Fußball

Fußball Sportgericht weist die Berufung des SV Wachbach als „unbegründet“ zurück / Vergebliches Hoffen auf Einsicht beim Gegner TSV Neuenstein

Die Punkte sind jetzt endgültig weg

Vor wenigen Tagen wurde beim ebm-papst-Bezirkspokalendspiel in Igersheim der SV Wachbach für sein vorbildliches faires Verhalten im Halbfinalspiel am 2. Mai in Gerabronn durch Spieler und Verantwortliche des TSV Gerabronn ausgezeichnet. Jetzt hat die Vergangenheit den SV Wachbach eingeholt – allerdings zuungunsten des SV Wachbach.

Am 15.April spielte der SV Wachbach am 23. Spieltag der Bezirksliga Hohenlohe beim TSV Neuenstein. Nach der regulären Spielzeit gewann der SV Wachbach das Spiel mit 2:0. Am 22.April erhielt der SV Wachbach über das Hohenloher Sportgericht per E-Mail eine Mitteilung, dass der TSV Neuenstein Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt hatte.

Was war geschehen? Vor jeder Begegnung müssen über das Online-Portal „dfb.net“ die Mannschaftsaufstellungen inklusive Auswechselspieler eingegeben und freigegeben werden. Dann führt der Schiedsrichter eine „virtuelle Passkontrolle“ durch. Beim Vorlesen der Aufstellungen durch den Stadionsprecher des TSV Neuenstein fiel dem SV Wachbach auf, dass versehentlich ein A-Juniorenspieler, der als Auswechselspieler nominiert war, vergessen wurde, ins „dfb.net“ einzutragen. Das Spiel hatte schon begonnen.

Jordan Murphy, Abteilungsleiter des SV Wachbach, nahm nun gegenüber unserer Zeitung zu diesem Sachverhalt ausführlich Stellung. „Wir suchten dann in der Halbzeitpause den direkten Kontakt zum Schiedsrichter und schilderten ihm den Sachverhalt. Wir fragten den Schiedsrichter, ob wir den Spieler noch in der laufenden Begegnung einsetzen dürften oder nicht. Der erfahrene Schiedsrichter bejahte diese Frage auf Anhieb und fügte hinzu, es wäre nur dann nicht regelkonform, wenn wir den Spieler bereits eingesetzt hätten. Der Schiedsrichter ergänzte weiter, er werde den Spieler im Spielberichtsbogen nach Spielende nachtragen, und somit würde kein Regelverstoß vorliegen“.

In der 84. Spielminute wechselte Wachbach dann bei einer sicheren 2:0 Führung den besagten Spieler ein.

Der TSV Neuenstein legte gegen die Spielwertung Einspruch ein und bekam vom zuständigen Hohenloher Sportgericht die Punkte zugesprochen. Die Spielordnung des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) sieht nämlich vor, dass nur Spieler eingesetzt werden dürfen, die auf dem Online-Spielberichtsbogen aufgeführt sind. Für die Einhaltung dieser Bestimmung ist jeder Verein für sich verantwortlich. In einer Stellungnahme vom 25. April schilderte der SV Wachbach den genauen Sachverhalt, den der Schiedsrichter ebenfalls in seiner Stellungnahme bestätigte. Zudem entschuldigte sich der Schiedsrichter beim SV Wachbach für seine Aussage am Spieltag. Darüber hinaus hoffe er, dass er als Schiedsrichter bestraft werde und nicht wir als Verein.

Fehlender Mausklick entscheidet

Der SV Wachbach suchte zwischenzeitlich Kontakt zum TSV Neuenstein (Abteilungsleiter und Trainer) und bat darum, den Einspruch gegen die Spielwertung aufgrund der unglücklichen Umstände und der Tabellensituation zurückzunehmen. Dieser Bitte kam der TSV Neuenstein auch nach Erreichen des Klassenerhalts jedoch nicht nach. Deshalb hat das Hohenloher Sportgericht am 15. Mai dem Einspruch gegen die Spielwertung stattgegeben und die Begegnung mit 3:0 für den TSV Neuenstein gewertet.

„Wir haben ohne Zweifel bei der Bearbeitung des Spielberichtbogens einen Fehler gemacht“, sagt Murphy. „Der TSV Neuenstein nutzte die sich bietenden Rechtsgrundlagen zu seinen Gunsten. Allerdings sind wir der Meinung, dass es jedem Verein einmal passieren kann, bei der Online-Bearbeitung einen Spieler versehentlich nicht hinzuzufügen. Zudem hatten wir den Fehler bemerkt und hätten den fraglichen Spieler ohne die genehmigende Aussage des Schiedsrichters nicht in der Begegnung eingesetzt. Die konkrete Nachfrage beim Schiedsrichter beweist, dass wir unter allen Umständen die Regularien einhalten wollten. Es war nie die Absicht des SV Wachbach, einen nicht teilnahmeberechtigten Spieler einzusetzen. Da der Spieler prinzipiell spielberechtigt ist (keine Sperre oder ähnliches) und für den SV Wachbach bereits mehrfach gespielt hat, ist dem TSV Neuenstein aus unserer Sicht grundsätzlich kein Nachteil und dem SV Wachbach kein Vorteil entstanden. Sportlich haben wir verdient mit 2:0 gewonnen – am grünen Tisch haben wir dann nach dem Sportgerichtsurteil mit 0:3 verloren.“

Wachbach legte daraufhin Berufung gegen das Urteil des Bezirkssportgerichts ein. Gestern wies das Verbandsgericht des WFV die Berufung als „unbegründet“ zurück. Damit verbleibt es nun endgültig beim Punktabzug für Wachbach. Für den SV Wachbach ist es natürlich besonders bitter, unter den genannten Umständen drei Punkte verloren zu haben, denn man hätte sonst drei Punkte Vorsprung vor dem SSV Gaisbach gehabt und damit die Chance auf die Meisterschaft. Durch die Bestätigung des Urteils bleibt Wachbach punktgleich mit Gaisbach, wegen der um acht Tore schlechteren Tordifferenz aber ist der SV nur noch Zweiter.

Jordan Murphy zieht für sich folgendes Fazit: „Das stimmt uns Ehrenamtliche und leidenschaftliche Amateurfußballer sowie auch viele Fußballfans sehr traurig und nachdenklich.“ Seiner Meinung nach sollten Fußballspiele auf dem Platz entschieden werden und nicht durch ein fehlendes Häkchen im Internet. „Bei aller Rivalität: Die sportlich gezeigten Leistungen sollten nicht durch virtuelle Missgeschicke wie einen fehlenden Mausklick des Gegners in eigene sportliche Erfolge umgewandelt werden“