Fechten

Die Wettkämpfe Deutsche Athletinnen liefern nicht die erhofften Ergebnisse / Russinnen dominieren einmal mehr

Der Druck ist gleich gestiegen

Archivartikel

Als es gestern in der Emil-Beck-Halle um die Top-Platzierungen des Mannschafts-Weltcups der Florett-Frauen ging, suchte man die Deutschen vergebens. Nach der 28:31-Niederlage im Achtelfinale gegen Polen mussten sie sich in den wenig beliebten Platzierungsgefechten auf den Nebenbahnen des Stützpunktes Tauberbischofsheim um ein noch möglichst ordentliches Resultat mühen. Doch auch dies gelang mit dem elften Rang nur bedingt. Zu Beginn der Olympia-Qualifikation sind die deutschen Florett-Frauen erst einmal hart in der Realität aufgeschlagen. Oder doch nicht?

DFeB-Sportdirektor Sven Ressel und Bundestrainer Giovanni Bortolaso hatten schon „vorgesorgt“ und nach der Niederlage gegen Polen die sanften Fallmatten ausgebreitet, indem man das Ergebnis dieses HeimWeltcups sogleich als „Streichresultat“ (siehe auch interview links) einordnete. Es werden nämlich nur drei der fünf Team-Weltcups gewertet. Klar ist aber: Wenn gleich das erste Turnier ein Streichergebnis ist, dann erhöht das den Druck für die weiteren Weltcups.

„Die Bürde des hohen Rückstands zu Beginn des Gefechts war zu groß“, sagte Bundestrainer Bortolaso zur Niederlage gegen Polen. 3:10 hieß es, nachdem Leonie Ebert, Eva Hampel und Carolin Golubytskyi je einmal auf der Planche gestanden waren. Verletzungsbedingt wurde Anne Sauer geschont. „Sie ist normalerweise unsere Schlussfechterin. Dieses Mal war es Leonie. Vielleicht hat sie deshalb nicht so frei gefochten“, analysierte der Fechtmeister aus Italien.

Vertrauen ins „Kernteam“

Nach einigen „Experimenten“ hat sich der Bundestrainer nun auf das „Kernteam“ mit Leonie Ebert, Anne Sauer, Carolin Golubytskyi und Eva Hampel für die „Olympia-Quali“ festgelegt. Andere ambitionierte Fechterinnen wie beispielsweise Kim Kirschen oder Leandra Behr müssen sich somit erst einmal hinten anstellen. „Es müsste eine andere im Einzel mal unter die besten 16 kommen. Dann kann ich darüber nachdenken zu wechseln“, erklärte Giovanni Bortolaso sein Ansinnen und fügte an: „Bei der EM und WM muss das Team auf dem höchsten Level sein. Die Ergebnisse dort sind nicht zu kompensieren. Das ist das, was ich will. Diese Mannschaft ist so stark, dass sie die Qualifikation auf jeden Fall schaffen kann.“

Es war eine nachvollziehbare Vorsichtsmaßnahme, die angeschlagene Anne Sauer nicht starten zu lassen. Denn auch Sportchef Sven Ressel weiß: „Verletzungsmäßig darf im Grunde gar nichts passieren. Aber das ist in allen anderen Waffen auch so.“

Beim Einzel-Turnier am Samstag ruhten die Hoffnungen der Deutschen auf Leonie Ebert, im vorigen Jahr immerhin Dritte beim Heim-Weltcup. Doch dieses Mal reichte es „nur“ zu Rang 17, weil sie in der Runde der letzten 32 gegen die spätere Dritte Erica Cipressa (Italien) mit 9:15 unterlag. „Sie hätte sie schlagen können, doch Leonie ist jung und darf auch noch Fehler machen“, legte Giovanni Bortolaso schützend die Hand über die 19-Jährige. Sie werde das wegestecken, denn „sie ist stark im Kopf“, sagte der Bundestrainer. Carolin Golubytskyi (9:15 gegen die Russin Laris Korobeynikova) und Eva Hampel (11:15 gegen Leyla Pirieva aus Russland) waren schon im „64-er“ ausgeschieden.

Die Russinnen dominierten einmal mehr ein Weltcupturnier: Die Weltranglisten-Erste und Olympiasiegerin Inna Deriglazova stellte mit ihrem souveränen 13:7-Finalsieg gegen Landsfrau Anastasia Ivanova einmal mehr ihre derzeitige Vormachtstellung im Frauen-Florett unter Beweis. Und auch beim Mannschaftssieg der Russinnen war die 29-Jährige die tragende Säule in allen Team-Gefechten.