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Fußball Torben Götz gewinnt mit deutscher Kleinfeld-Nationalmannschaft in einem packenden Finale den Weltmeisterschafts-Titel / Mehrfacher Torschütze

Enormer Teamgeist hat Berge versetzt

Was in Russland noch so gründlich misslang, erreichte die deutsche Fußballnationalmannschaft im Kleinfeld nun in Lissabon: Deutschland ist Weltmeister! Torben Götz aus Neunkirchen kann es immer noch nicht richtig fassen: „Was das genau für uns alle und für mich bedeutet, wird uns wohl erst in den nächsten Tagen bewusst werden. Aber es fühlt sich schon jetzt so richtig klasse an“ Dass sie den Weg bis zum Ende gehen konnten, ist für alle im Team einfach ein Traum.

Im ersten Spiel ging es gegen Indien. Torben Götz: „Wenn Du da im Stadion stehst, die Farben deines Landes trägst, die Fans auf den Rängen singen und du weißt, dass jetzt per Live-Stream viele Menschen zuschauen, da kriegst Du einfach Gänsehaut, wenn die Hymne ertönt.“ Dass Torben sich viel vorgenommen hatte und nicht einfach nur dabei sein wollte, machte er gleich in diesem ersten Spiel deutlich. Mit einem fulminanten Schuss in den Winkel trug er seinen Teil zum 9:0-Erfolg bei. Im zweiten Spiel ging es dann ans Eingemachte. Gegen die kroatische Mannschaft zog man mit 0:2 den Kürzeren und wusste, dass man nun das nächste Spiel gewinnen musste, sollte der Traum nicht zu früh schon ausgeträumt sein. Torben Götz: „Dieses Spiel war für mich sozusagen der Dosenöffner. Nach einem gemeinsamen Abend haben wir unseren Mannschaftsgeist neu beschworen. Wir mussten gewinnen und wir mussten hoch gewinnen, um weiterzukommen. Da war einfach Moral gefragt.“ Und diese Moral bewies die Mannschaft eindrucksvoll. Von Beginn an ließen sie keinen Zweifel daran aufkommen, wer hier als Sieger vom Platz gehen würde. Mit 7:0 wurde Angola bezwungen. Götz erzielte zwei Treffer.

Nervenkitzel pur

Die nächsten Spiele waren dann Nervenkitzel pur und boten den vielen mitgereisten Fans im Stadion auf dem Praça do Comércio. Im Achtelfinale gegen Slowenien bewies die deutsche Mannschaft, was der pure Wille bewegen kann. Drei Mal ging Slowenien in Führung, drei Mal glich Deutschland aus, und als alle auf die nächste Führung der Slowenen warteten, machte die deutsche Mannschaft in der Nachspielzeit mit dem 4:3 den Deckel drauf.

Im Viertelfinale stand es gegen die USA auf einmal 0:2 und man befürchtete schon das Schlimmste. Wieder bewies die Mannschaft aber unglaubliche Moral. Sie erkämpfte ein 2:2 und bescherte damit vielen Zuschauern ein ganz neues Erlebnis: beim Kleinfeldfußball (45 x25 Meter) gibt es keine Verlängerung, es geht sofort ins „Penalty-Shootout“. Dabei laufen die Spieler von der Mittellinie mit dem Ball auf den gegnerischen Torwart zu und haben zehn Sekunden Zeit, die Kugel im Netz zu versenken. Die Tore sind klein und die Torhüter boten eine starke Leistung, vor allem Kim Sippel im deutschen Tor spielte eine tolle WM. So dauerte es bis zum letzten Schützen, bis endlich ein Tor fiel und das deutsche Team im Halbfinale stand.

Und dieses Spiel gegen Russland war für Torben Götz ein ganz besonderes. Nachdem man 0:1 in Rückstand geraten war und die Zeit immer knapper wurde, netzte er ein, brachte das Team ins Shootout und schoss damit sein wahrscheinlich wichtigstes Tor seiner noch jungen Laufbahn. Das Penalty-Shootout gewann man erneut.

Finale gegen Polen

Im Finale traf die deutsche Equipe auf das Team aus Polen. Schnell wurde klar, dass der Gegner bärenstark war. Man merkte, dass die Mannschaft schon oft zusammen trainiert hatte und sehr gut aufeinander eingespielt war, so schaltete sich beispielsweise der Torwart oft ins Angriffsspiel ein und gegen Ende wurde mit dem zweiten Torwart ein Spieler eingewechselt, der für seine Weitschüsse bekannt war. Das deutsche Team geriet früh unter Druck und konnte sich nur selten befreien. Polen stand gut. Deutschland hielt mit einer überragenden kämpferischen Leistung dagegen und kam auch selbst zu Chancen. Immer wieder rollte die Angriffswelle der Polen heran, immer wieder warfen sich die deutschen Spieler in die Schüsse oder die Polen verzog knapp.

Als es nur eine Frage der Zeit schien, bis der Gegentreffer fallen würde, kam der Auftritt von Niklas Kühle. Unaufhaltsam zog er Richtung Tor, kämpfte sich durch die polnische Abwehr und schloss eiskalt ab zum 1:0. Nun wurde es hektisch, die letzten Minuten waren geprägt von wütenden Angriffen des polnischen Teams und einer famosen Leistung der deutschen Mannschaft, die noch einmal alles gab. Endlich ertönte der Pfiff und das Ziel war erreicht: Deutschland war Weltmeister. Nach der Siegerehrung folgte eine Nacht, in der das Team feierte, wie es gespielt hatte: mit vollem Einsatz, bis es dann direkt zum Flieger ging.

Torben Götz erzählt: „Zunächst einmal war es sehr beeindruckend, wie professionell alles organisiert war. Wir hatten zwei Trainer dabei, zwei Moderatoren für die Liveübertragung nach Deutschland, eine Betreuerin und vom Physio bis zum Koch ein tolles Betreuerteam um uns herum. Da konnte man sich schon richtig auf den Fußball fokussieren und brauchte sich um nichts zu kümmern.“ Untergebracht war das ganze Team in einer großen angemieteten Wohnung. „Wir sind sehr eng als Team zusammengewachsen, wir lebten ja quasi 24 Stunden am Tag zusammen, da musste das einfach passen, da darf keiner querschießen“. Diese Gemeinschaft merkte man auch auf dem Feld, genauso wie den unbedingten Willen und die unglaubliche Moral. So oft in Rückstand zu geraten und zurückzukommen, so oft die ganz engen Spiele gewinnen, das ging nur über ein gut funktionierendes Mannschaftsgefüge.

Beeindruckend fand Götz auch die Resonanz, die die WM auslöste. Von seinem Heimatverein TSV Althausen-Neunkirchen über ehemalige Vereine und seinem derzeitigen Team aus Hollenbach erfuhr er viel Zuspruch. Viele Fußballkumpels, Freunde und Verwandte feuerten ihn und das ganze Team von zu Hause aus an. Sogar seine Kollegen der Würth Industrie Service verfolgten die Spiele live. „Und die schauen sich sonst kein einziges Fußballspiel an“, sagt Torben Götz mit einem Grinsen und fügt an: „ Ich war einfach nur überwältigt von den vielen Nachrichten per Whatsapp, Facebook oder Instagram“. „Unglaublich war auch, dass meine komplette Familie und viele Freunde und Bekannte in Lissabon waren“, ist er immer noch begeistert.

Torbens Weg zu diesem Titel beschreibt vielleicht am besten eine Szene. Als der Triumph perfekt ist und er den Pott in der Hand hält, nimmt ihn der Teamkoordinator in den Arm und sagt. „Verrückt, oder? Vor einem Jahr habe ich Dich per Facebook gefragt, ob du am Projekt Deutscher Kleinfeldfußball interessiert bist und zum Sichtungstraining kommen willst……und jetzt bist Du Weltmeister.“ Und Götz sagt: „Ich bin einfach nur dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe. Es war das Geilste, das ich bisher erleben durfte.“