Buchen

Konzert im Joseph-Martin-Kraus-Saal Klezmer-Ensemble „Shoshana“ überzeugte mit Virtuosität und jüdischem Witz

Unglaubliche Lebendigkeit auf der Bühne

Meist melancholische Stücke wandelten sich beim Konzert des Klezmer-Ensembles „Shoshana“ oft in eine fröhliche, ja ausgelassene Stimmung.

Buchen. Das Ensemble „Shoshana“ hat mit seinem Auftritt am Samstagabend im Joseph-Martin-Kraus-Saal 80 Zuhörer mit gefühlvoller Klezmer-Musik und jüdischen Witz begeistert. Veranstalter waren die Stiftung „Bücherei des Judentums“ und die Stadt Buchen.

Gegen Ende des Konzerts erzählte Sängerin Ina Norinska einen Witz: „Wodurch unterscheiden sich Engländer von Juden?“ – „Engländer gehen, verabschieden sich aber nicht. Juden verabschieden sich, gehen aber nicht.“ Leider verhielten sich die Musiker „Shoshana“ ziemlich unjüdisch: Sie verabschiedeten sich und gingen wirklich, das aber nicht ohne Zugabe.

Die Besucher erlebten einen abwechslungsreichen, gefühlvollen Abend, gewürzt mit jüdischem Witz. Wie man es von Klezmer erwartet, waren die Musikbeiträge meist melancholisch, dabei aber tänzerisch und rhythmisch und wandelten sich oft in eine fröhliche, ja ausgelassene Stimmung.

Mitsingen erlaubt

Darbietungen des gesamten Ensembles mit Leonid Norinsky, Knopfakkordeon und Sänger, Ina Norinska, Sängerin und Percussion, und Larisa Faynberg an der Violine wechselten einander ab mit Duett-Gesang von Leonid und Ina zur Knopfakkordeonbegleitung oder Solo-Akkordeon. Und immer wieder lockerte Ina die Veranstaltung mit einem jüdischen Witz oder mit Erläuterungen zu Leben und Kultur der Juden in Osteuropa auf. Und die Zuhörer durften hin und wieder sogar mitsingen, dann aber nicht auf den schwierigen jiddischen Text, sondern auf Klangsilben wie „Bom“ oder „Ja“. Besonders beeindruckte die Freude und Leidenschaft der drei Musiker und natürlich ihre Virtuosität an ihren Instrumenten. Vielleicht hätte man dem Konzert ein emotionaleres Publikum gewünscht, denn die Lebendigkeit auf der Bühne sprang kaum auf den Saal über.

Zahlreiche Preise erspielt

Leiter des Ensembles ist der gebürtige Ukrainer Leonid Norinsky. Er studierte an der Kiewer Musikhochschule und erspielte sich mit seiner Harmonika zahlreiche Preise. Die Violinistin Larisa Faynberg stammt aus Sankt Petersburg. Ihre erste musikalische Ausbildung erhielt sie bereits ab ihrem fünften Lebensjahr in der Spezialschule für Musik in Sankt Petersburg. Sie spielte Violine an der Musikschule „Johann Sebastian Bach“ in Leipzig und konzertierte im In- und Ausland.

Die gebürtige Ukrainerin Ina Norinska besuchte einen jüdischen Kindergarten und die Schule an der Synagoge ihrer Heimatstadt. Auf diese Weise wurde sie sehr vertraut mit den Traditionen und Bräuchen des jüdischen Lebens. In Dessau besuchte sie die Musikschule, nahm Gesangsunterricht und beteiligte sich auch dort am Leben der jüdischen Gemeinde.