Freudenberg

Kultur Künstlergruppe „Blauer Eumel“ gastiert im Mainvorland / Keine finanziellen Interessen verfolgt

Ungezwungener Musikgenuss am Lkw

Archivartikel

Freudenberg.Klassische Musik und Theaterkunst im Mainvorlands erlebten die Freudenberger am Sonntagnachmittag im Rahmen der Kulturwoche. Die professionellen Musiker und Schauspieler des Vereins „Der Blaue Eumel Mobile Kunst“ waren mit ihrem gleichnamigen blauen Lkw, der zugleich als Bühne dient, an den Main gekommen. Mit dabei waren zwölf Bühnenprofis aus mehreren deutschen Städten, aber aus auch Genf und London.

Insgesamt gehören rund 40 Berufsmusiker und Schauspieler zum Pool der Gruppe. „Unser Ziel ist es, Kunst auf die Straße zu bringen und den Menschen so die Möglichkeit zu geben, diese ungezwungen zu genießen“, erklärte Geigerin Katharina Büll im FN-Gespräch. Dabei verfolgen die Mitwirkenden keinerlei eigenen finanziellen Interessen. Ihnen geht es um die Kunst und Kultur.

Ängsten entgegenwirken

Einige der Mitwirkenden haben beruflich feste Orchesterstellen, andere arbeiten als freie Darsteller. „Viele Menschen haben Angst in Konzertsäle oder Theater zu gehen, da sie befürchten die Stücke seien zu kompliziert oder es sei zu teuer und gezwungen“, stellte Schauspieler Boris Wagner fest.

Er ist seit deren Gründung Teil des „Blauen Eumels“. In Freudenberg ist er als Autor und Regisseur der Burgfestspiele aktiv. Mit den mobilen Vorführungen des Eumels wolle man die Kultur zu den Menschen bringen und so ihren Ängsten entgegenwirken. Die Gruppe spielt anspruchsvolle Stücke, die man sonst in den Konzertsälen und Theatern der Welt erlebt in der lockeren Atmosphäre von Outdoorveranstaltungen.

Ihre Aufführung in Freudenberg begann mit einem Klavierquartett des französischen Komponisten Gabriel Fauré. Weiter ging es mit dem Klaviertrio des estnischer Komponist Arvo Pärt. Im Laufe des zweistündigen Auftritts waren aber auch einige Jazzstücke zu hören. Weiterhin erfreute man das große Publikum mit dem ersten und zweiten Satz des Streichquartetts des Russen Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch und dem zweiten Satz des Klavierquintett von Johannes Brahms. Wie die Musiker erzählten, habe dieser auf die Frage nach der Interpretation seiner Stücke gesagt: „Spielen Sie sie wie Sie wollen. Hauptsache schön.“

Ein Erlebnis für die Zuhörer war der Vortrag von Ausschnitten aus Friedrichs Dürenmatts Ballade „Minotaurus“ in einer eigenen Adaption des blauen Eumels. Erzählt wurde sie durch zwei Schauspieler als Sprecher. Untermalt wurde die mystische Geschichte von Schlagzeuger Tobias Schirmer aus Arnstein in seinen Klangkäfig . Die Klangkonstruktion hatte er selbst entwickelt und gebaut. Als einziges gekauftes Instrument findet darin ein klassisches Schlagzeug Platz. Die anderen Elemente hatte er auf dem Wertstoffhof gesammelt und zum Teil bearbeitet. So erzeugte er unter anderem mit Metallschüsseln, großen Metallfedern oder Dosen Klänge. Als Abschluss erklangen „Mariettas Lied“ von Erich Wolfgang Korngold sowie Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert in F-Dur auf klassischen Instrumenten.

Eine Besonderheit des Freudenberger Auftritts war, dass mit der Tochter eines der Mitwirkenden, die Chance hatte, sich auf der Bühne des Lkw zu präsentieren. bdg