Creglingen

Geplantes Seniorenheim (I) Bauvorhaben „bedeutet brachialen Bruch“

Anwohner üben deutliche Kritik am Standort

Archivartikel

Creglingen.Das geplante Seniorenpflegeheim im Craintaler Weg sorgt bei einigen Anwohnern für erheblichen Widerstand (wir berichteten). Auch bei der Beteiligung der Öffentlichkeit im Rahmen des laufenden Bebauungsplan-Verfahrens hatten Bürger die Möglichkeit, ihre Bedenken vorzutragen. Und davon machten sie rege Gebrauch.

Ein direkter Nachbar sieht sich durch den Bebauungsplan in seinen Rechten verletzt, da ein Bauvorhaben wie die Senioreneinrichtung im Rahmen der bislang im Plan definierten zentralen Festsetzungen nicht zulässig sei. Die geplante Einrichtung vermindere nicht unerheblich seine Lebensqualität und den Wert seines Grundstücks. Er bemängelt zudem den fehlenden Sichtschutz, so dass er sich auf seiner Terrasse womöglich wie ein „Ausstellungsstück“ vorkomme. Kritik übt er ferner am Schattenwurf und an dem „unzumutbaren“ Zu- und Abgangsverkehr. Er behalte sich vor, den Plan auch auf dem Weg einer Normenkontrollklage zu bekämpfen.

Eine Anwohnerin bezweifelt, dass der Craintaler Weg in der Lage sei, weiteren Verkehr aufzunehmen. „Die Zahl der vorhandenen Kraftfahrzeuge des gesamten Wohngebietes Craintaler Weg/Waldstraße/Am Stutz könnte sich durch das Bauprojekt quasi verdoppeln“, so ihre Einschätzung. Beide Erschließungsstraßen – Waldstraße und Craintaler Weg – würden in den stark abschüssigen und sehr viel engeren Bereich der Waldstraße münden, bevor diese auf die L 1005 treffe. Hier gebe es heute schon „prekäre Verkehrsspektakel“, zumal es keine Gehwege gebe und sich ältere Menschen der L 1005 nicht sicher annähern könnten.

Der geplante Neubau, so die Anwohnerin weiter, habe eine geradezu „bedrohlich wirkende“ Größe und bedeute einen „brachialen Bruch“ mit der bisherigen Bauweise.

Sie befürchtet außerdem „Folgekosten“, falls sich die Kanalisation als unzureichend herausstelle und im Falle einer Überschwemmung des Kanalsystems ihr Haus unter Wasser gesetzt werde.

Nicht nachvollziehbar sei für sie, dass für einen Gewerbebetrieb in ein Landschaftsschutzgebiet eingegriffen werde. Aus ihrer Sicht gebe es mit dem Gewerbegebiet Äckerbrunnen einen weiteren möglichen Standort für das Seniorenheim.

Weitere Anwohner fürchten durch die Bauarbeiten Schäden an ihren Gebäuden beziehungsweise Grundstücken und generell einen Wertverlust der Immobilien.

Eine weitere Anwohnerin, die sich anwaltlich vertreten lässt, sieht bei der Mitte 2019 drohenden Schließung des bisherigen Pflegeheims „Emma-Weizsäcker-Haus“ keinen „zwingenden und zeitnahen Handlungsbedarf“. Aus ihrer Sicht sei eine Verlängerung der bis September 2019 geltenden Übergangsregelung bis ins Jahr 2034 möglich. Das verbleibende Zeitfenster von 16 Jahren könne dazu genutzt werden, einen Standort zu entwickeln, der städtebaulich mehr Sinn mache. Mit Blick auf die Verkehrssituation wie etwa fehlende Bürgersteige oder „ungenügende Querschnitte“ der beiden Straßen spricht die Anwohnerin von einer latenten „Gefahr für Leib oder Leben“ der Pflegeheim-Bewohner. Diese Gefahr, so ihre Forderung, müsse „aktenkundig“ gemacht werden. Für den Fall, dass sich die endgültigen Festsetzungen des Bebauungsplanes als rechtsfehlerhaft erweisen sollten, sei der Anwalt mit einer Normenkontrollklage beauftragt.

Wie die Stadt Creglingen die Einwendungen bewertet, ist in einem weiteren Bericht auf dieser Seite zu lesen. abo