Buchen

Karl-Trunzer-Schule Buchen In jeder Hinsicht als Premiere erlebten Schüler, Eltern und Lehrer die Aufführung eines selbst gedrehten Streifens

Vom gelungenen Drehbuch ist es noch weit bis zum Film

Buchen.Totenstill ist es im Anbau der Karl-Trunzer-Schule, als auf der Leinwand zu sehen ist, wie Saskia auf dem Dach der Schule steht und ihren verzweifelten Blick nach unten richtet. Sie wird doch nicht tatsächlich springen? Gebannt starren die Schüler auf den Film . . . und können nur noch hoffen, dass sich das Ganze noch zum Guten wendet.

Doch nicht nur der Ausgang ist interessant, auch etwas anderes trägt dazu bei, dass der Film mit dem Titel „Saskia – die Neue“ bei seiner Premiere einschlägt wie eine Bombe: Bei den Schauspielern handelt es sich nämlich nicht um irgendwelche fremden Darsteller, sondern um Jessica, Violeta, Shirin, Saimenur, Haris und Co. – allesamt Mädels und Jungs aus der eigenen Schule, genauer gesagt aus den beiden „Neunten“. Die Drehorte sind dem Publikum bestens bekannt; und auch Drehbuch, Kameraführung, Szenerie, Filmschnitt – alles entstand in den Köpfen der KTS-Crew in den allseits bekannten Räumlichkeiten.

Der selbstgemachte Kurzfilm, der nun interessierten Schülern, Eltern und Lehrern präsentiert wurde, ist das Ergebnis eines Projekts, das der Verein „Werkstattschule Heidelberg“ nun ein knappes halbes Jahr lang an der Buchener Werkrealschule durchführte. Basierend auf dem selbst gewählten Thema „Mobbing“ schrieben die Schüler im Rahmen des KooBo-Projekts (Kooperative Berufsorientierung) ein Drehbuch, ehe sie sich unter der Leitung von echten „Profis“, und zwar den Werkstattschule-Mitarbeitern Isabelle Semma und David Grimaud, an die praktische Umsetzung machten.

Lernen in kleinen Schritten

Und die hatte es wahrlich in sich. Schließlich ist ein gelungenes Drehbuch noch lange kein Film! Nicht nur, dass jede einzelne Szene eine passende Kulisse, abgestimmte Kleidung, unterstützende Farben sowie eine sinnvolle Kameraführung brauchte, jeder Schauspieler musste mit Körperhaltung, Mimik und Gestik seine Gefühlslage verdeutlichen können. Was es heißt, ausdrucksvoll, überzeugend und mit Blicken zu sprechen, musste mit Atemübungen und Diskussionen erst einmal in kleinen Schritten erlernt werden.

Und dabei sind die vielen unterschiedlichen Berufe „hinter der Kamera“ noch gar nicht angesprochen. Auf dem Weg vom Drehbuch bis zum Filmschnitt bekam die immer mehr zusammenwachsende Crew Einblicke in die facettenreichen „zunächst unsichtbaren“ Berufsfelder des Filmemachens, näherte sich diesen an, und gestaltete die „Rohversion“ immer weiter. „Jeder fand seinen Platz“, freuten sich die beiden Hauptverantwortlichen über den Erfolg, „und jeder entwickelte sich irgendwie ein Stück weiter.“

Wobei die Lernmittel aus dem Bereich „Theater“ nicht nur für den Film von Nutzen waren, sondern den Schülern auch bei weiteren Vorträgen, Referaten und anderen Präsentationen hilfreich sein könnten. Und auch das „stabile technische Fundament“, das sich die Jugendlichen mit der Bedienung von Tongerät, Kamera und Co. erarbeiteten, biete einen Fundus an Wissen, so Grimaud im Rahmen der Premiere.

Schließlich ist „KooBo“ ein vom Europäischen Sozialfonds und der hiesigen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit gefördertes und durch das Kultusministerium umgesetztes Projekt zur Förderung der beruflichen Orientierung. Angedacht ist, dass die Teilnehmer in 45 Kontaktstunden an der Lösung eines realen beruflichen Problems arbeiten und am Ende ein Produkt, eine Lösung oder etwas Vergleichbares präsentieren. Im Rahmen der Filmpremiere, die Schulleiter Walter Scheuermann eröffnete, reflektierte das „Filmteam“ nochmals die aufeinander aufbauenden Schritte, den Einblick in die anstrengenden Jobs hinter den Kulissen, das überraschend starke, belastende Gefühl, wenn es darum ging, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, sowie die Übungen und Trainings, die größtenteils das „sich präsentieren“ als Schwerpunkt hatten, aber auch Schreibworkshops beinhalteten. Ob extro- oder introvertiert, vorlaut oder zurückhaltend, technisch begabt oder mit Blick fürs Detail, ausdrucksstark oder kreativ – jeder fand einen „Job“, in dem er sich wohl fühlte.

Neue Erfahrung

„Eine neue Erfahrung und eine gelungene Abwechslung zum Alltag“, fand die Truppe, die beim Abspann mit einem lang anhaltenden Applaus bedacht wurde. Die Crew sowie Schulleiter Scheuermann bedankten sich mit einem Geschenk und Blumen bei den beiden „Profis“ für deren eingebrachte Kompetenz und die Ausdauer bei der Umsetzung dieses großen Projekts. „So etwas ist viel mehr wert als nur darüber zu sprechen“, lobte Scheuermann die „tolle, runde Sache“.

iwa