Fußball

Stargast Bundesligaschiedsrichterin Bibiana Steinhaus zeigt sich bei Benefizevent in Igersheim sehr volksnah

Empathisch, aber konsequent

Hertha BSC Berlin empfängt am dritten Spieltag der Saison 2017/18 den SV Werder Bremen. Was nach einer ganz normalen Bundesligapartie klingt, hat doch etwas Historisches. Dabei geht es nicht um die beiden Mannschaften, sondern um das Schiedsrichtergespann. Zum ersten Mal in der Geschichte soll eine Frau eine Partie in der höchsten deutschen Spielklasse leiten. Bibiana Steinhaus meistert ihr Debüt problemlos, beim Tor zum 1:0 lässt sie eine Vorteilssituation richtigerweise laufen und erhält dafür ein Lob für Schiedsrichter-Chef Lutz-Michael Fröhlich.

Gut anderthalb Jahre später stand Steinhaus am Mittwoch, 15. Mai, in der Igersheimer Erlenbachhalle und sprach über ihren Werdegang, aber auch über aktuelle Themen wie den Videoassistenten. Beim Benefizevent (über die Spendenabgabe berichten wir gesondert), dessen Erlös mehreren sozialen Einrichtungen zugute kommt, „assistierten“ ihr die beiden ehemaligen Bundesligaschiedsrichter Lutz Wagner und Knut Kircher. Initiiert wurde die Veranstaltung vom 1. FC Igersheim, der Schiedsrichtergruppe Bad Mergentheim sowie FN-Redakteur Klaus Mende.

Als „überwältigend und aufregend“ beschrieb Steinhaus den Tag, an dem sie erfuhr, dass sie erstmals ein Bundesligaspiel pfeifen dürfe. Inzwischen kommt die 40-Jährige, die in der Nähe von Hannover lebt, auf 15 Erstligapartien als Hauptschiedsrichterin, zudem wird sie regelmäßig als Videoassistentin oder als „vierte Offizielle“ berufen. Ihren 16. Einsatz wird Steinhaus schon morgen Nachmittag bekommen, wenn Schalke 04 auf den VfB Stuttgart trifft. An der Entscheidung im Titelrennen ist die Schiedsrichterin also nicht beteiligt, dennoch wollte sie keine Prognose abgeben, wer die Meisterschale holen wird: „Ich fiebere immer mit den Schiedsrichtern mit. Wenn ich ins Stadion gehe, dann beobachte ich nur meine Kollegen.“

Dass die Reise als Referee bis in die Bundesliga führt, war für Steinhaus lange Zeit gar kein Ziel. Als Spielerin habe es nicht gereicht, höherklassig zu spielen, weshalb sie bald in die Schiedsrichterlaufbahn wechselte. Ab hier fand ein „Prozess über Jahre“ statt, bei dem sie sich stetig für höhere Ligen empfahl.

Ehrgeiz und Perfektionismus

„Geradlinigkeit, Konsequenz und Durchsetzungsvermögen“ seien ihre Stärken. „Ich kündige nichts an, was ich nicht auch bereit bin umzusetzen“. „Empathie ist ihre herausragende Eigenschaft“, befand außerdem Lutz Wagner. Steinhaus könne sich demnach gut in Spieler hineinversetzen und auf dieser Basis sowohl richtige, als auch feinfühlige Entscheidungen treffen.

Wenn man Bibiana Steinhaus zuhörte, fiel auf, dass sie in ihrer Schiedsrichtertätigkeit sehr ehrgeizig und perfektionistisch ist. „100 Prozent korrekte Entscheidungen sind mein Ziel. Fehlentscheidungen sind schmerzhaft und ärgern mich.“ Auch im Nachhinein denkt sie noch über ihre „Pfiffe“ nach und fragt sich: „Wenn ich eine zweite Chance hätte, würde ich genauso entscheiden? Was hätte ich vielleicht anders machen sollen?“ Ansonsten gilt für Schiedsrichter oft, kritische Situationen zu meistern. Der Umgangston sei ihr gegenüber in der Regel positiv. Falls es doch mal rauer werde, gelte: „Ruhe bewahren, durchatmen und sich einen Überblick verschaffen. Hektische Entscheidungen sind nie besonders glaubhaft.“