Fechten

Fechten Wegen eines Formfehlers auf der Einladung kann die Mitgliederversammlung des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim am Dienstagabend keine Beschlüsse fassen

Finanz-Vorstand legt sein Amt nieder

Archivartikel

Draußen wehte der angenehm laue Wind eines perfekten Sommerabends, drinnen, in den Räumen des Teilinternats in der Emil-Beck-Halle, stand die Luft eher. Dennoch wollte der Fechtclub Tauberbischofsheim bei seiner Mitgliederversammlung am Dienstag viele wichtige Beschlüsse fassen. Allerdings musste das alles erst einmal auf den Ersatztermin 25. Juli vertagt werden – wegen eines Formfehlers auf der Einladung. Fecht-Club-Vorstandsmitglied Eberhard Gienger verkündete zerknirscht: „Die Einladung hätte eigentlich von zwei Vorstandsmitgliedern unterzeichnet sein müssen“, signiert hatte sie allerdings nur Vorstand Lothar Derr. Resultat: Die Versammlung ist nicht beschlussfähig. Vor allem die am 15. Oktober vergangenen Jahres auf den Weg gebrachten Mitgliederbeitragsänderungen bleiben so weiter in der Schwebe, kommen aber wohl eh nicht wie eigentlich vorgesehen. FC-Finanzvorstand Thomas Beyer räumte am Dienstag ein: „Die Änderungen konnten aus technischen Gründen bisher nicht umgesetzt werden. Deshalb steht eine Entscheidung über die Beibehaltung des bisherigen Mitgliederbeitragssystems an.“

Berufliche Gründe

Beyer tat am Dienstag allerdings eine noch viel weitreichendere – persönliche – Entscheidung kund: „Ich werde meine Mitgliedschaft im Vorstand niederlegen.“ Der Finanz-Mann des FC begründete diese Entscheidung mit der zunehmenden Unvereinbarkeit seiner beruflichen Verpflichtungen und dem erheblichen Zeitaufwand, den der Posten eines Finanzvorstands eben so mit sich bringt.

So sah man sie denn wachsen, die Sorgenfalten in den Gesichtern der Mitglieder: Schwierige finanzielle Zeiten für den Club, der Finanzvorstand weg – und ums Geld geht’s natürlich auch bei den verbliebenen großen Turnieren, für die im Fechtzentrum an der Tauber noch die Planchen aufgebaut werden. So ein Damenflorett-Weltcup mit 42 Nationen kostet gut und gern einmal 30 000 Euro. „Dieses Mal haben wir das selbst finanziert, doch das wird künftig wohl nicht mehr möglich sein“, erklärte Bayer. Der Vizepräsident des Deutschen Fechter-Bunds, Dieter Lammer, hakte da gleich einmal konkret nach: „Ist die Finanzierung dieses Turniers in Tauberbischofsheim auch für 2020 gesichert? Es gibt natürlich auch andere interessierte deutsche Städte.“ Ein klares Ja gab’s von den FC-Vorständen als Antwort auf diese Frage nicht. Allerdings, so erklärte der neue Geschäftsführer der Fechtclub TBB Marketing GmbH (früher SMT), Dr. Heiko Holler, stehe man sowohl für die Deutsche Florettmeisterschaft, als auch für den Florett-Weltcup mit einem möglichen Sponsoren in Verhandlungen.

Finanzvorstand Thomas Bayer räumte ein und mahnte zugleich: „Der Weltcup ist eine echte Perle, wenn der einmal ist, ist er weg. Dafür muss man kämpfen.“ Gleichzeitig übte er auch Kritik am fehlenden Interesse und Engagement von Stadt und Region: „Das ist immerhin die einzige Veranstaltung auf Weltklasse-Niveau in ganz Heilbronn-Franken.“

„Im FC steht der Fechter im Mittelpunkt, das sollten wir alle fördern“, erklärte der designierte Sportvorstand des Vereins, Klaus Dieter Rupp, und stellte die Rolle vor, die er künftig einnehmen möchte: „Der Sportvorstand ist Mittler zwischen Athleten, Trainern und Vorstand.“ Rupp verwies detailliert auf die jüngsten Erfolge der FC-Sportler. „Wir sind nach wie vor der erfolgreichste Verein Deutschlands und auch auf internationalem Parkett sehr gut vertreten“, stellte Rupp fest. 29 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften, davon zehn Goldmedaillen, aber auch unzählige Finalplatzierungen bei nationalen und internationalen Turnieren, das ist die sportliche Bilanz der letzten Monate. Zu den Höhepunkten zählen die Senioren-Weltmeistertitel von Volker Fischer und Roman Christen, der A-Jugend-Europameistertitel von Arwen Borowiak sowie die Bronzemedaille der U23-EM Herrenmannschaft mit Rico Braun und Samuel Unterhauser.

„Wichtig ist, dass so viele gute Sportler wie möglich für den FC fechten.“ Und das sei auch eine Frage der Bedingungen, die die Leistungssport-Athleten in Tauberbischofsheim vorfinden. Dabei solle die finanzielle Belastung für den Fechter so gering wie möglich bleiben. Es müssten also Sponsoren gefunden werden, denn die Umsetzung eines jeden Konzepts hänge „natürlich von den finanziellen Mitteln ab“. Auch hier also alles am Ende eine Frage des lieben Geldes.

„Bis jetzt nicht gewirkt“

Der Versuch, selbiges vermehrt über Spenden an die Gesellschaft zur Förderung des Fechtclubs (GFFC) zu generieren, hat in den letzten Monaten offenbar nur wenig Erfolg gezeitigt. Thomas Bayer: „Das hat bis jetzt nicht gewirkt.“ „Die kritischen Punkte wie die Bilanzen können heute nicht auf den Tisch kommen“, resümierte der frühere Reck-Recke Eberhard Gienger gegen Ende der Veranstaltung. Genau die werden es allerdings sein, die die Mitglieder beim Termin der nächsten Versammlung am 25. Juli und im Tagesordnungspunkt „Aussprache“ wohl ganz besonders interessieren.

Sportlich läuft’s für den Traditions-Verein also zufriedenstellend, vor allem der Nachwuchs macht auf den Planchen im In- und Ausland von sich reden, doch über allem in der Pestalozziallee steht erst einmal weiterhin die Frage: Wohin steuert das FC-Schiff in der großen Frage der Finanzierung?