Freudenberg

Zwei Paar Schuhe

Herr Wohllieb hat zwei Paar Schuhe, schreibt die Autorin Susanne Niemeyer.

Er hat ein grünes Paar Schuhe für jeden Tag und ein schwarzes Par für besondere Tage.

Die schwarzen Schuhe für die besonderen Tage gefallen ihm besser.

Sie sind geschmackvoller, moderner, hübscher, bequemer. Herr Wohllieb fühlt sich gut in ihnen. Er trägt sie nur kaum, sie sind ja für die besonderen Tage.

Herrn Wohlliebs Mutter sagte immer: „Was neu ist, muss man schonen!“

Und dann legte sie das just erworbene Küchentuch in den Schrank.

Als sie starb, lagen dort 71 unbenutzte Tücher. Was soll man mit so vielen Küchentüchern?, denkt Herr Wohllieb ratlos.

Dann sieht er auf seine Schuhe hinab. Es sind die grünen Schuhe, wie immer. Wozu schonen? Wozu aufheben? denkt er.

Morgen, beschließt er, trage ich die anderen. Und dann wird das ein besonderer Tag.

In der Bibel lese ich die Geschichte vom Volk Israel der Wüste. Sie sind am Verhungern und Verdursten, sie beten zu Gott, und Gott schickt ihnen Manna und Wachteln.

Und sagt dazu: sammelt nicht. Hortet nicht. Vertraut mir, ich schicke jeden Tag neues Essen. Ich versorge euch. Die Israeliten halten sich nicht daran, sie legen Vorräte an. Doch das, was sie mit Mühe sammeln, verdirbt, und nützt ihnen nichts.

Die beiden Geschichten bewegen mich. Ich möchte in einem solchen Vertrauen leben.

Ich möchte am Abend darauf vertrauen, dass Gott mich am neuen Tag versorgt. Und in dem Wissen einschlafen, dass er mir sicher geben wird, was ich brauche. Ich möchte das Leben auskosten, und das, was ich habe, nutzen. Ich glaube, dass ein solches Vertrauen das Leben besonders macht und leicht.

Die Losung für den heutigen Samstag heißt übrigens: „Mein Volk soll meiner Gaben die Fülle haben, spricht Gott, der Herr.“ Passt gut, finde ich. Ein erfülltes und gesegnetes Wochenende wünscht Ihnen

Pfarrerin Carolin Knapp, Evangelische Pfarrgemeinde Bestenheid