Creglingen

Sicherheitslage in Creglingen Nach Verhaftung eines Rädelsführers Hoffnung auf Besserung

Security geht bis zum Jahresende weiter auf Streife

Creglingen.Die Stadt Creglingen wird bis zum Jahresende weiterhin einen Security-Dienst mit Kontrollgängen im Stadtgebiet beauftragen. Dies beschloss der Gemeinderat am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung. Zuvor hatten die Stadtverwaltung und das Gremium in öffentlicher Sitzung über die Sicherheitslage im Tauberstädtchen diskutiert – vor allem mit Blick auf die Taten einer Gruppe Jugendlicher, die für erhebliche Unruhe gesorgt hat (wir berichteten).

„Wir haben mit den Jugendlichen gesprochen und mit ihren Eltern, und man hatte den Eindruck, viele Eltern wissen gar nicht, was ihre Kinder so treiben“, sagte Bürgermeister Uwe Hehn. Alle Gespräche hätten nichts gebracht. Bei manchen Eltern gebe es „totale Hilflosigkeit“ oder sogar „Desinteresse“, ergänzte das Stadtoberhaupt. Dass es so lange gedauert hat, bis einer der Rädelsführer jetzt in Untersuchungshaft genommen worden sei, führe dazu, dass bei den Jugendlichen der Eindruck entstehe, sie hätten keine ernsten Konsequenzen zu fürchten, meinte Uwe Hehn. „Die fühlen sich dadurch in ihrem Verhalten bestätigt“. Mit der Verhaftung des 19-Jährigen ändere sich das jetzt hoffentlich. „Und das bringt vielleicht auch den einen oder anderen Mitläufer zum Nachdenken,“ so Hehns Hoffnung. Klar sei aber auch, dass man das Ganze nicht mit staatlichen Mitteln „reparieren“ könne.

Der Einsatz der Security sei richtig, „auch wenn das Geld kostet“. Nach einem tätlichen Angriff auf den Sicherheitsdienst sitzt der Rädelsführer mittlerweile in U-Haft, einem anderen Mitglied der Gruppe droht dies ebenfalls. „Ich hoffe, dass es dann wieder ruhiger wird“, betonte der Verwaltungschef.

„Die Gerichtsbarkeit hat bisher versagt“ wählte Stadträtin Anita Bone-Czerniejewski deutliche Worte. Allerdings könne es nicht nur mit Gegendruck der Staatsmacht gehen, „wir brauchen auch pädagogische Hilfe“. Der Einsatz der Security habe einerseits die Situation verschärft, andererseits habe er aber auch dafür gesorgt, dass sich die Bürger wieder sicherer fühlten, so die Stadträtin.

Sie plädierte für die Einführung einer Art runden Tisches mit Vertretern von Einrichtungen wie der Jugendhilfe, dem CJD und der Stadt. Diese Diskussion wurde in die anschließende nicht öffentliche Sitzung verlegt – ohne dass man dort, wie zu hören war, zu einem konkreten Ergebnis kam. Bürgermeister Hehn sparte ebenfalls nicht mit Kritik an der Gerichtsbarkeit: „Ein Stück weit wird die Jugendkriminalität vom Staat geschützt,“ meinte er. Es sei etwa extrem schwierig, eine Videoüberwachung genehmigt zu bekommen.

Der Finsterlohrer Ortsvorsteher Fritz Danner sagte in seiner Eigenschaft als Erster Polizeihauptkommissar und stellvertretender Leiter des Polizeireviers Bad Mergentheim, dass die Polizei nicht untätig gewesen sei, was man auch an der Verhaftung des Rädelsführers sehen könne. „Wir sind da auf die Staatsanwaltschaft und das Gericht angewiesen,“ führte Danner aus. Es dauere generell sehr lange, bis ein Jugendlicher in U-Haft genommen werde, räumte Danner ein. „Die Strafe müsste eigentlich auf dem Fuße folgen, eine Verhandlung erst ein Jahr nach der Tat bringt wenig,“ so seine Einschätzung.

Der Polizeibeamte berichtete von einer stark gestiegenen Kriminalitätsrate in Creglingen. Die Körperverletzungen hätten im Vergleich zum Vorjahr extrem zugenommen, und auch die Fälle an Sachbeschädigungen seien stark gestiegen, von vier (2017) auf 24 (Januar bis September 2018). Mit der Verhaftung des Rädelsführers hoffe man, dass sich die Lage jetzt beruhige. abo