Buchen

Amerikanisches Grabungsteam zum Bomberabsturz Ende 1944 war erfolgreich Bomben- und Knochensplitter im Waldgebiet Bulau gefunden

„Wir haben hier noch viel Arbeit“

Das amerikanische Grabungsteam, das den Bomberabsturz von Ende 1944 untersucht, war in Buchen erfolgreich.

Buchen. Metallteile, Reste von Kleidung, Ausrüstungsgegenstände, Bomben- und Knochensplitter haben die Mitarbeiter des amerikanischen Vereins „History Flight“ in den vergangenen sechs Wochen im Bereich des Absturzortes im Waldgebiet Bulau gefunden. Sie wollen dort das Schicksal von drei vermissten Soldaten klären, die dort bei einem Absturz eines amerikanischen Bombers am 30. Dezember 1944 ums Leben kamen.

Unzählige blaue oder rote Fähnchen fallen auf, wenn man sich der Absturzstelle nähert. Jedes markiert eine Stelle, an der die Vertreter des Vereins „History Flight“ Metallsplitter gefunden haben. Am Wochenende wird David Rankin, wissenschaftlicher Leiter der Ausgrabungsarbeiten, die Stellen mithilfe von GPS-Daten in eine Karte übertragen. In einem Umkreis von 150 bis 250 Metern um den Absturzkrater herum fanden die Forscher Splitter und Überreste, die sie mit dem Flugzeug oder seiner Besatzung in Verbindung bringen konnten. „Wir können jetzt beweisen, dass es sich bei dem abgestürzten Flugzeug um eine B 17 G handelte“, stellte Rankin fest.

Bombe explodiert

Der Forensiker und Anthropologe stammt aus Arizona, einem US-Staat im Südwesten der USA. Er arbeitete jahrelang für die US-Regierung und leitet nun als Angestellter des staatsnahen Vereins „History Flight“ die Ausgrabungen in Buchen. Er geht davon aus, dass im Krater eine Bombe explodierte und anschließend das Flugzeug in den Krater stürzte und explodierte. Denn während man Bombensplitter tief im Erdreich des Kraters gefunden habe, befanden sich Metallsplitter des Flugzeugs nur in geringer Tiefe. Außerdem habe man in dem Krater Überreste von Ausrüstungsgegenständen und Kleidungsstücke der Besatzung entdeckt, zum Beispiel von einer Gasmaske oder von einem Gerät, das der Navigator für seine Arbeit benötigte. Nach den sechswöchigen Arbeiten kennt man die Streuung der Metallteile des abgestürzten Flugzeugs und kann daraus schließen, in welchem Winkel das Flugzeug ungefähr auf die Erde aufgetroffen ist.

Nach den Worten von Rankin wird man die Knochenfunde in einem Labor in den USA untersuchen lassen. Da diese sehr klein sind und fast 75 Jahre lang im Erdreich lagen, ist es ungewiss, ob sich verwertbare DNA-Spuren extrahieren lassen. Falls ja, werde man diese mit dem Erbgut von Angehörigen vergleichen, um Gewissheit darüber zu erhalten, welche Soldaten im Wald bei Buchen ums Leben kamen. David Rankin ist insgesamt zufrieden mit dem Ergebnis der Ausgrabungen. Ursprünglich wollte man nur 20 Tage in Buchen arbeiten, daraus sind sechs Wochen geworden. Er werde seiner Dienststelle empfehlen, innerhalb der nächsten zwölf Monate weiterzusuchen. „Wir haben hier noch viel Arbeit“, stellte er fest. „Es ist noch ein großes Feld mit Flugzeugsplittern zu durchsuchen.“ Zu David Rankins Team gehören auch vier Anthropologinnen sowie mehrere Grabungshelfer. Einer seiner Mitarbeiter vergleicht neben der Grabungsstelle Metallteile der abgestürzten Maschine am Laptop. Außerdem sei Siegfried Reising, Hobby-Flugzeugforscher und ehemaliger Grabungstechniker beim Landesamt für Denkmalpflege, eine große Hilfe. Denn dieser kenne sich sehr gut mit Flugzeugtypen aus.

Ein Buchener hilft

Ein weiterer Helfer ist der 37-jährige Andi Rekoskum aus Buchen. „Ich bin historisch und archäologisch interessiert“, sagt der gelernte Forstwirt. Er hatte vor einigen Jahren Siegfried Reising bei der Ausgrabung römischer Gebäude bei Bödigheim geholfen. In den vergangenen Jahren sah er immer wieder gemeinsam mit Reising an der Absturzstelle nach dem rechten. Jetzt unterstützte er ehrenamtlich zeitweise das Grabungsteam in der Bulau.

Die Hintergründe des Absturzes recherchierte der Hobby-Historiker Roland Watzl Ende der 1990-er Jahre. Im Jahr 2002 erschien darüber ein Artikel in der Heimatzeitschrift „Der Wartturm“. Demnach nahmen am 30. Dezember 1944 frühmorgens 181 B-17-Bomber mit jeweils neun Mann Besatzung und bis zu 16 Bomben an Bord Kurs auf Mannheim. Gegen 13 Uhr berührten sich bei einem komplizierten Flugmanöver über dem Odenwald zwei Maschinen in 8000 Meter Höhe. Die erste schlug in einem Waldgebiet bei Stürzenhardt auf. Dort gab es keine Überlebenden. Die andere geriet in einen Trudelflug und stürzte schließlich im Waldgebiet Bulau ab. 13 Tote wurden entdeckt. Ein Überlebender wurde 53 Tage lang im Krankenhaus in Buchen behandelt, ein weiterer schlug sich bis Michelstadt durch und wurde dort gefangen genommen. Drei der Abgestürzten werden bis heute vermisst.

Ausgrabungsstelle erhalten

Nach der Abreise des amerikanischen Grabungsteams soll die Ausgrabungsstelle in der jetzigen Form erhalten bleiben. Wie Rankin sagte, bleibe der Absturzkrater offen. Wanderer und Mountainbiker, die diese Stelle passieren, sollen erfahren, was hier vor gut 75 Jahren geschah. Deshalb wolle man eine Informationstafel aufstellen. Außerdem will man an die Passanten appellieren, nichts in den Krater zu werfen und auch nicht nach Metall- oder Ausrüstungsteilen zu suchen. Denn diese könnten einem künftigen Ausgrabungsteam wichtige Erkenntnisse liefern.