Buchen

Das selbstgeschaffene Stück „Mensch 5.0“ gezeigt Aufführung der Jugendtheatergruppe „Die Suchenden“ der Kolpingsfamilie Buchen im Joseph-Martin-Kraus-Saal

Wenn der bessere Mensch die Maschine ist

Die Jugendtheatergruppe „Die Suchenden“ der Kolpingsfamilie Buchen zeigte im Joseph-Martin-Kraus-Saal ihr selbstgeschaffenes Stück „Mensch 5.0“.

Buchen. Welche Rolle wird der Mensch in der Welt der Zukunft einnehmen? Was macht das Menschsein aus? Wie wird die Digitalisierung unser Leben verändern? Die Jugendtheatergruppe „Die Suchenden“ der Kolpingsfamilie Buchen setzte sich am Dienstag- und Mittwochabend im Joseph-Martin-Kraus-Saal in ihrem selbstgeschaffenen Stück „Mensch 5.0“ mit existenziellen Fragen auf äußerst kreative und teilweise humorvolle Weise auseinander.

Fast eineinhalb Jahre haben sich die 16 Jugendlichen mit den Umbrüchen in Wirtschaft und Gesellschaft auseinandergesetzt und sich Gedanken darüber gemacht, wie sich diese auf das menschliche Zusammenleben auswirken werden. Welchen Beruf soll man ergreifen, wenn die Gefahr besteht, dass dieser in wenigen Jahren an Bedeutung verloren haben könnte, weil möglicherweise Roboter diese Tätigkeiten besser und schneller ausführen werden? Wie verändern sich Schule und das Lernen im Allgemeinen sowie die Rolle der Lehrer? Wird man bald ohne Lehrer lernen, da man sich über das Internet vernetzen und sich das benötigte Wissen selbst besorgen kann? Wird man zum gläsernen Menschen, da immer mehr persönliche Daten gespeichert und miteinander verknüpft werden können?

In der Gruppe der Jugendlichen sind unterschiedliche Auffassungen vertreten: Der eine will reich werden, die nächste Lehrerin, wieder andere wissen nicht so recht, was überhaupt Sinn ergibt in dieser sich so rasch ändernden Welt. Man findet die sorglose Online-Shopping-Anhängerin unter den Jugendlichen wie jene, die den örtlichen Einzelhandel stärken wollen. Man sieht die Vorteile, die zum Beispiel die Neuroprothetik behinderten Menschen bietet, und schätzt jene Technologien, die den Alltag erleichtern. Der philosophisierende Zivilisationskritiker trifft auf Altersgenossen, die lieber „Baywatch“ und Musikvideos schauen, als sich mit Zukunftsfragen auseinanderzusetzen. Hat der Mensch wirklich noch die Wahl der freien Entscheidung, fragen die Darsteller. Wenn Mensch und Maschine sich immer mehr verknüpfen, wo fängt dann die Manipulation an? Der Markt scheint die Entscheidungen der Menschen zu diktieren, ohne dass sie es merken. Menschliche Werte scheinen kaum noch eine Rolle zu spielen. Welche Bedeutung hat dann noch das Bewusstsein? Und was macht das Menschsein aus?

Düsteres Bild

Die Jugendlichen treffen sich schließlich mit einem Zukunftsforscher, der ein düsteres Bild für die Entwicklung bis zum Jahr 2050 zeichnet. „Es ist schwer, optimistisch zu bleiben“, stellen die Jugendlich fest. „Wir schaffen uns doch nicht selber ab!“

Denn genau diese perverse Gefahr scheint zu bestehen: Roboter und Computer, die immer mehr und besser können, was auch Menschen können, die nicht nur Sprache verstehen, sondern auch Gefühle zeigen, die in der Lage sind, auch komplizierte Rechenoperationen in Bruchteilen von Sekunden zu tätigen, so dass sie über den einzelnen Menschen mehr zu wissen scheinen als dieser über sich selbst. Die so entstehende Künstliche Existenz könnte „eine Milliarde Mal klüger sein als der Mensch“. Sie sieht alles, hört alles, weiß alles. Man könnte sie „Alexa“ nennen oder „Siri“ oder einfach Gott. „Die Menschen haben eine Religion“, stellt dieses Roboter-Überwesen fest. „Ich habe Silizium.“ So könnte ein „digitales Abbild“ eines jeden Menschen entstehen, immer verfügbar, immer erreichbar, immer verbesserbar durch die Daten, die die Menschen täglich selbst bewusst und unbewusst liefern. Doch wer ist dann wer? Wer bin ich und wer bist du? „Ich bin du, nur besser“, stellt das an die Wand projizierte Über-Ich fest.

Virtuell und real

Das Netz spannt sich immer dichter, real durch die Darsteller mit Fäden auf der Bühne, virtuell und ebenso real im weltweiten Datennetz. Die beeindruckende Darstellung endet mit der Forderung nach Solidarität unter den Menschen: „Real sind wir Mensch. Virtuell müssen wir menschlich handeln. Wir sind Mensch!“ Beeindruckend war an dieser gut 90-minütigen Aufführung nicht nur, wie sehr die Jugendlichen inhaltlich in die Tiefe gingen. Sie stellten die teilweise komplexen Fragestellungen äußerst kreativ und anschaulich dar, hin und wieder gewürzt mit einer ordentlichen Prise Humor. Und man spürte in jeder Sekunde, wie sehr diese Themen die Darstellerinnen und Darsteller bewegen.

Mitwirkende: Darsteller: Isabel Allin, Natalie Allin, Emma Dörzenbach, Franziska Früh, Lea Genzwürker, Jonas Götz, Maren Heller, Rafael Kaas, Tobias Kaas, Justin Michel, Johanna Parth, Anna-Maria Röckel, David Rödel, Lisa Schneider, Amelie Walter, David Wawatschek. Klavier: Isabel Allin. Violine: Natalie Allin. Viola: David Rödel. Leitung: Daniela Allin und Christof Kieser. Licht und Ton: Volker und René Kremser. Bühnenbild: Davor Manovic.