Buchen

Biber in der Region Dem Buchener Landwirt Herbert Kieser bereiten die Nager Probleme / Vor fünf Jahren wurde das erste Tier im Neckar-Odenwald-Kreis gesichtet / „Biberfonds“ in Bayern als Beispiel?

„Wir müssen eine Kompromisslösung finden“

Der Biber breitet sich in der Region aus. Die einen freuen sich darüber, andere ärgern sich dagegen. Zum Beispiel der Buchener Landwirt Herbert Kieser, der über Einnahmeverluste klagt.

Buchen. Bei der derzeit herrschenden Trockenheit fällt es schwer, sich überflutete Wiesen entlang der Morre in Richtung Hettingen zwischen Verkehrsübungsplatz und Gärtnerei Röckel-Kaletta vorzustellen. Doch dass das Gras im Überschwemmungsbereich eine hellere Farbe aufweist, ist gut zu erkennen. Wegen der durch die Biberdämme verursachten Überflutungen wächst dort eine andere Grassorte, die der Buchener Landwirt Herbert Kieser nicht zur gewohnten Mähzeit schneiden kann.

Auf dem Rapsfeld auf der anderen Bachseite stehen vertrocknete Halme. Wegen der von dem Nagetier verursachten Überschwemmung wurde der Raps für den Bauer unbrauchbar. „Das bedeutet für mich 20 bis 25 Ar Ernteausfall.“ Weil Kieser damit auch keinen Anspruch auf die Flächenprämie der Europäischen Union hat, fühlt er sich doppelt bestraft.

Vorsichtig vor den Höhlen

Außerdem weist der Landwirt beim Spazieren über die Wiesenfläche auf Löcher im Erdreich hin, verursacht durch Unterhöhlungen des Bibers. Fährt man mit dem Traktor oder der Mähmaschine in ein solches Loch, droht ein Maschinenschaden. Trotz der aktuellen Trockenheit ist der Bach im Bereich der Biberdämme merklich angestaut. Wegen des höheren Wasserstands steht auch in den Wiesen-Drainagerohren des Landwirts das Wasser. Dadurch verschlammen diese und leiten das Wasser von der Wiese nicht mehr ab. „Ich bin hier Alleingeschädigter“, sagt Kieser. „Ich habe lange kämpfen müssen, bis ich Ansprechpartner und Mitstreiter gefunden habe.“

Hohe Bußgelder

Da der Biber unter Schutz steht, dürfen seine Fortpflanzungs- und Ruhestätten nicht einfach beseitigt werden. Bis zu 50 000 Euro können dafür fällig werden. Bei einem Damm sieht es etwas anders aus. „Wir müssen eine Kompromisslösung finden“, sagt Hubert Kieser, Technischer Dezernent der Stadt Buchen. Gemeinsam mit Joachim Bernhardt, Biberberater des Neckar-Odenwald-Kreises, dem Landwirt und einem Mitarbeiter des Städtischen Bauhofs habe man nach Lösungen gesucht. Während der Damm bei der sogenannten „Biberburg“ für Maßnahmen tabu ist, kann man in Maßen bei den sogenannten „Futterdämmen“ eingreifen. So hängte man über zwei Dämmen Kunststoffkanister auf. „Die sind dem Biber suspekt“, sagt Bernhardt. Sie sollen verhindern, dass der Biber die Dämme höher ausbaut. Außerdem vereinbarte man, einen Damm zurückzubauen. „Halte den Damm flach“, habe Bernhardt zu dem Landwirt gesagt. Zwei Wochen später sei der Damm mit schwerem Gerät nahezu weggeräumt geworden. „Er wurde bis auf die Grundmauer heruntergerissen.“ Bei Waldhausen hätten Unbekannte Biberdämme komplett zerstört. „Wir engen den Lebensraum des Bibers immer mehr ein“, stellt Biberberater Bernhardt fest. Hubert Kieser und der betroffene Landwirt betonen, dass man im Hettinger Tal den Damm wie besprochen abgetragen habe. „Hier ist nichts weggerissen worden“, sagt Hubert Kieser. „Das war eine konzertierte Aktion.“

Landwirt Herbert Kieser ist mit dem Erreichten nicht zufrieden. „Die Kanister sind nahezu wirkungslos“, sagt er. Er würde es gern mit Drainagen in den Dämmen versuchen, durch die das angestaute Bachwasser abfließen kann, oder mit einer Art Bypass, der es um den Damm herum leitet. Nach den Worten von Hubert Kieser haben sich diese Maßnahmen bei Waldhausen allerdings nicht bewährt. Dort habe der Biber die Löcher einfach wieder zugestopft. Die Stadt Buchen wäre bereit, dem Landwirt einen zehn Meter breiten Gewässerrandstreifen entlang der Morre abzukaufen. Das wiederum findet Herbert Kieser nicht zielführend. „Das angestaute Wasser kennt keine Zehn-Meter-Grenze“, sagt er. Im Frühjahr standen seine Wiesen bis unter die Brücke der Umgehungsstraße unter Wasser. Stattdessen fordert Herbert Kieser die Landesregierung auf, sich an Bayern ein Beispiel zu nehmen. Dort habe man den Biber angesiedelt. Für Landwirte, die Schäden aufgrund des Nagers zu tragen hätten, wurde ein sogenannter „Biberfonds“ eingerichtet. Die geschädigten Bauern erhalten daraus eine finanzielle Entschädigung. Und der Biber kann ungestört weiterbauen.