Creglingen

Pferdemarkt Beim traditionellen Empfang richtete ein gut gelaunter Bürgermeister deutliche Worte an Stuttgart

„Mehr Geld, und wir sind glücklich“

Optimismus pur verströmte Bürgermeister Hehn beim Pferdemarkt-Empfang. Was ihm noch fehlt zu seinem Glück, ist die Einsicht in Stuttgart, dass Flächengemeinden mehr Geld brauchen.

Creglingen. Der Pferdemarkt in Creglingen ist ein großes Who is Who der Region. Sehen und gesehen werden lautet das Motto. Unzählige Repräsentanten des öffentlichen Lebens versammeln sich alljährlich am Creglinger Nationalfeiertag, und der Bürgermeister hält beim Empfang traditionell eine mit trockenem Humor gewürzte Rede. Diesmal war es nicht anders, als sich Uwe Hehn gestern in der Musikhalle an die Gäste wandte.

Der Creglinger Bürgermeister brauchte Ausdauer, um all die Namen der Gäste aufzulisten, die ihn beehrten. Unter den Bürgermeistern war auch ein OB: Hartmut Holzwarth aus Winnenden, einst selbst Chef auf dem Sessel im Creglinger Rathaus. Und erstmals kam Heike Naber nach Creglingen. Die neue Bürgermeisterin von Niederstetten durfte sogleich auch das Wort ergreifen, und sie zierte sich auch nicht lange: „Ich bin zu jeder Schandtat bereit,“ meinte die aus Assamstadt stammende und mit fastnachtlicher Kompetenz gesegnete Verwaltungsfachfrau. „Du, Uwe, bist gerade heraus, und ich bin unerschrocken,“ scherzte die Bürgermeisterin. Das zusammen ergebe ein gutes Tandem. Ein Lob von Heike Naber erhielt Uwe Hehn für seinen direkten Draht zu Petrus: „Das richtige Wetter bestellen kannst Du besser,“ meinte sie mit Blick auf den strahlenden Sonnenschein und den verregneten Niederstettener Rossmarkt.

Eingestimmt auf die Reden wurde das Publikum von der Chorgemeinschaft Creglingen/Archshofen/Niederrimbach, die unter Leitung von Ernst Preininger drei Lieder vortrug – unterstützt vom ehemaligen Landrat Georg Denzer, der sich tapfer in den Pulk der Sänger einreihte und ankündigte, dass er im kommenden Jahr beim Jubiläums-Pferdemarkt mit Polizeihauptkommissar Fritz Danner aus Schonach in einer Kutsche mitfahren werde.

Auf das Jahr 2018 blickte Uwe Hehn zufrieden zurück. Das schnelle Internet hat bis auf wenige Ausnahmen Einzug gehalten in Creglingen, „das ist auch ein großes Verdienst des Landkreises“, sagte der Creglinger Bürgermeister. Und die letzten Flecken sollen auch noch beseitigt werden. „Dass es hier zu Verzögerungen kommt, liegt nicht am Landkreis, sondern an der Politik,“ so Uwe Hehn. Als zweites Großprojekt bezeichnete er den Neubau des Container-Kindergartens ganz in der Nähe der Musikhalle. „Den haben wir in vier bis fünf Monaten aus dem Boden gestampft“. An die Landespolitik richtete Hehn den dringenden Appell, bei der Mittelverteilung künftig mehr auf die Sorgen der Flächengemeinden einzugehen. „Stuttgart soll eine Strukturabgabe einführen, dann sind wir die glücklichsten Menschen. Wenn wir das schaffen, leben wir im besten Landstrich der Welt“.

Hartmut Holzwarth, von 1998 bis 2010 Bürgermeister von Creglingen und seitdem OB in Winnenden, zollte Uwe Hehn Anerkennung für seine Arbeit. Zugleich warb er für den Besuch der Heimattage, die in diesem Jahr in Winnenden stattfinden.

Als Vertreter von Landrat Frank, der in Stuttgart weilte, sprach Werner Rüger, Chef des Flurneuordnungsamtes, von einem passenden Motto für den Umzug: „Creglingen, galaktisch gut“. Die allgemeine Lage sei besser als die Stimmung, meine Werner Rüger. Creglingen befinde sich auf einem guten Weg.

Auch der Landkreis habe sich verbessert, in einem Ranking des Magazins Focus von Platz 173 auf Rang 70. Und es werde weiter investiert, etwa in den Straßenbau und den weiteren Breitbandausbau. Verständnis äußerte Rüger für Hehns Forderung nach einer gerechteren Finanzzuweisung.

Für ihr ehrenamtliches Engagement wurden mit einem Holzpferdchen Marianne Zink und Gertrud Volck geehrt. Sie betreuen seit 1999 das Lindleinturm-Museum und haben bislang über 31 000 Besucher durch das originelle Museum geführt. Gewidmet ist das Museum der letzten Bewohnerin des Turmes, Margarete Böttiger, die 1995 im Alter von 98 Jahren gestorben ist. Sie hatte den Turm 66 Jahre lang bewohnt und ihn der Stadt vermacht, zusammen mit einer Erbschaft in Höhe von 280 000 Mark.

Das Geld war an einen bestimmten Zweck gebunden: die Stadt musste aus dem Turm ein Museum machen.

Ebenfalls ein Pferdchen erhielt Elfried Güllich vom Kunstverein, die nicht anwesend sein konnte. Der Kunstverein, dem Elfriede Güllich seit 1996 vorsteht, hat seit dem Jahr 2000 rund 81 Konzerte, 22 Ausstellungen, mehrere Lesungen und Kabarettabende veranstaltet. Zum Ende des Jahres will Elfriede Güllich sich vom Vorstandsvorsitz zurückziehen.

Ein kurzes Grußwort hatte zuvor auch die Tauberzeller Weinprinzessin Selina I. gesprochen.