Creglingen

Taubertal Festival Knapp 18 000 junge Menschen legen die Region um Rothenburg lahm / Dosenravioli als sichere Alternative zum Grillgut

Nur wer früh auf den Beinen ist, ergattert einen guten Stellplatz

Reutsachsen/Rothenburg.Die Zutaten für das 23. Taubertal Festival in Zahlen: Drei Bühnen im Tal, zusätzlich eine Partylocation im Steinbruch. 68 Konzerte erwarten die Besucher, davon 14 Bands auf der Hauptbühne, 38 auf der Sounds-for-Nature-Bühne, und zwölf Mal gibt´s im Steinbruch auf der Anhöhe nach Reutsachsen etwas auf die Ohren.

Insgesamt sorgt ein Team von etwa 500 Organisatoren, Helfern, Umweltengeln und Sicherheitskräften dafür, dass rund 18 000 Festivalgäste ein unvergessliches Wochenende erleben – und für viele begann dieses schon mit der Anreise am gestrigen Mittwoch. Dann werden die Campingplätze in Beschlag genommen und das jeweilige Zeltdorf errichtet. Besonders am heutigen Donnerstag könnte das für das Creglinger Oberland den einen oder anderen Stau bedeuten. Das Camping-areal Berg ist wieder sehr nah an den Creglinger Teilort Reutsachsen gerückt, die Organisatoren der Agentur „Karo“ zeigen sich dankbar angesichts der grenzübergreifend guten Zusammenarbeit. „Wir haben in den letzten Jahrzehnten so gute Partnerschaften aufgebaut, das wollen wir auf gar keinen Fall überreizen und tun deshalb alles dafür, die Einschränkungen für die Anwohner so gering als möglich zu gestalten“, so Florian Zoll vom Veranstalter Karo.

Am gestrigen Mittwoch und vor allem am heutigen Donnerstag ist wieder mit erheblichen Rückstaus zu rechnen. Die Einheimischen sind gut beraten, an den traditionellen Anreisetagen die Gegend in und um Rothenburg zu meiden, das Verkehrsaufkommen wird wieder erheblich sein.

Volker Hirsch, Geschäftsführer der Konzertagentur Karo und damit verantwortlich für das Taubertal Festival, ist für die Auswahl der Bands persönlich zuständig. Die Konkurrenz um die Künstler ist groß, schließlich steht nur eine begrenzte Anzahl von Musikern für ein Festival dieser Größe zur Verfügung und gleichzeitig sind diese natürlich in den Sommermonaten schnell ausgebucht. „Die Zusammenstellung des Programms ist daher lange in Bewegung, kurzfristige Änderungen sind immer möglich“, so Florian Zoll im Gespräch mit unserer Zeitung, der als zweiter Mann seit vielen Jahren hinter Volker Hirsch steht. Highlights in diesem Jahr sind am Freitag die „Beatsteaks“, die schon mehrfach in Rothenburg gastierten. Am Samstag sollte der Auftritt von „Kraftklub“ fest eingeplant werden, bevor dann am Sonntag die „Broilers“ und „Marteria“ den hoffentlich krönenden Abschluss des Festivals einläuten.

Dass Volker Hirsch wieder einmal den Geschmack des Publikums getroffen hat, beweist auch die Tatsache, dass die Drei-Tages-Tickets schon seit Wochen ausverkauft sind. Aktuell sind nur noch wenige Tagestickets verfügbar und natürlich die üblichen Versandrückläufer. Wer sich spontan noch für Karten interessiert, erfährt auf der Homepage des Veranstalters den aktuellen Sachstand.

Für viele Besucher allerdings sind die Bands fast schon Nebensache, denn ihnen geht es ums Campen und den Spaß mit Freunden – insbesondere die einheimische Jugend ist am Mittwochmorgen in aller Früh aufgestanden, damit der Zeltplatz den eigenen Vorstellungen entspricht. „Taubertal heißt nicht einfach nur Übernachten und aufs Festival gehen, da gehört viel mehr dazu“, so eine Gruppe Jugendlicher aus dem Creglinger Oberland. Schon viele Wochen vorher wird nach einem geeigneten Gefährt Ausschau gehalten, in dem über das Wochenende die Vorräte verstaut werden können und das als originelle „Dorfmitte“ der Zeltstadt dienen kann. Die Jugendlichen wurden in einem ausrangierten Kleinbus fündig, der aber natürlich erst noch anständig dekoriert und zum Campmobil umgebaut werden musste. „Ein paar Abende gehen dafür schon drauf, aber die Vorfreude steigt natürlich“, lachen die begeisterten Autoschrauber. Und natürlich gehört ein Kühlschrank samt Stromaggregat zur Grundausstattung – „schließlich muss das Bier ja gekühlt werden“, so die Jugend im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Florian Zoll betonte, dass die vorausgesagte Hitze verbunden mit der wochenlangen Trockenheit die Veranstalter vor zusätzliche Herausforderungen stellt. „Der Platz wird seit Tagen bewässert, um die Staubbildung bei der Benutzung durch die Camper und vor allem beim Befahren mit Anhängern, Autos und Transportern, einigermaßen in Schach zu halten.“

„Aufgrund der gemeldeten starken Gewitter sind wir auch im regen Austausch mit den örtlichen Wetterstationen, damit wir bei einer Bedrohungslage die Gäste rechtzeitig dazu auffordern können, einen Platz in geschlossenen und damit sicheren Fahrzeugen aufzusuchen“, so Zoll. Außerdem wurden Wasserstellen geschaffen, Schwemmfässer umliegender Landwirte vorsorglich befüllt, um im Falle eines Flächenbrandes rasch reagieren zu können und die Feuerwehr in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten weist Florian Zoll darauf hin, dass das Grillen in geeigneten Behältnissen und Vorrichtungen aktuell noch erlaubt sei, allerdings unter dem Vorbehalt, dass es bei massiver Brandgefahr verboten werden muss.

Auch darauf haben sich die Jugendlichen eingestellt: „Es geht doch nichts über Dosenravioli aus der Mikrowelle – wenn nötig fünf Tage lang“ erklären die Oberländer Jungs und haben doch tatsächlich eine alte Mikrowelle zum Taubertal Equipment dazu gepackt. Und sollten alle Stricke reißen, dann verhungert und verdurstet immer noch niemand, denn neben dem Oberländer Dorfladen in Finsterlohr gibt es auch auf dem Festivalgelände einen Supermarkt und natürlich jede Menge Stände, die auf hungrige und durstige Partygänger warten.