Creglingen

Mit 76 Jahren Barbara Pfundt-Tittelbach gestorben

Keinem Konflikt aus dem Weg gegangen

Creglingen/Ludwigsburg.Die langjährige Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins Creglingen, Barbara Pfundt-Tittelbach, ist im Alter von 76 Jahren in Ludwigsburg gestorben. Sie hatte die Arbeit des Vereins über Jahrzehnte geprägt. Für die Erhaltung historischer Bausubstanz war sie keinem Konflikt aus dem Weg gegangen – was ihr bei kommunalen Verwaltungen und Hauseigentümern nicht unbedingt Sympathien einbrachte.

Zuletzt sah man Barbara Pfundt-Tittelbach nur noch selten im Raum Creglingen, der ihr seit Ende der 70-er Jahre zur zweiten Heimat geworden war. Dort hatte die Ludwigsburgerin im Ortsteil Finsterlohr zusammen mit ihrem Mann Josef das alte Pfarrhaus erworben und gleich noch einen vom Abriss bedrohten Schuppen des ehemaligen Creglinger Bahnhofs mitgebracht. Damit war schon vorgezeichnet, was sie am meisten umtrieb: der Erhalt alter Bausubstanz – und die Erforschung der regionalen (Bau)geschichte.

Wahrscheinlich war auch ihr Weg zum Kultur-und Heimatverein vorgezeichnet. Der Ende der 70-er Jahre gegründete Verein wurde in der Anfangszeit von Apotheker Albert Zahn geführt. 1980 wurde Barbara Pfundt-Tittelbach zu seiner Nachfolgerin gewählt. Dieses Amt übte sie bis ins Jahr 2008 aus – und damit fast 30 Jahre lang. In dieser Zeit focht sie manchen Streit aus, auch mit der Stadt Creglingen. Wenn sie ein ihrer Ansicht nach schützenswertes Objekt ausfindig gemacht hatte, dann setzte sie alles dran, es zu erhalten – auch gegen den Willen der Eigentümer. Da blieben Auseinandersetzungen nicht aus, zumal Barbara Pfundt-Tittelbach nicht unbedingt mit diplomatischem Geschick agierte, sondern eine gewisse konfrontative Ader besaß. Auch wenn sie im Kampf um historische Bausubstanz meist nur zweite Siegerin blieb, verfolgte sie unbeirrt ihre Ziele und ließ sich von Rückschlägen nicht unterkriegen. Ihre Ausdauer stellte Barbara Pfundt-Tittelbach auch in der Heimatforschung unter Beweis. Stundenlang brütete sie in Archiven über alten Akten – und brachte etwa Hochinteressantes zum historischen Fasanengarten in Waldmannshofen ans Tageslicht. Und auch dem Wasserschloss in Archshofen widmete sie viel Zeit. Es war, wie sie einmal feststellte, das Denkmal, mit dem sich der Verein am meisten befasst habe. Ihrem Forscherdrang zu verdanken war zudem die Entdeckung der ältesten Creglinger Ansicht aus dem Jahr 1617. Das Bild wurde von Moritz Stieber geschaffen. Es ist laut Barbara Pfundt-Tittelbach die bislang bekannte älteste Darstellung von Creglingen. Engagiert war Barbara Pfundt-Tittelbach auch im jüdischen Museum Creglingen, wo sie zu den Stiftern gehörte und lange Jahre aktiv im Beirat mitwirkte.

Mit Barbara Pfundt-Tittelbach verliert Creglingen nicht nur eine streitbare Frau, die sich vehement für den Erhalt historischer Bausubstanz einsetzte, sondern auch eine Persönlichkeit, die viel für die Erforschung der Heimatgeschichte geleistet hat.