Freudenberg

Premiere Stück „Kommt ein Amboss geflogen“ im eigenen Dialekt und mit regionalen Bezügen umgesetzt / Weitere Aufführungen am kommenden Wochenende

Hof leidet unter Biowahn seines Besitzers

Eine gelungene Theaterpremiere feierten die Boxtaler am Samstag im Gemeindezentrum. Die Zuschauer hatten dabei in jeder Szene Grund zum Lachen.

Boxtal. Schon seit 1981 gehören die Aufführungen der Theatergruppe zum festen Kulturangebot Boxtals. Die Mitwirkenden sind schon alte Hasen auf der Bühne. So sind drei der diesjährigen Schauspieler schon von Anfang an dabei, die anderen standen schon bei mindestens fünf Stücken auf der Bühne.

In ihren Rollen gingen die Boxtaler voll auf und brachten das Stück „Kommt ein Amboss geflogen“ von Erich Koch im eigenen Dialekt mit regionalen Bezügen authentisch rüber. Regie führten Peter Eckert und Elisabeth Huba-Mang, letztere war auch Souffleuse.

Bandwurm ins Hirn gekrochen

Der Titel des Stücks spielt auf das Unheil an, das die Männer des Bauernhofs in der Geschichte ereilt. Diese sind dafür jedoch selbst verantwortlich. Da ist der Biobauer Xaver (gespielt von Peter Eckert) der als „Fluch von Boxtal“ gilt. Alle auf dem Hof leiden unter seinem Biowahn und der damit verbundenen Einschränkungen. Nicht nur, dass es statt Schweinebraten und Bier nur Gemüse und Tofuwürstchen gibt, auch beim Toilettengang setzt der herrschsüchtige Bauer auf seine ganz eigenen Konzepte. „Der letzte der hier satt worden ist, liegt als Mumie auf dem Friedhof“, kommentiert Knecht Felix (Jürgen Schwind) die Lage.

Auch Oma Rosa (Rosamunde Busch), die Mutter von Xavers Frau Emma (Susanne Weber), ist von ihrem Schwiegersohn wenig angetan. „Dem muss ein Bandwurm ins Hirn gekrochen sein.“ Xavers Biowahn schlägt sich sogar in seinem Sprachgebrauch wieder. So fallen Sprüche wie „Leck mich am Tofubraten.“ Komplettiert wird die Hofbewohnerschaft durch Albert (Horst Schwind), den Vater von Felix. Er ist dem Bauer seit drei Monaten die Miete für seine Wohnung auf dem Gut schuldig, deshalb will ihn Xaver rauswerfen. Rosa reicht es daraufhin vollkommen und sie schmiedet einen Plan. „Das Imperium schlägt zurück“, verkündet sie.

Eine bedeutende Rolle dabei wird Albert spielen. Als Seher soll er Xaver die Zukunft vorhersagen und ihn dabei in die Bredouille bringen. Rosa weiß als einzige Dinge über Xaver, die ihm zum Verhängnis werden. So lädt sie Xavers geheimgehaltenen unehelicher Sohn Dirk (Mario Eckert) ein, auf den Hof zu kommen. Zudem spannt sie Mandoline Reiswolf (Tamara Emrich), die Tochter einer alten Bekannten des Bauern ein. Wenig begeistert sind Xaver und seine Frau von der geheimen Beziehung ihrer Tochter Nina (Eva Poschmann) mit Knecht Felix.

Bei der Premiere erschallt das Lachen des Publikums fast in Dauerschleife. Zum Beispiel in der Szene, als das angebliche „Mamasöhnchen“ Dirk und „Biomaus“ Mandoline auf dem Hof zusammentreffen und es zu allerlei Missverständnissen kommt. Doch Rosa hat alles im Griff und weiht beide gleich nach der Ankunft in ihre Pläne ein.

Als Albert als Seher Xaver das Eintreffen eines unehelichen Sohnes prophezeit, hält dieser den trinkfreudigen Mitbewohner für „total besoffen.“ Als Dirk dann tatsächlich die Stube betritt, ist der Schock beim Bauern groß. „Albert tu’ doch was!“, fordert er. Zu Beginn scheint Xaver eine Lösung zu haben. Albert soll Dirk einfach als seinen Sohn ausgeben, so werde keiner was merken. Damit hat der Seher den Bauern jedoch in de Hand, was er auch zu nutzen weiß.

Mandoline gibt vor, Xavers Hof zum Musterhof ihres weltweiten Biokonzerns zu machen, dafür müsse er nur etwas investieren. Er könne aber großen Reichtum gewinnen. Der Bauer ist sofort begeistert, nicht nur vom Geschäft der Dame. Die Vertrautheit der beiden sorgt für Verwicklungen mit seiner Gattin. Was Xaver nicht weiß, Mandoline wirkt auch beruflich anders, als es scheint. Nina ist vom Umgang ihres Freundes mit ihr nicht wirklich glücklich. So spinnt Rosa auch hier eine Intrige: Nina soll Felix mit Dirk eifersüchtig machen und am Ende vorgeben, den Hofgast heiraten zu wollen. Rosa kommentiert ihre Erfolge immer wieder mit Liedbeiträgen.

Während alles seinen Lauf nimmt, wird es für Xaver persönlich und finanziell immer enger. Die anderen Bewohner des Hofs hingegen genießen ihre neu gewonnen Freiheiten. Im dritten Akt scheint für Xaver alles auf eine Katastrophe hinzulaufen. So bittet Dirk beim Bauern um Ninas Hand, woraufhin dieser völlig ausrastet, auch Felix ist deswegen am Verzweifeln und schmiedet Mordpläne. Xaver versucht, sich mit allerlei Tricks aus der Affäre zu ziehen, doch die anderen Hofbewohner sind nicht auf den Kopf gefallen. So zeichnet sich für den Biobauern ein bitteres Ende ab. Für die Protagonisten gibt es jeweils einen überraschenden Ausklang, bei dem die Liebe auf vielfältige Art eine zentrale Rolle spielt.

Die Akteure bekamen anhaltenden Applaus und alle Premierengäste können den Theaterbesuch weiterempfehlen.