Creglingen

Kabarettabend im Romschlössle Ein „Weiberabend“ nicht nur für Frauen / Glänzend aufgelegtes Trio legt Finger in die Wunden

Herrlich offen und ganz schön bissig

Archivartikel

Creglingen.Die Bücherei hatte zu einem musikalischen Kabarett unter dem Motto „Weiberabend – auch für Kerle“ eingeladen und tatsächlich, ein Drittel der Besucherinnen hatte einen männlichen Begleiter im Schlepptau. Im Saal und auf der Empore war bis auf den letzten Platz alles besetzt.

Wer sich auf einen netten, entspannten Abend eingestellt hatte, wurde bald eines besseren belehrt. Jutta Gromes, Isolde Neef und Franziska Hammel hatten ein Bühnenprogramm zusammengestellt, das tief in die Seele der Frau blicken ließ. Mit viel Komik und Wortwitz, Musik und Gesang beleuchteten die Kabarettistinnen die kleinen und großen Probleme des täglichen (Zusammen-) Lebens. Dabei gaben die Vertreter des anderen Geschlechts nicht immer die beste Figur ab.

Den Anfang machte Franziska Hammel am Flügel mit „Kein Problem“, ihrer Version des Titelsongs von „Golden Eye“. Danach ging es so richtig ab, und jede Frau konnte sich in irgendeiner Weise wiederfinden. Auch ihre eigenen kleinen Schwächen nahmen die Kabarettistinnen aufs Korn, so zum Beispiel mit dem wabbeligen Teil eines Hefeklumpens. Um geschmeidigen Hefeteig ging es auch, als Jutta Gromes in schönstem „Creichlmer“ Dialekt erzählte, wie Gott im anmutigen Taubertal die Frau erschaffen hat und von allen Vorzügen dieser wunderbaren Region der Frau ein Stück davon einpflanzte.

Weniger poetisch wurde es, als Isolde Neef unter anderem das Lied vom Baumarkt, frei nach Reinhard Mey, anstimmte und die handwerklichen oder weniger geschickten Fähigkeiten der Männer genauestens beleuchtete.

Dabei bewies sie einmal mehr, wie präzise und prägnant sie mit ihrem Stimmrepertoire den wunden Punkt traf und Franziska Hammel, die junge Pianistin, den weißen und schwarzen Tasten virtuos die passenden Töne entlockte.

Damit man den Weiberabend mit allen Sinnen so richtig genießen konnte hatte das Büchereiteam gesorgt: Der Secco perlte in den Gläsern, die kleinen Snacks mundeten, und die Stimmung war glänzend.

Herrlich offen, spritzig, frivol und manchmal ganz schön bissig ging es auch nach der Pause weiter. Mit messerscharfem Humor wurde das Verhältnis zwischen Frau und Mann analysiert. Lieder wie „Der fünfte Jahrestag“ waren ebenso sarkastisch, wie „Ja Schatz“, wo beinahe alles in einer mörderischen Metzelei geendet wäre.

„Männer über vierzig“ sollte vielleicht den Herren der Schöpfung eine Warnung sein, wie Mann es am besten anstellt, damit die Frau nicht auf und davon läuft.

Melancholischer wurde es zum Schluss, als die drei Frauen mit dem Lied „Wennze meins“ von den Missfits darauf hinwiesen, alles mal grade sein zu lassen und das Leben in allen Augenblicken zu genießen.

Und ab und zu sind Ehemänner doch ganz nützlich. Sie hielten im Hintergrund bei der Technik die Fäden in der Hand und packten beim Abbau kräftig mit an – sie haben somit trotz allem ihre Daseinsberechtigung. Kleinkunstfans mit musikalischen Vorlieben sind beim „Weiberabend...auch für Kerle“ auf alle Fälle auf ihre Kosten gekommen.

Beschwingt, gut gelaunt und mit einem flotten Lied im Ohr und auf den Lippen machten sich die Gäste nach zweieinhalb Stunden auf den Heimweg. Der große Zuspruch ist sicher ein Anreiz, eine Veranstaltung ähnlicher Art wieder einmal zu organisieren. egc