Buchen

Leserbrief Zu den Diskussionen um den vermeintlich abgelehnten „freigemessenen“ Betonmüll

„Unglücklicherweise passen die Fakten nicht zur Theorie“

Das Zitat in der Überschrift geht auf Alexander de Tocqueville zurück und passt nicht nur auf politische Theorien. Dass die Praxis nicht den wunderbaren Ideen vom grünen Tisch folgt, zeigt sich aktuell in Buchen in Sachen neu eingeführter Bioenergietonne. Trotz Papiertüten, trotz Auskleiden des Mülls mit Zeitungspapier, trotz regelmäßiger Reinigung der Tonne ändert sich im Ergebnis nichts: Die befüllte Biotonne stinkt zum Himmel. Nur Tausende Maden fühlen sich dort wirklich wohl. Daran ändern letztendlich auch die Handlungsempfehlungen der AWN nichts. Der Müll dagegen, der nun praktisch täglich aus dem Kernkraftwerk Obrigheim nach Buchen rollen kann, stinkt nicht und wird sich im Alltag erst einmal nicht bemerkbar machen. Aber auch hier gibt es ein Gefälle zwischen Theorie und Praxis, wenngleich es vom Gesetzgeber und von den verantwortlichen Landes- und Regionalpolitikern negiert wird.

Die Theorie des Zehn-Mikrosievert-Richtwertes und das De-Minimis-Prinzip suggeriert dem Bürger Sicherheit, wo keine ist. Nun kommen noch die von Gemeinderat Arno Scheuermann ins Spiel gebrachten Pläne der EnBW hinzu, auch strahlenden „Freimessschlamm“ in Fässern auf die Buchener Deponie zu bringen. Die Dementis von AWN und ihrem Strahlenexperten Küppers folgten umgehend. Lkw standen wohl bisher keine vor den Toren der Deponie.

Eine Stellungnahme der EnBW zu Scheuermanns „Aufdeckungen“ erfolgte bisher nicht. Von daher stellt sich schon die Frage, ob es in der Firmenzentrale diesbezüglich Pläne gibt.

Grundsätzlich haben sich EnBW und AWN die Unschärfe in der Sache wegen ihrer mangelnden Transparenz selbst zuzuschreiben. Der Politik im Neckar-Odenwald-Kreis und in Buchen empfehlen wir, nicht blind auf technische Lösungen und Grenzwerte zu vertrauen, die ausgewählte Fachleute vorstellen, sondern kritisch zu hinterfragen und sich für die Menschen hier einzusetzen.

Um zu hinterfragen, braucht es die Fachkenntnis kritischer Fachleute. Deshalb verlangen „Bigmüg“ und die Initiativen andernorts vom Umweltministerium, Diskussionen nicht abzuwürgen, sondern ein neues Moratorium zuzulassen, damit Bürger und Politiker vor Ort sich ein unvoreingenommenes Bild machen können. Denn vor Ort will man letztendlich zwei einfache Dinge: Dass es nicht stinkt und nicht zusätzlich strahlt!