Freudenberg

Frühlingskonzert Stadtkapelle hat dem Kontinent an Samstagabend ein musikalisches Fest gewidmet

Gleich mehrere Gründe, Europa zu feiern

Freudenberg.Eine Reise quer durch Europa erwartete die Gäste des Musikvereins Stadtkapelle Freudenberg in der Stadthalle. In rund zweieinhalb Stunden führten die Musiker von Süden nach Norden und von West nach Ost. Genauso vielfältig wie der Kontinent war auch die Musik, die die Zuhörer immer wieder zum Mitmachen motivierte.

Eröffnet wurde der Abend vom Jugendblasorchester (Leitung: Nancy Harberl) mit dem „TeDeum“ von Marr-Antoine Charpentier. Bekannt ist das Stück als Eurovisionsmelodie.

Rückblick in die Geschichte

René Rosche, Vorsitzender des Musikvereins, erinnerte an gleich mehrere Meilensteine auf dem Weg zum friedlichen Europa, die man 2018 feiern kann. Vor 55 Jahren unterzeichneten der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer den Élysée-Vertrag und besiegelten so die Freundschaft zwischen den jahrhundertelangen Feinden Frankreich und Deutschland.

Vor 25 Jahren unterschrieben die Bürgermeister von Saint-Arnoult-en-Yvelines und Freudenberg die Städtepartnerschaft. Ein Jahr zuvor habe die Stadtkapelle erstmals in Frankreich gespielt. Ein weiterer Meilenstein fand ebenso vor 25 Jahren statt: Hans-Dietrich Genscher unterschrieb den europäischen Einigungsvertrag von Maastricht. Der frühere Außenminister habe einmal gesagt: „Europa ist unsere Zukunft – sonst haben wir keine.“

Ein verbindendes Element über die nationalen und sprachlichen Grenzen Europas hinweg sei die europäische Musik, die Menschen begeistere, so Rosche.

Die Moderation für das Jugendblasorchester übernahm Tine Maier. Die jungen Musiker spielten als zweites Stück „Poupée de Cire, Poupée de Son“, von Serge Gainsbourg. Es war das Lied, mit dem Luxemburg den Eurovision-Song-Contest 1965 gewann.

Aus Irland stammte ein Ausschnitt aus „The Lord of the Dance“ von Ronan Hardiman. Es handelt sich um die Nacherzählung einer alten irischen Legende vom Kampf von Gut und Böse und wurde von Michael Flatley in einer irischen Stepptanz-Show wiedergegeben. Premiere war 1996. Seither wurde das Tanzstück von über 50 Millionen Menschen gesehen. Auf Wunsch des Publikums spielte das Jugendorchester ein weiteres Stück aus der Tanzshow als Zugabe.

Die Stadtkapelle Freudenberg (Leitung Michael Korn) unterhielt nicht nur musikalisch. Viktor Schwab und Josef Steffan führten informativ und zugleich mit einer unterhaltsamen Selbstironie durch den Abend. Ihre Begrüßung erfolgte in acht europäischen Sprachen. Die Reise starteten die Musiker in Österreich mit dem „Hoch- und Deutschmeister Regimentsmarsch“ von Wilhelm August Jurek. Das italienische Lebensgefühl wurde im Stück „Happy Italia“ (Arrangement Hans-Joachim Rhinow) spürbar. Die Zuhörer erlebten dabei gedanklich einen Tag am Strand. Für diesen hatten sich einiger der Musiker mit Schwimmreifen und -flügeln gewappnet.

Das Publikum erfuhr auch, dass neben dem Takt der Gesichtsausdruck des Dirigenten ein Grund dafür sei, dass er mit dem Rücken zum Publikum steht. Eine musikalische Einladung zum Mitfeiern, war das ungarische Stück „Ungarisches Fest“ von Herbert Nieswandt. Das Solo darin übernahm Sascha Müssig mit dem Flügelhorn.

Tulpen für die Damen

Schon von 1956 stammt der niederländische Hit „Tulpen aus Amsterdam“ von Ralf Arnie. Dem Publikum war er jedoch noch gut bekannt, so sangen diese zur Musik. Eine Überraschung hatte Korn für die Damen der Zuhörerschaft. Während des Stücks verteilte er an diese Tulpen.

Unter anderem mit Kastagnetten wurde das feurige Gefühl des spanischen Zigeunertanzes vermittelt. Hatten die Musiker den Gesang beim Vorgängerstück noch dem Publikum überlassen, ließen sie bei „Torro Bravo“ (Arrangement Vlad Kabec) „Eviva Espania!“ auch stimmlich erklingen.

Mit dem Stück „Aux Champs-Elysées von Mike Wilsh verbanden die Musiker persönliche Erinnerungen. Schließlich waren sie selbst schon mit dem Bus über diese Straße in Frankreich gefahren und hatten dabei das Lied rauf und runter gesungen.

Das Solo spielte Christina Johnsen mit dem Tenorsaxophon. Bei der „Traumreise Griechenland“ (Arrangement Norbert Studnitzky) bewies Korn, dass er nicht nur Singen und Dirigieren, sondern auch sehr gut Sirtaki tanzen kann.

Weiter ging es an die Grenze zwischen Europa und Asien. Beim russisches Potpourri „Wo die Wolga fließt“ (Arrangement Hans Kolditz und Bernd Egidius) erklangen bekannte Stücke wie der Säbeltanz, Kalinka und die Schiwago-Meldodien.

Noch ist England Teil der EU. Grund genug auch den Briten einen Teil des Abends zu widmen. Solist Wolfgang Leist am Altsaxophon begeisterte zusammen mit seinen Musikerkollegen mit einer bunten Mischung von Klassikern der Gruppe Queen.

Verbunden sind die Länder durch den europäischen Gedanken. Dies wurde mit der „Europa-Hymne“ von Ludwig van Beethoven verdeutlicht. Als Zugaben erklangen: „Über sieben Brücken musst du gehn’“ und „Abba Gold“. bdg