Freudenberg

Carnevalverein Finkenbrüchle Vorsitzender Jürgen Karch führt die närrische Schar in der neuen Kampagne an

Mangels Hoheiten Prinzregent ernannt

Ein Novum gibt es beim Carnevalverein Finkenbrüchle. Zwar rissen die Narren am 11.11. die Macht an sich. Doch es fehlt das Prinzenpaar. Kurzerhand ernannte sich der Vorsitzende zum Prinzregenten.

Freudenberg. Zuerst lieferte sich Finkenbrüchle-Chef Jürgen Karch einen Schlagabtausch mit Bürgermeister Roger Henning. Der hatte es sich am oberen Fenster des Rathauses bequem gemacht.

"Der Chef vom Rathaus hat in dem Johr nix gschafft", betonte Karch. Außerdem habe er noch immer nicht begriffen, dass in Freudenberg die Narren an der Macht sind: "Mir hole de Roger raus aus seinem Establishment, mir sorche dafür, dass er nit weiterpennt."

Henning blickte auf die Narren herab und meinte: "Ach Leut, das kann doch net euer Ernst sein. Jedes Jahr das gleiche Rumgeschreie und dann diese Aggression." Sie würden damit noch dafür sorgen, dass die Familie, die in das Haus neben dem Rathaus zieht, Rabatt wollte. So komme kein Leben in die Altstadt.

"Verprasst habe ich alle Steuergelder, die Kasse ist leer, nur Trümmerfelder", gab das Stadtoberhaupt bekannt. Das ganze Geld der Bürger habe er auf Malle ausgegeben. "Wenn ihr net verschwindet, gibt es Bußgelder", drohte er.

Davon ließ sich die närrische Schar jedoch nicht beeindrucken. Er denke wohl, sie seien Hinterwäldler, entgegnete Karch Henning und forderte: "Geb' uns deine Schmiergelder!" Er habe noch Spendengelder, die ganzen Eintrittsgelder, vom Förster Lars die Einnahmen aus den Mischwäldern. Von jedem Kaste bekomme er Gelder, "vum Pedro Induktionskochfelder, von de Bayern Wegegelder und meine Sitzungsgelder". Hinzu kämen Schulgelder, Inflationsgelder und Rückhaltegelder. "Die Kass ist voll, des wisse mer."

Die Narren versuchten mit der Narrenkanone und Bombenschlägen in Form von Stimmungsliedern der Freudenberger Stadtkapelle das Rathaus zu erobern. Auch Karch stürmte selbst hinein. Jede Menge Flaschen mit Wein, Schnaps, Bier und Rum stünden herum, verkündete er von oben. Unter den ganzen Flaschen sei aber Roger nicht dabei.

Dieser versuchte derweil, durch einen Geheimgang zu fliehen, wurde aber samt seiner Bierkästen von der Mädchengarde gestellt. Dennoch ließ er sich die Laune nicht verderben. Flugs machte der Bürgermeister bei der Schunkelrunde mit, bevor der den Schlüssel übergab. Das scheidende Prinzenpaar Patrick und Judith von de Baine dankte seinen Untertanen für die schöne Zeit. Es habe Spaß gemacht. Sie dankten allen Finken und den Untertanen für ihre Gefolgschaft sowie den Garden.

Ergebnislose Suche

Nun war es eigentlich Zeit für die Proklamation der neuen Regenten. Doch Karch wartete mit einer Nachricht auf, die anfangs keiner so recht glauben wollte: Trotz anstrengender Suche konnte niemand überzeugt werden, als Prinz und Prinzessin zu fungieren. "Die Fasent in Fradeberch als Prinz verziere, hewe Ängscht sich zu blamiere", mutmaßte er. Dabei müsse dieses Paar nur repräsentieren und könne vieles genießen.

Am Morgen beim Blick in den Spiegel sei ihm eine Lösung eingefallen, fuhr der Vorsitzende fort. Wenn man schon kein Prinzenpaar bekomme, werde er ganz einfach und bescheiden das Amt als Prinzregenten bekleiden: "Ein Prinzregent das ist bekannt, regiert für den Prinzen im ganzen Land." So nehme er die Stelle ein, bis ein Prinz gefunden werde.

Als seine Machtinsignien wählte Karch statt einem Zepter - "des wäre zu vermessen" - lieber Essen und Trinken. Als Prinzenkappe dient ihm eine "Batschkapp" im Genick. Ein Umhang von der alten Garde ergänzt das Kostüm.

Regieren will der Vorsitzende unter dem als "de Karchebu vum ehemalich Schulberch." Den Narren versprach er, aus dem Amt keine riesen Welle zu machen. Und sollte sich in nächster Zeit doch noch jemand als Prinz finden, werde er als Prinzregent verschwinden. Ein Prinzenpaar zu sein, sei kein Hexewerk, man müsse sein Freudenberg nur gen haben.

Ganz haben die Fastnachter ihre Hoffnung auf ein Prinzenpaar für die begonnene Kampagne noch nicht auf gegebe n. So können sich Interessierte Paare weiter beim Elferrat bewerben. bdg