Fechten

Comeback Nach über einem Jahr Babypause ist Carolin Golubytskyi wieder zurück in der deutschen Mannschaft / Ein bisschen „verrückt“

Rückkehr mit einem Hurrikan im Gepäck

Archivartikel

Nach ihrem Aus in der Einzelkonkurrenz am Samstag um kurz vor 11 Uhr verließ Carolin Golubytskyi von Future Fencing Werbach schnell die Wettkampfstätte. Diese „Flucht“ geschah allerdings nicht aus Frust über die 9:15-Niederlage gegen die Russin Larisa Korobeynikova im „64-er“, sondern aus Fürsorge. Dahei“, bei ihren Eltern in Königheim, wartete nämlich Töchterchen Yuna.

„Sie ist ein kleiner Hurrikan“, berichtet die junge Mütter, die nach ihrer über einjährigen Babypause seit wenigen Monaten wieder ins Training eingestiegen ist, in Tauberbischofsheim ihren zweiten Weltcup absolvierte und 58. wurde. Ehrgeizig hatte sie sich durch den ersten, den Qualifikation-Tag gekämpft – zusammen mit Nationalmannschaftkollegin Eva Hampel.

Sie ist also wirklich wieder zurück und will nun zusammen mit der Frauen-Florett-Nationalmannschaft die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio schaffen. „Es ist auch ein bisschen meiner Fecht-Verrücktheit geschuldet. Fechten ist meine Leidenschaft“, nennt „Caro“, wie sie überall gerufen wird, die Gründe für ihr Comeback. Sollte die „Quali“ wirklich gelingen, wäre es die vierte Olympia-Teilnahme für die 33-Jährige.

Carolin Golubytskyi hat nach der Geburt von Yuna ihren Lebensmittelpunkt in die USA verlegt. Dort betreibt ihr Mann Sergei, einst selbst vierfacher Florett-Weltmeister, in der Nähe von Los Angeles eine Fecht-Schule. „Der Kontakt ist natürlich nie abgerissen. Vor allem Leonie und Anne wollten unbedingt, dass ich noch einmal für die Mannschaft und für die Olympia-Quali fechte“, so die fünffache Deutsche Meisterin.

„Wir brauchen sie“

Aber auch der Verband hat sich sehr um das Comeback von „Caro“ bemüht. „Es war unser Wunsch. Wir brauchen sie als stabile Fechterin für die Mannschaft“, sagt Sven Ressel, Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes. Er freut sich, wie übrigens Bundestrainer Giovanni Bortolaso auch, über die gute Fitness, mit der Golubytskyi auf die Planche zurückgekehrt ist. „Ja, die Fitness ist da“, freut sich auch die Athletin, dass sich ihr Trainingsfleiß ausgezahlt hat. Es fehle allerdings noch ein wenig das Gefühl für die Mensur, was freilich der langen Wettkampfpause geschuldet ist.

Das Comeback war aber gar nicht so einfach. „Ich musste erst einmal alles organisieren und unter einen Hut bringen.“ Bei der Kinderbetreuung seien vor allem ihre Eltern wichtig, sie kamen im April auch nach Anaheim (USA). Dort focht sie ihr erstes Turnier nach der Baby-Pause.

Zurück in die USA geht es für Carolin Golubytskyi in dieser Woche wieder; im Juni und Juli, zur Europa- und Weltmeisterschaft allerdings wird sie durchgängig in Deutschland sein, um sich mit dem Team auf die Saisonhöhepunkte vorzubereiten.

Beispiele für Weltklasse-Florettfechterinnen, die stark nach einer Babypause zurück gekehrt sind, sind übrigens nichts Neues: Aida Mohamed (Ungarn), Valentina Vezzali (Italien) oder – wie am Wochenende auch in Tauberbischofsheim zu sehen: Elisa di Francisca. Die Olympiasiegerin von 2012 hatte ihren kleinen Filius sogar in den Wettkampfhallen dabei. Klar, sie konnte ja nach ihrem Ausscheiden im Achtelfinale auch nicht mal eben „daheim“ vorbei schauen – wie Carolin Golubytskyi.