Buchen

Energiewandel und Bioenergie als Themen Aktive und pensionierte Schulleiter informierten sich bei einer Exkursion

Über dem bundesweiten Durchschnitt

Buchen.Im Konferenzraum der AWN auf Sansenhecken versammelten sich in diesen Tagen aktive und pensionierte Schulleiter der Buchener Schulen, um sich über das Thema Energiewandel und Bioenergie zu informieren. Der ehemalige BGB-Schulleiter und Energiebotschafter Manfred Lauer hatte diese Veranstaltung auf Anregung der geschäftsführenden Schulleiterin Monika Schwarz und in enger Kooperation mit Martin Hahn von der AWN vorbereitet und organisiert.

Der Energiewandel

Lauer gab zunächst einen Überblick über den aktuellen Stand des Energiewandels in Deutschland und in der Region. Während 2011 in Deutschland der Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung noch bei 23,3 Prozent gelegen habe, betrage der Anteil heute 40,6 Prozent. 2060 solle ein Wert von 60 Prozent erreicht werden, erklärte Lauer. Ob die gesteckten Ziele in Sachen Energiewandel und Klimaschutz erreicht werden, sei allerdings fraglich. Insbesondere bei den wesentlichen Einflussfaktoren „Einsparungen und effizienter Einsatz von Energie“ gebe es noch viel zu tun.

Auch die E-Mobilität und der weitere Ausbau der Windkraft kämen nur schleppend voran. Auf regionaler Ebene im Neckar-Odenwald-Kreis sei der Energiewandel dagegen weit vorangeschritten, so Lauer. Bezüglich des gesamten Stromverbrauches von privaten Haushalten sowie von Gewerbe, Industrie und Dienstleistungen liege der Landkreis heute mit 51 Prozent EEG-Strom deutlich über dem bundesweiten Schnitt – da seien es 37,8 Prozent – oder über dem Schnitt von Baden-Württemberg mit 22 Prozent. Zu den Spitzenreitern im Kreis gehöre Buchen mit 121 Prozent.

Im Anschluss stellte Martin Hahn das Aufgabenspektrum der AWN vor. Neben einer umweltgerechten Entsorgung kümmere man sich auch darum, aus den anfallenden Stoffströmen Sekundärrohstoffe und Energie zu gewinnen. Über die ENO, die Energie Neckar Odenwald, betreibe man eigene Biogasprojekte, Photovoltaikanlagen und Nahwärmenetze. Im Biomassenzentrum auf Sansenhecken sei eine Anlage zur Herstellung von Pflanzenkohle installiert worden, um einen innovativen Weg für die Veredelung von Grüngut zu erschließen.

Geringe Abgasemissionen

Dort erläuterten Martin Hahn, Christian Gramlich und Manuel Müller die Herstellung von Pflanzenkohle. Grünschnitt, Getreidespelzen oder auch Hackschnitzel werden bei einer Temperatur von 800 Grad verkohlt. Bei einem Materialeinsatz von rund 2000 Tonnen regionaler Biomasse entstehen rund 300 Tonnen Pflanzenkohle. Synthesegas wird bei über 1200 Grad vollständig verbrannt, so dass nur geringe Abgasemissionen entstehen. Pflanzenkohle kann als Bestandteil zur Herstellung von hochwertigem Bodensubstrat eingesetzt werden, ebenso für die Beimengung zu Futtermitteln oder für die Stalleinstreu oder als Aktivkohle für Filteranlagen. In den Ackerboden eingebrachte Pflanzenkohle kann CO2 binden und so die Atmosphäre entlasten. Die Rektoren wurden auch über die Herstellung von Nährhumus informiert, der ebenfalls im Biomassenzentrum aus regional verfügbarem Material, vorwiegend aus Grünschnitt, produziert wird.

Nächste Station war im Bio-Energiedorf Heidersbach der Hof von Alexander Hemberger. Die Gruppe wurde von Limbachs Bürgermeister Thorsten Weber und von Hemberger begrüßt. Weber zeigte sich stolz über die Anerkennung als Bio-Energiedorf. Über die Hälfte der Wärme und des Stromes werde aus erneuerbaren Energien erzeugt. Im Strombereich sorgen über 50 Photovoltaikanlagen sowie eine Biogasanlage dafür, dass der Ort zum Stromexporteur wurde.

30 Häuser werden versorgt

Die Abwärme, die bei der Verstromung des Biogases entsteht, wird durch ein Nahwärmenetz den umliegenden Wohnhäusern zugänglich gemacht. Andreas Hemberger berichtete, dass über 2000 Meter Leitungen und damit verbundene Hausanschlüsse verlegt wurden. Bereits 30 Häuser beziehen Wärme aus dem Nahwärmenetz. Andreas Hemberger erläuterte der Gruppe die Funktionsweise der Biogasanlage und führte die interessierten Schulleiter durch seinen landwirtschaftlichen Betrieb. Im hochmodernen Stall stehen 180 Milchkühe.

Ein Höhepunkt war die Demonstration der Hightech-Melkanlage. Die Kühe gehen selbstständig zur Anlage und werden dann von einem Roboter gemolken. Die Tages-Milchleistung liegt bei etwa 30 Liter pro Kuh. Alle Vorgänge rund um den Vorgang können am Computerbildschirm überwacht werden. Nach dieser eindrucksvollen Führung und nach einem hochinteressanten Nachmittag fand die Exkursion ihren gemütlichen Abschluss in der „alten Scheune“ in Krumbach.