Creglingen

Jüdisches Museum Creglingen Neue Ausstellung „Die Synagoge – Schnittpunkt jüdischen Lebens“

Tora-Vorhang im Fokus

Archivartikel

Creglingen.Mit der Ausstellung „Die Synagoge – Schnittpunkt jüdischen Lebens“ möchte das Jüdische Museum „eine Brücke bauen zwischen den Religionen“ sowie zwischen den Menschen, egal welchen Glaubens. Im Mittelpunkt steht der wertvolle Toravorhang aus der ehemaligen Creglinger Synagoge.

Vor 110 Jahren hatte der israelitische Frauenverein den kostbaren Toravorhang der jüdischen Gemeinde gestiftet. Damals herrschte noch reges jüdisches Leben in Creglingen. 30 Jahre später war es vorbei damit. Am 9. November 1938 verwüsteten die Nazis die Synagoge.

Wie der aus rotem Samt gefertigte, kunstvoll bestickte Vorhang damals gerettet werden konnte, ist nicht überliefert. Heute befindet sich das sakrale „Schmuckstück“ im Besitz der Stuttgarter Synagoge. Rabbiner Jehuda Puschkin folgte der Leihgabe und kam mit seiner Familie aus Stuttgart zur Eröffnung der Ausstellung angereist.

Sabine Kutterolf-Ammon, Vorsitzende der Stiftung Jüdisches Museum Creglingen, zeigte sich in ihrer Rede bescheiden: „Ich, eine Christin, noch dazu eine evangelische Theologin und Pfarrerin und soll im Beisein eines gelehrten Juden etwas über dessen Religion und Bräuche sagen…“. Sie erläuterte: Der Toravorhang (Parochet) gehöre zum Allerheiligsten einer Synagoge.

Er hänge vor dem Tora-Schrank und werde nur geöffnet, wenn im Laufe des Gottesdienstes eine Thorarolle zur Lesung entnommen würde.

Dieser Vorhang sei aufs Engste mit der hiesigen Jüdischen Gemeinde verbunden. Die von dem Historiker Thomas Ridder konzipierte Ausstellung des Jüdischen Museums Westfalen solle die Bedeutung der Synagoge für Juden zeigen und näher mit der jüdischen Glaubens- und Lebenswelt vertraut machen.

„Wir möchten ein deutliches Zeichen setzen. Ein Zeichen gegen Judenhass und Antisemitismus“ erklärte die Vorsitzende. Der Zeitraum der Ausstellung sei bewusst um den 9. November herum gewählt worden, um an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren zu erinnern. Danach hätten die letzten 23 Juden die Stadt verlassen. Der Appell zum Schluss der Rede von Kutterolf-Ammon war deutlich: „Lassen wir nicht zu, dass sich die Geschichte wiederholt, lassen wir nicht zu, dass judenfeindliche Äußerungen wieder salonfähig werden.“