Buchen

Restmüllarme Abfallwirtschaft Einführung des neuen Systems stieß nicht bei allen Bürgern in Buchen auf Gegenliebe / Kritik an der Bioenergietonne

Wöchentliche Leerung derzeit nicht vorgesehen

In der Gesamtstadt Buchen und den Ortsteilen von Hardheim wurde die restmüllarme Abfallwirtschaft eingeführt. Nicht alle Bürger sind damit glücklich.

Buchen. Vor allem die Bioenergie- tonne steht im Zentrum der Kritik. Zur Einführung war es sehr heiß und schnell haben sich Maden breit gemacht. FN-Leser, die wir um ihre Meinung gebeten hatten, sprachen sich deshalb teilweise für eine wöchentliche Abholung aus. Auf Missfallen stieß ebenso, dass gewerbliche Einrichtungen das bisherige Müllsystem weiter verwenden. Auch Buchens Bürgermeister Roland Burger wurde von den FN nach seiner Einschätzung gefragt: „Als Buchener Bürger, der das neue System auch umzusetzen hat, kann ich den Unmut teilweise verstehen. Änderungen, für die man gewohnte Handlungsabläufe aufgeben muss und die gefühlt mehr Aufwand mit sich bringen, mag zunächst mal niemand. Ungünstig beziehungsweise verschärfend wirkt sich die Jahreszeit und die Hitze aus. Aber ich bin zuversichtlich: Wenn sich die Sache in Hardheim und Rosenberg eingespielt hat, dann sollte das doch auch in Buchen und den Stadtteilen möglich sein.“

„Die separate Bioguterfassung ist eine deutschlandweite Vorschrift und wird in den jeweiligen Gebietskörperschaften entsprechend den vorherrschenden Gegebenheiten auf verschiedene Art und Weise umgesetzt“, so die KWiN gestern in einer Stellungnahme. Auch hier gehe es um den Umweltschutz: Vorhandene Ressourcen sollten nicht nur entsorgt, sondern sinnvoll verwertet werden. Deshalb entstehe aus den Bioabfällen wertvoller Kompost, der in Gärten und Feldern wieder eine nützliche Verwendung finde. „Im Neckar-Odenwald-Kreis wurde ein eigenes Konzept entwickelt, das den zu beseitigenden Restmüll auf ein Minimum redeziert und bis zum Jahr 2020 flächendeckend umgesetzt werden soll“, erklärt die KWiN. In den Nachbarlandkreisen Miltenberg, Heilbronn und Main-Tauber, sei die klassische Biotonne bereits fester Bestandteil im Abfallwirtschaftskonzept.

„Muss bezahlbar bleiben“

Im Neckar-Odenwald-Kreis sei zur Erfassung von Biogut eine Bioenergietonne (BET) bereits 2010 in Rosenberg und 2013 in Hardheim (Kerngemeinde) im Rahmen des Pilotprojektes „Restmüllarme Abfallwirtschaft“, bei „einer hohen Akzeptanz der Bevölkerung“ versuchsweise eingeführt worden. „Wir sind dankbar über die konstruktive Kritik und die Anregungen aus der Bevölkerung – schließlich ist es unsere Aufgabe, ein abfallwirtschaftliches System zur Verfügung zu stellen, das eine möglichst hohe Akzeptanz erfährt und ökologisch vorbildlich ist – wichtig ist aber auch, dass es bezahlbar bleibt“, machte die KWiN klar.

Bei hohen Temperaturen könne es dazu kommen, dass sich Maden bilden. Die Maden entstehen aus Fliegeneiern, die bevorzugt in tierische Abfälle abgelegt werden. Bereits nach zwei bis drei Tagen schlüpfen die Maden. Allerdings könne man einiges dafür tun, dieser Problematik entgegenzuwirken, wie die KWiN schon auf den verschiedensten Kanälen kommuniziert habe. Es sei wichtig, dass die Speisereste möglichst trocken in der BET landen. Einwickeln in Zeitungspapier, bei stark nässenden Lebensmitteln vorheriges abtropfen lassen im Spülbecken, hab sich bewährt. Speisereste wie Fleisch und Wurst seien diesbezüglich deutlich kritischer als Obst- und Gemüseabfälle. Auch im Rahmen einer bundesweiten Kampagne des Umweltministeriums sei darauf hingewiesen worden, dass viel zu viele Speisereste, auch noch verzehrbare, in der Tonne „landen“ und daraus ein großes Abfallvermeidungspotential abgeleitet werden kann. Tipps dazu gibt es beispielsweise unter www.zugutfuerdietonne.de.

„Verschiedene Landkreise führen im Sommer wöchentliche Leerungen des Biogutes durch – teilweise ist der Grund die Erfassung des saisonal anfallenden Grüngutes . Nach unseren Erfahrungen in den bisherigen Pilotgemeinden wäre eine wöchentliche Leerung nicht zwingend notwendig“, meint die KWiN. Die Kehrseite von häufigeren Abholungen seien nämlich höhere Kosten und ökologische Nachteile (unter anderem mehr Treibhausgase und damit weniger Klimaschutz) durch die zusätzlichen Touren. „Dies wollen wir aber selbstverständlich beobachten“ blickt die KWiN in die Zukunft. Ein automatisches Waschen von Abfalltonnen sei technisch möglich – allerdings gebe es das nicht zum Nulltarif. Es gebe auch nur wenige Landkreise, die dies regelmäßig durchführen. Diese Dienstleistung werde vorwiegend in extremen Ballungsräumen und Innenstadtbereichen angeboten.

„Aus Gründen der besseren Kompostierbarkeit empfehlen wir Papierkompostbeutel oder einfach nur Zeitungspapier“, rät die KWiN. Biologisch abbaubare Bio-Kompostbeutel haben demnach zwei Nachteile: Zum einen erschweren diese Beutel die Behandlung des Biogutes. Zum anderen benötigen diese Beutel eine deutlich längere Verweildauer in den Verarbeitungsprozessen der Kompostwerke. Ansonsten bleiben kleine Kunststoffteilchen übrig und landen so auf Feldern und im Beet. Auch in anderen Landkreisen werde vorwiegend die Verwendung von Papierbeuteln oder Zeitungspapier empfohlen.

Störstofftonne möglich

„Bei den Störstoffen sehen wir eine Sacksammlung als das Standardsystem an. Bei der überwiegenden Zahl der Haushalte fallen nämlich nur geringe Mengen an, rund 20 Kilogramm pro Einwohner und Jahr“, so die KWiN weiter. Dies sei der Grund, warum man nicht generell für jeden Haushalt eine Störstofftonne vorgesehen habe. Anders sei dies bei Windelhaushalten, bei größerem Anfall von Kleintierstreu oder bei schweren Abfällen. Hier gebe es die die Möglichkeit, eine Störstofftonne zu bestellen. Dies sei frühzeitig öffentlich kommuniziert worden, unter anderem auch in den Abfallkalendern, die Mitte Mai an alle Haushalte verschickt wurden. Die Auslieferung der bestellten Störstofftonnen beginnt am 13. Juli. Bis dahin sollten die standardmäßig ausgeteilten roten Störstoffsäcke, das Jahreskontingent bei einer 60-Liter-BET seien 24 Säcke mit jeweils 30 Liter Inhalt, als Grundausstattung reichen. „Nach unseren Erfahrungen ist die ,Anonymität’ des Inhaltes aufgrund der Einfärbung der Störstoffsäcke sichergestellt“, erklärt die KWiN. Bei der Entsorgung von Scherben empfehle man, diese in Zeitung einzuwickeln, damit der Sack nicht beschädigt werde. Die BET- und die Störstoffsammlung werde zwar am gleichen Abfuhrtag, aber selbstverständlich „getrennt“ durchgeführt. Entweder werde mit zwei getrennten Fahrzeugen gefahren oder es komme ein sogenanntes Mekam-Fahrzeug zum Einsatz – dieses verfüge über zwei getrennte Kammern für die separate Erfassung der verschiedenen Abfallfraktionen.

Für jede Bioenergietonne waren zwei Zehn-Liter-Vorsortierbehälter in rot und grün vorgesehen. Auch für registrierte Müllgemeinschaften werden diese Behälter in der aktuellen Umstellungsphase von der KWiN kostenlos zur Verfügung (AWN-Gebäude in Buchen, wieder lieferbar ab Mitte August). „Die Qualität aus der ersten Leerung der Bioenergietonnen in Buchen war gut – hier sind wir sehr froh, dass die Bürgerinnen und Bürger die neuen Trennkriterien so gut umgesetzt haben und von Ausnahmen abgesehen keine Kunststoffbeutel verwendet wurden“, zeigt sich die KWiN zufrieden. Als kommunaler Abfallentsorger könne sie viele verschiedene Dienstleistungen zusätzlich anbieten – allerdings sei es eine wichtige Aufgabe, auch die Gebühren im Blick zu behalten: „Wir müssen somit zusammen mit der Bevölkerung Lösungen entwickeln, die eine größtmögliche Akzeptanz finden, gut für die Umwelt aber trotzdem auch bezahlbar sind.“

Auch im Main-Tauber-Kreis haben die Fränkischen Nachrichten nachgefragt. Dort habe man gute Erfahrungen gemacht und setze immer wieder auf Information der Bevölkerung. „Im Main-Tauber-Kreis möchte man die Biotonne nicht mehr missen, egal zu welcher Jahreszeit“, war aus der Pressestelle des Landratsamtes zu hören. borg/kwin