Fechten

Analyse Sportdirektor Sven Ressel ordnet die Resultate ein

„Wir haben uns mehr erwartet“

Archivartikel

Der Tauberbischofsheimer Sven Ressel ist Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes. Im FN-Interview ordnet er die Ergebnisse des Weltcups und die aktuelle Situation im deutschen Frauen-Florett ein.

Herr Ressel, der Deutsche Fechter-Bund hat vor der nun begonnenen Olympia-Qualifikation ausgegeben, dass im Frauen-Florett die Qualifikation mit der Mannschaft das Ziel ist. Wie fällt unter diesem Gesichtspunkt Ihr Resümee zu Platz elf beim Heimweltcup aus?

Sven Ressel: Trotz widriger Bedingungen war es natürlich enttäuschend. Anne Sauer musste verletzt passen und Carolin Golubytskyi hat noch nicht ihr Top-Level erreicht. Dieses Ergebnis wird wohl eines der zwei Streichresultate.

Was stimmt Sie zuversichtlich für den Rest der Qualifikation?

Ressel: Aufgrund der Ergebnisse hat sich erst einmal nicht viel verändert für uns. Das nächste Turnier ist die EM, da muss alles top sein. Die Mannschaft wird sich finden und steigern. Die Zeit spielt für uns.

Carolin Golubytskyi wird aufgrund ihrer privaten Situation (siehe Bericht unten, Anm. der Red) nicht dauernd bei der Mannschaft sein. Inwieweit erschwert dies das „Team-Building“?

Ressel: Das ist natürlich nicht optimal. Aber Athletin und Trainer haben einen guten Kompromiss gefunden, den wir als Verband mittragen. Dass das Team gut ist, hat es ja schon bewiesen, zum Beispiel mit dem Bronze-Gewinn bei der EM 2017.

Wie ordnen Sie die Einzel-Resultate ein?

Ressel: Wir haben uns vom Ergebnis her mehr erwartet. Wir haben gehofft, dass sich noch mehr als drei Deutsche für das 64-er K.o. qualifizieren. Aber so ist nun einmal der Stand. Es ist natürlich schade, dass Anne Sauer verletzungsbedingt nicht fechten konnte.

Aber diesen Stand hat das deutsche Frauen-Florett schon seit einigen Jahren. Wann ist wieder mit mehr zu rechnen?

Ressel: Wir haben im Moment drei, vier Florett-Fechterinnen, die stabil auf hohem Niveau fechten, dahinter klafft eine Lücke. Ich hoffe, dass Leandra Behr und Kim Kirschen diese alsbald schließen können. Beide können technisch mithalten. sie stagnieren aber im Moment ein wenig, weil ihnen etwas der Mut und das Selbstvertrauen fehlt.

Trotzdem: 22 Fechterinnen gingen in die Qualifikation, nur zwei kamen durch bis in die Hauptrunde der besten 64.

Ressel: Wir haben vielen Junioren und Kadetten die Möglichkeit gegeben, hier Weltcup-Luft zu schnuppern. Da war klar, dass es viele nicht ins Hauptfeld schaffen werden. Wir müssen im Nachwuchsbereich weiter sehr hart arbeiten. mf