Creglingen

Landwirtschaft Auch das vierte Gremium im oberen Bezirk lehnt die Änderung des Creglinger Flächennutzungsplans ab

Ortschaftsrat Oberrimbach stimmt knapp gegen Mastställe

Archivartikel

Nur knapp hat der Ortschaftsrat Oberrimbach den Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplanes der Stadt Creglingen abgelehnt – und damit auch den Bau von vier Hähnchenmastställen.

Oberrimbach. Der Ortschaftsrat Oberrimbach tagte am Donnerstag im Rathaus – und die hohe Zahl an Besuchern zeigte, dass ein wichtiges Thema auf der Tagesordnung stand: die Änderung des Flächennutzungsplanes (FNP) der Stadt Creglingen und damit auch der Antrag des Oberrimbacher Landwirts Matthias Frieß auf den Bau von vier Tierwohlkonzeptställen für insgesamt 200 000 Masthähnchen. Denkbar knapp fiel am Ende das Ergebnis der geheimen Abstimmung aus: Bei Stimmengleichheit von 2:2 war der Antrag abgelehnt.

An der Abstimmung beteiligten sich nur vier der sechs Oberrimbacher Ortschaftsräte. Ortsvorsteher Albert Kellermann konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Sitzung teilnehmen, und sein Stellvertreter Siegfried Bruder erklärte sich für befangen, da er zusammen mit Matthias Frieß eine GbR betreibt. So übernahm der dienstälteste Ortschaftsrat, Martin Ott, die Sitzungsleitung. Unter den rund 25 Besuchern waren auch Einwohner von Blumweiler und der potenzielle Bauherr. Die Einwohner von Blumweiler hatten ihre Ablehnung schon in den Sitzungen der Ortschaftsräte Blumweiler, Schmerbach und Finsterlohr deutlich gemacht. Im wesentlichen fürchten sie eine deutliche Einschränkung der Gesamtentwicklung Blumweilers, das rund 1000 Meter entfernt in der Hauptwindrichtung des geplanten Baus liegt. Die Zukunft der in Blumweiler ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe werde erschwert, führte ein Blumweiler Bürger aus. Zudem, so seine Befürchtung, könnte die Zahl der Hähnchenställe in Zukunft erweitert werden, da das Grundstück größer sei als für die vier beantragten Ställe erforderlich. Auch einen möglichen Verkauf der Anlage an einen Investor stellte der Kritiker als Szenario dar – und ob ein auswärtiger Käufer das Interesse der Region im Auge habe, sei zu bezweifeln. Das Bauvorhaben passe in seiner Dimension nicht in die kleinteilig strukturierte Region und es sei auch nicht im Interesse der Region, dort für einen Millionenbetrag einen Ein-Mann-Betrieb hinzustellen.

Landwirt Matthias Frieß wies die Vorwürfe der Kritiker mit Nachdruck zurück. Es sei geradezu „irre“, einen Verkauf der Ställe in Erwägung zu ziehen. „Niemand baut einen Stall, um ihn dann zu verkaufen, ich bin doch kein Immobilienmakler,“ so der Landwirt. Auch sei es nicht möglich, künftig einfach die Tierzahl zu erhöhen, da in einem Bebauungsplan „Sondergebiet Tierhaltung“ die Zahl der Tier klar definiert sei. Die von den Gegnern des Projekts erhobenen Vorwürfe würden jeder Grundlage entbehren, „das sind reine Spekulationen aus dem Bauchgefühl heraus“, meinte Matthias Frieß.

Nicht nur aus den Reihen der Landwirte aus Blumweiler kam Kritik an dem Vorhaben. Eine Bürgerin fürchtete um den Wert der Immobilien. „Will denn künftig überhaupt noch jemand nach Blumweiler ziehen?“ lautete ihre Frage mit Blick auf die mögliche Geruchsentwicklung. Auch der Ruheforst bei Oberrimbach könne, so ihre Befürchtung, vom Geruch beeinträchtigt sein: „Welche Besucher will denn so ein nettes Gschmäckle einatmen?“

Matthias Frieß verwies auf das von ihm bei einem anerkannten Fachbüro in Auftrag gegebene Gutachten: „Die Immissionsprognose ist in Ordnung“, betonte Frieß. Er sei bewusst an die Öffentlichkeit gegangen und habe über sein Bauvorhaben ausführlich informiert, obwohl dies nicht vorgeschrieben sei.

In den letzten zehn Tagen hatten sich bereits die Ortschaftsräte Blumweiler, Schmerbach und Finsterlohr mit der Änderung des Flächennutzungsplanes befasst (wir berichteten). In Blumweiler wurde der Antrag mit 5:1 Stimmen abgelehnt, in Finsterlohr mit 4:1 und in Schmerbach mit 3:2. In beiden letzteren Gremien hatte sich je ein Mitglied des Ortschaftsrates für befangen erklärt.

Der Creglinger Gemeinderat wird sich voraussichtlich in seiner Sitzung am Dienstag, 2. April, dem Thema widmen, wie Bürgermeister Uwe Hehn auf Anfrage erklärte. Der Gemeinderat ist an das Votum der Ortschaftsräte rechtlich nicht gebunden, in der Vergangenheit war es jedoch üblich, dass das Gremium den Beschlüssen der Ortschaftsräte folgte. Ausnahmen gab es in aller Regel nur, wenn die Beschlüsse des jeweiligen Ortschaftsrates rechtswidrig waren, wie dies etwa bei der Planung des Windparks Klosterwald vereinzelt der Fall war.

Tierwohlkonzeptställe

Das Vorhaben sieht den Bau von vier Tierwohlkonzeptställen für die Hähnchenmast vor. Jeder Stall ist 100 mal 24 Meter groß und nimmt 50 000 Hähnchen auf. Das Tierwohl-Konzept sieht einen zirka zehn Prozent geringeren Besatz im Vergleich zu normalen Ställen sowie Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere vor. Auf den Quadratmeter kommen 18 Küken. Nach 39 Masttagen werden die Ställe komplett geleert und gereinigt. Im Jahr werden rund 5800 Tonnen Futter benötigt. Es fallen zirka 2000 Tonnen Mist an.

Für den Fall, dass der Gemeinderat den Flächennutzungsplan nicht ändert und damit das Bauvorhaben quasi beerdigt, hat Matthias Fries ein anderes Projekt ins Auge gefasst. Auf einem erschlossenen Grundstück, das zirka 590 Meter von Schmerbach und 430 Meter von Oberrimbach entfernt liegt, würde er einen Hähnchenmaststall bauen, der von der Größe her privilegiert wäre.