ungeeigneten Videos bietet, möge man eine Kinderschutz-Software einrichten. „YouTube schottet bedenkliche Inhalte zwar mit Altersgrenzen ab, doch auch diese können findige Kinder umgehen, indem sie sich 20 Jahre älter machen“, erklärte Oliver Baseler.

Nicht minder gefährlich seien Fake-News in Form „alternativer Fakten“ und kruder Verschwörungstheorien sowie Cybermobbing/Cyberbullying in Form von schwersten Diffamierungen, Schikanierungen und Verleumdungen auf digitaler Ebene.

Immer angreifbar

„Während man früher zuhause seine Ruhe hatte, lässt einem das mobile Internet diese heute nicht mehr – man ist viel mehr rund um die Uhr angreifbar“, schilderte der Fachmann und fügte an, dass die scheinbare Anonymität als zusätzliche Triebfeder übler Mobber ins Spiel käme. „Mobber agieren anonym und nehmen die persönliche Betroffenheit der Opfer sowie strafrechtliche Konsequenzen nicht wahr“, führte er aus und verwies auf die mit Kamera-Handys und Bluetooth-Verbindungen zusammenhängende Problematik des schnellen Verbreitens geschmackloser Bilder und Videos, umstrittenen Plattformen wie Snapchat und Instagram sowie von Teenagern umschwärmte Stars, die jedoch zumeist ungeeignete Vorbilder seien. Am Ende umriss Oliver Baseler noch „Sexting“ als Verbreitung erotischer Materialien und „Cyber-Grooming“. Hier geben sich Erwachsene als Minderjährige aus, um Jugendliche sexuell zu belästigen. ad