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Fechten Heute beginnt die WM im chinesischen Wuxi

Bokels Plan dauert zehn Jahre

Archivartikel

Die deutschen Fechter werden von ihrer Präsidentin bei der WM in China nicht unter Druck gesetzt. Es gibt keine Vorgaben, wie viele Medaillen geholt werden sollen. Stattdessen entwickelt Claudia Bokel die Vision, dass der DFeB 2028 wieder zu den Top-Nationen gehört.

Die Medaillenbank des legendären Cheftrainers Emil Beck ist zwar nicht komplett geschlossen. Aber die Zinserträge in Form vieler Medaillen bei Olympia, WM oder EM sind seit Jahren zu niedrig, das weiß im Deutschen Fechter-Bund nicht nur Präsidentin Claudia Bokel. Null waren es in Rio 2016, nur eine war es bei der WM 2017 in Leipzig durch Richard Schmidt mit Degen-Bronze.

Will die ehemalige Weltmeisterin Bokel nun im Hauruck-Verfahren zurück zu altem deutschen Fechter-Glanz? „Nein“, sagt die 44-Jährige vor dem Welt-Championat vom 19. bis 27. Juli in der chinesischen Stadt Wuxi. Stattdessen forciert Bokel zusammen mit Sportdirektor Sven Ressel den behutsamen Wiederaufbau einer Sportart, die in früheren Zeiten so erfolgreich war.

„Wir arbeiten an einer Vision, dass wir 2028 wieder ganz vorn sind“, ließ Bokel wissen. Deshalb gibt es Wuxi auch keinen Druck für die 24 deutschen Starter. Bokel: „Es gibt keine Medaillenvorgabe.“ Dabei tut Eile eigentlich not, denn die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio beginnt schon am 1. April 2019.

Hoffnung Hartung

Zuversicht ist da, Ressel sieht „schnelle Umsetzungsmöglichkeiten. Wir gehen die nächsten Aufgaben mit großem Mut an.“ Einer, der beim aktuellen Umbruch besonders viel Mut macht, ist Max Hartung. Als Säbel-Europameister von 2017 und 2018 ist der Dormagener die größte deutsche WM-Medaillenhoffnung.

Der 28-Jährige hält sich bedeckt: „Ich werde nicht sofort die Goldmedaille anvisieren. Ich will mir im Vorfeld nicht zu großen Druck machen. Man kann das nicht planen, sondern nur ein Match nach dem anderen machen. Mit Versprechungen will ich da nicht reingehen.“ Ihm ist trotz des EM-Titels vom Juni in Novi Sad bewusst, dass es sofort vorbei ist, „wenn man kurz den Fokus verliert“.

Auch aus diesem Grund hat sich Hartung als DOSB-Athletensprecher ein wenig zurückgezogen, in der WM-Vorbereitung sein Mobiltelefon zwischenzeitlich ausgeschaltet und nicht mehr jede Mail angeschaut. Die Doppelfunktion als Weltklassefechter und Kämpfer für die Belange der deutschen Top-Sportler kostet Energie, wenngleich Hartung klipp und klar eines feststellt, auch für den Weg zu den Spielen in zwei Jahren in Japan: „Ich bin überhaupt nicht müde, ich habe noch so viel Energie, ich habe noch so viel Kraft.“

Und mit dieser Kraft will er nicht nur bei der WM „die großen Nationen ärgern. In China werfen wir alles rein.“ Speziell im Teamwettbewerb; denn Hartung hat etwas gut zu machen nach seinem Fauxpas von Leipzig: Im denkwürdigen Achtelfinale gegen Frankreich übernahm er als deutscher Schlussmann eine 40:27-Führung und verlor noch 44:45. Am Ende wurde es für die mitfavorisierten Deutschen Platz neun.

Das soll sich in Wuxi ändern. „Wir haben eigentlich ein extrem starkes Team. Nicht viele Länder haben wie wir vier Top-Säbelfechter. Wir gehören zu den besten Mannschaften.“ Das zeugt von neuem Selbstbewusstsein. Und „wenn’s richtig zusammenläuft – dann trauen wir uns richtig viel zu. Aber die anderen sind auch richtig hungrig. Da ist richtig Druck auf dem Kessel“.

Vom FC Tauberbischofsheim sind im deutschen WM-Kader: Anne Sauer, Leonie Ebert, Eva Hampel, Leonie Ebert, Leandra Behr (alle Frauen-Florett), Benjamin Kleibrink, Alexander Kahl (beide Herrenflorett) und Beate Christmann (Damen-Degen). dpa