Freudenberg

Gemeinderat Freudenberg will ins Landesprogramm zur städtebaulichen Erneuerung

Sanierungsgebiet wird angestoßen

Die städtebauliche Erneuerung in Freudenberg will man nun gezielt angehen. Das hat der Gemeinderat beschlossen.

Freudenberg. Er war wahrscheinlich der wichtigste Beschluss des Freudenberger Gemeinderates zumindest in der laufenden Wahlperiode. Und er hat möglicherweise Auswirkungen weit darüber hinaus. Einstimmig billigte das Gremium in seiner Sitzung am Montag den Antrag auf Aufnahme in ein "Programm der städtebaulichen Erneuerung 2018" für das neu geplante Sanierungsgebiet "Historische Altstadt und Norderweiterung". Das Areal hat eine Fläche von rund 15,5 Hektar, reicht von der Hauptstraße 10 im Süden bis zum Containerplatz im Norden und umfasst 552 Haupt- und Nebengebäude.

"GEK" und "ISEK", diese Abkürzungen haben in den vergangenen Monaten ganz wesentlich die Freudenberger Kommunalpolitik bestimmt. Ausgeschrieben bedeuten sie "Gesamtörtliches Entwicklungskonzept" und gebietsbezogenes "Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept" und sind wesentliche Voraussetzungen für die Aufnahme in das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum, sowie hauptsächlich in ein Sanierungsprogramm. Von ersterem profitieren auch die Ortschaften, das zweite ist für die Altstadt gedacht.

Ein erstes Sanierungsprogramm hier ist gerade ausgelaufen (wir berichteten), doch längst sind nicht alle Missstände beseitigt. Mit der Erstellung von "GEK" und "ISEK" beauftragt ist die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH. Deren Mitarbeiter Steffen Niehues war erneut in die Gemeinderatssitzung gekommen, um über den bisherigen Verlauf und den Stand der Dinge zu berichten. Auf besonderes Interesse der Kommunalpolitiker und der zahlreichen Zuhörer stießen insbesondere die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung.

Im Juli gab es ein "Bürgercafé", im September eine "Bürgerwerkstatt" (wir berichten), dazwischen fand eine Haushaltsbefragung statt. Die Liste der Mängel, aber auch die der Vorschläge und Ideen, die dabei erarbeitet wurden, sind lang. "Mit Erschrecken" nahmen Bürgermeister Roger Henning und die Gemeinderäte die sich aus den Untersuchungen ergebende Zahl der Leerstände in der Altstadt zur Kenntnis. Es handelt sich dabei um rund 13 Prozent der Wohngebäude in dem Gebiet. Sehr viele Häuser weisen so schwerwiegende Mängel auf, dass ein Erhalt kaum noch oder nur unter großen Anstrengungen lohnend erscheint. Peter Eckert (CDU) befand, dies sei "erstaunlich nach all den Programmen, die wir in den vergangenen Jahren gefahren haben". Der Bürgermeister meinte hierzu, "sonst würde es noch schlimmer aussehen" und verwies später darauf, dass einst das Mainviertel das schlechtere, das Bergviertel das bessere Wohngebiet gewesen sei. "Heute ist es umgekehrt."

Attraktives Quartier

Durch den Hochwasserschutz und die Promenade sei das Mainviertel attraktiv geworden. "Daran kann man sehen, wie wichtig solche Programme sind." Zweifel von Siegfried Berg (CDU), dass es möglich sei, das Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum und ein Sanierungsprogramm parallel laufen können, teilte Henning nicht. Im weiteren Verlauf solle auch die rechtliche Situation dargestellt werden, regte Hartmut Beil (SPD) an. Er verwies auf Keller- und Stockwerkseigentum oder Erbengemeinschaften, die eine Sanierung oder auch einen Abriss nicht mehr zu sanierender Gebäude schwierig bis unmöglich machen könnten.

"Das wichtigste jetzt ist die Vision. Wir entscheiden jetzt nicht, was gemacht wird, sondern zielgerichtet, wo wir hin wollen", erklärte schließlich der Bürgermeister. Es sei durchaus möglich, dass man im kommenden Jahr noch nicht in das Sanierungsprogramm aufgenommen werde. "Aber spätestens für 2019 sollte das unser Ziel sein." Bei allen aufgezeigten Mängeln freute sich Henning über die aus der Haushaltsbefragung deutlich gewordene insgesamt gute Stimmung. "Darauf können wir aufbauen." ek