Creglingen

Niederimbach Sängerin Lore Egner nach 78 Jahren verabschiedet / 2000 Singstunden und fast 1000 Auftritte absolviert

Tragende Säule des Gemischten Chors

Archivartikel

2000 Singstunden und fast 1000 Auftritte – das ist die sängerische Bilanz von Lore Egner. Nach 78 aktiven Jahren im „Gemischten Chor“ der Kirchengemeinde wurde sie jetzt verabschiedet.

Niederrimbach. So viele Jahrzehnte wie Lore Egner seien wohl wenige Menschen singend im Einsatz gewesen. Das würdigte Chorleiterin Christine Egner bei der Verabschiedung von Lore Egner während eines feierlichen Gottesdiensts in der Niederrimbacher Kirche St. Johannes Baptist. 78 Jahre lang habe Lore Egner im „Gemischten Chor Niederrimbach“ gesungen, dem Kirchenchor der evangelischen Kirchengemeinde.

Zu einer „Stütze des Chors“ sei sie geworden, einem Vorbild für viele Sängerinnen und Sänger. Ihr gebühre großer Dank von Chor und Gemeinde.

Als Zeichen einer „respektvollen Verabschiedung“ überreichte Günter Emmert die Ehrenurkunden des Chorverbands in der Evangelischen Kirche Deutschland und des Verbands Evangelische Kirchenmusik in Württemberg.

Chorverbandspräsident Kirchenmusikdirektor Christian Finke, Berlin, würdigte dazu ihr Engagement und die viele an Werk- und Sonntagen eingebrachte Zeit, mit denen sie „viele Menschen und auch sich selbst bereichern“ konnte. Kirchenmusikdirektor David Dehn, Vorsitzender des Bereichs Chöre des württembergischen Verbands, hob die große Treue zu Chor und Gemeinde hervor – in unserer schnelllebigen Gesellschaft sei das keine Selbstverständlichkeit. Lore Egner habe so mit „dazu beigetragen, dass Gottes Lob in unserer Welt erklingt“. „Wer singt“, so stellte Pfarrer Matthias Haas in seiner Predigt fest, „der spürt, dass die Lieder ins Herz dringen und Wurzeln schlagen“. Singende Menschen könnten so „einen Schatz in sich sammeln, herauskommen aus dem Alltag und auf Jesus hören“. Der „gemischte Chor“ gehört seit der Konfirmation zu Lore Egners Leben, das sie stets in dem kleinen Dorf im Rindbachtal verbracht hat. Ihr Lehrer Otto Schmied hatte ihr damals im Singen ein „sehr gut“ ins Zeugnis geschrieben. Das war zugleich die Empfehlung, ab jetzt im „gemischten Chor“ mitzusingen.

Schön sei das gewesen, erinnert sich Lore Egner, denn „da ist man dann unter die Leute gekommen“. Das Singen machte ihr Spaß und dass man sich in das fügen musste, was die älteren Chormitglieder angaben, das „war eben so“. Leonhard Keller, der zugleich Organist war, leitete den Chor und die Proben, die „Singstunden“, fanden in seinem Wohnzimmer statt. Dann sang man bei fröhlichen und traurigen Anlässen, in den ersten Jahren auch bei etlichen Trauergottesdiensten für die Gefallenen aus dem Dorf. Später stand dann immer wieder auch ein Ausflug auf dem Programm, an den Bodensee oder an die Mosel – und das waren schon Höhepunkte im Jahreslauf.

Die tüchtige junge Frau blieb im Dorf wohnen. Sie heiratete Günther Egner, erzog die Kinder, führte den kleinen Laden und trug die Post aus. Die Enkel fanden stets eine offene Türe bei ihr. Dazu wollte immer wieder jemand aus der Nachbarschaft versorgt und gepflegt werden. „Manchmal weiß man nicht, wie man das alles geschafft hat“, stellte Lore Egner im Rückblick fest. Da hat sie das Singen fröhlich erhalten über all die Jahrzehnte.

Jetzt aber forderte das Alter seinen Tribut und schweren Herzens gab Lore Egner das Singen im Chor auf. 78 Jahre Chorgesang – das macht ihr so schnell keiner nach, war man sich einig. ekn