Fechten

Fechten Enttäuschung pur nach dem schwachen Abschneiden des DFeB bei den Weltmeisterschaften in Wuxi (China)

Medaillenbank? Das war einmal

Archivartikel

Nach den ersten Weltmeisterschaften seit 1971 ohne Medaille herrscht Enttäuschung pur bei den deutschen Fechtern. Die Titelkämpfe in China machten klar: Der Weg zu den Spielen 2020 in Tokio wird mehr als steinig.

Niedergeschlagener Sportdirektor

Die Medaillenbank des legendären Tauberbischofsheimer Cheftrainers Emil Beck ist jetzt endgültig geschlossen. Um 13.06 Uhr Ortszeit in Wuxi wurde aus den schlimmen Befürchtungen bittere Gewissheit: Die deutschen Fechter beenden in China eine Weltmeisterschaft erstmals seit Wien 1971 ohne Medaille. „Es ist eingetreten, was eintreten konnte, was wir aber vermeiden wollten“, kommentierte der völlig niedergeschlagene Sportdirektor Sven Ressel das Geschehen. „Enttäuschung pur!“. Damit brachte er die Bilanz zwei Jahre nach den ebenfalls medaillenlosen Rio-Spielen auf den Punkt.

Als Anne Sauer im Florett-Viertelfinale gegen Frankreichs WM-Zweite Ysaora Thibus den Treffer zur 38:45-Niederlage hinnehmen musste, war es definitiv: Zum ersten Mal nach 47 Jahren bleiben deutsche Fechter ohne WM-Podestplatz. Die anderen Teams scheiterten schon im Achtelfinale. Mit Wehmut erinnern die deutschen Fechter sich nun an die Zeiten von Beck: Der 2006 gestorbene Trainer war ein „Medaillenschmied“. Er führte auf dem Höhepunkt seines Wirkens Anja Fichtel, Sabine Bau und Zita Funkenhauser bei den Olympischen Spielen 1988 zu Gold, Silber und Bronze mit dem Florett.

Bei der WM in Wuxi fehlte den Florettherren beim 44:45 gegen Gastgeber China ein Treffer, das Damensäbel-Quartett verlor erwartungsgemäß mit 33:45 gegen den Olympia-Fünften Südkorea. Am Ende standen Platz sieben für die Florett-Damen, der Absturz des Herrenflorett-Teams auf Rang 15 und Position elf der Säbeldamen.

Doch schon in diesen Minuten forderte Ressel sich, die Trainer und die 24 Athleten zum Kampf um schnelle Besserung auf: „Wir setzen unseren eingeschlagenen Weg noch konsequenter fort“, kündigte der Sportchef für die im April 2019 beginnende Olympia-Qualifikation an. Er will alle Kräfte bündeln, die Trainingseinheiten noch stärker konzentrieren – aber auch konsequent sein und notfalls personell nachjustieren oder sich von dem einen oder anderen trennen.

„Nur diejenigen, und da sind nicht nur die Aktiven gemeint, die an sich glauben und den Willen haben, die Olympia-Qualifikation mit aller Kraft angehen zu wollen, werden auf ihrem Weg mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt.“ Ressel glaubt fest daran, dass es junge Sportler „mit Potenzial“ gibt: „Diese Athleten werden wir mit aller Kraft unterstützen. Wir können das schaffen! Der Glaube stirbt zuletzt!“

Wenig positive Elemente

Indes: Von den positiven Elementen gibt es aktuell eindeutig zu wenige. Dass die 18-jährige Leonie Ebert mit dem Florett Platz elf belegte, ist erfreulich, zeugt vom Potenzial der früheren Nachwuchs-Weltmeisterin. Medaillenhoffnungen indes erfüllten sich nicht: Europameister Max Hartung wurde mit dem Säbel Elfter und erreichte mit dem Team lediglich Rang fünf, den Vorjahresdritten Richard Schmidt ereilte diesmal der Erstrunden-K.o. – Platz 36 ist eine Enttäuschung für den Degenfechter.

Dass Peking-Olympiasieger Benjamin Kleibrink und der viermalige Einzel-Weltmeister Peter Joppich mit dem Florett nur die Schlusspositionen 55 (Kleibrink) und 64 (Joppich) einnehmen, zeugt davon, dass die Besten der anderen Nationen weit enteilt sind. Auch der Absturz von Florett-Frau Sauer auf Rang 33, von Degenfechterin Alexandra Ndolo auf 76 und von Anna Limbach mit dem Säbel ist bitter: Bei der WM 2017 in Leipzig war sie noch Fünfte, Ndolo und Sauer waren Achte. Die weibliche Degenmannschaft wurde Achter, die Degenherren wurden Zwölfter.

In den Einzeldisziplinen erreichten nur Leonie Ebert, Eva Hampel, Max Hartung, Benedikt Wagner und Alexander Kahl ein Achtelfinale. Ressels ernüchternde Erkenntnis von Wuxi: „Ich versuche wirklich alles, damit wir erfolgreich sind, aber leider setzen unsere Fechter nicht die Siegtreffer.“