Buchen

Material aus dem Kernkraftwerk Obigheim Laut AWN wurde kein Lkw vor den Toren von Sansenhecken abgewiesen / Deponietechnische Fragen werden im Vorfeld erörtert

Vorbereitungen für Anlieferung laufen

Archivartikel

Ein Lkw mit Material aus Obrigheim hat laut AWN nicht vor den Toren von Sansenhecken gestanden. Die Anlieferung in Fässern sei aber Thema gewesen und von der AWN abgelehnt worden.

Buchen. „Die Aussage ,eine Anlieferung der EnBW soll von der AWN nicht angenommen worden sein’ suggeriert, dass bereits ein Lkw vor den Toren der AWN stand und nicht einfahren durfte. Das ist falsch“, erklärte gestern AWN-Pressesprecher Martin Hahn. Eine mögliche Anlieferung könne erst stattfinden, wenn nach einer erfolgten Chargenanmeldung alle Verfahrensschritte gemäß der Handlungsanleitung durchgeführt worden seien. Die zuständige Aufsichtsbehörde, das Umweltministerium Baden-Württemberg, sei in diesen Prozessablauf ebenfalls mit eingebunden. Wie bereits mehrfach mitgeteilt, werde die AWN die Öffentlichkeit über alle relevanten Neuigkeiten unterrichten.

Rückbaumaterial aus dem KWO, also „zweckgerichtet freigemessene mineralische Abfälle zur Beseitigung auf Deponien“, so die offizielle Bezeichnung, gelte laut Gesetz nicht mehr als radioaktiv und unterliege somit nicht mehr dem Atomgesetz, sondern dem Kreislaufwirtschaftsgesetz. Obwohl vom Gesetzgeber keine besondere Handhabung für dieses Material vorgesehen sei, „wurde für eine noch größere Sicherheit für die Bevölkerung und die Umwelt im Sommer 2015 eine Handlungsanleitung vorgestellt, wie dieses Rückbaumaterial zu handhaben ist“. „Deshalb müssen im Vorfeld auch technische, insbesondere auch deponietechnische Fragen erörtert werden“, erklärte Hahn. Dazu würden Gesprächsrunden mit allen Beteiligten, also der EnBW als Abfallerzeuger, dem Umweltministerium als Überwachungsbehörde, der AWN als Abfallentsorger und externen Fachleuchten, beispielsweise vom TÜV beziehungsweise vom Öko-Institut gehören. „In diesen Gesprächen werden Verfahrensschritte abgestimmt, die für reibungslose Abläufe sorgen sollen. Solche Abstimmungen sind eine Selbstverständlichkeit“, so der AWN-Pressesprecher weiter.

Anlieferung in Fässern beleuchtet

Unter anderem seien Fragen in Zusammenhang mit der möglichen Anlieferung von Material in Fässern erörtert worden. In Bezug auf die in der Handlungsanleitung vorgegebenen Staubvermeidung seien Fässer eine gute Lösung, allerdings könnten nur teilgefüllte Fässer beim Einbau in den Deponiekörper aufgrund der darin vorhandenen Hohlräume für Probleme sorgen. Die Teilfüllung hänge mit dem maximalen Füllgewicht zusammen – dieses sei gegebenenfalls erreicht, obwohl das Fass noch nicht vollgefüllt ist. „Deshalb wurde eine solche Handhabung als eine deponietechnisch schlechte Lösung eingestuft und es sollen Alternativen bewertet werden“, machte Hahn deutlich. Und weiter: „Ob eine solche Information relevant für die Öffentlichkeit wäre, sollte jeder für sich entscheiden. Wir als AWN sehen es als unsere Aufgabe an, wichtige neue Dinge zu veröffentlichen und somit für Transparenz zu sorgen. Abhandlungen aus dem normalen Tagesgeschäft zu kommunizieren, würde jedoch nach unserer Meinung den Rahmen sprengen.“

Erst wenn alle technischen Details geklärt seien, finde eine Chargenanmeldung statt – dann würden alle weiteren Schritte gemäß der Handlungsanleitung folgen. Und ganz am Ende wäre dann eine Anlieferung auf der Deponie Sansenhecken in Buchen. Die Öffentlichkeit werde von der AWN auf dem Laufenden gehalten. „Für den KWO-Bauschutt gilt im Freigabeverfahren das deminimis-Konzept, das beinhaltet auch Tritium“, erklärte Hahn.

„In der Zeit nach der Abschaltung des Kernkraftwerks Obrigheim im Jahr 2005 wurden bereits zweckgerichtet freigemessene Abfälle in geringem Umfang bei der Deponie in Buchen angeliefert. Seit Einführung der sogenannten Handlungsanleitung des Landkreistages im Jahr 2015 wurden bislang keine zweckgerichtet freigemessene Abfälle in Buchen angeliefert“, so die Presseabteilung der EnBW auf FN-Anfrage.

Viele Schritte erforderlich

Bis zur Anmeldung einer Abfall-Charge und ihrer späteren Anlieferung sei eine Reihe von organisatorischen, praktischen und formalen Schritten erforderlich. Die EnBW sei dabei, diese Schritte abzuarbeiten. Dabei befolge die EnBW sowohl die hierfür geltenden formalen Regelungen als auch die freiwilligen zusätzlichen Punkte, die sich aus der Handlungsanleitung ergeben. Abfall-Chargen müssten beim jeweiligen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger des Landkreises und auch beim Umweltministerium Baden-Württemberg angemeldet werden.

„Wir bereiten derzeit die Anmeldung einer Charge von Abbaumaterial vor, die auf Basis einer zweckgerichteten Freigabe im weiteren Verlauf an die Deponie Sansenhecken geliefert werden soll. Der genaue Termin der Chargen-Anmeldung steht noch nicht fest. Ein Termin für eine Anlieferung wird dann erst im weiteren Verfahrensablauf bestimmt werden“, so die EnBW abschließend. borg