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Fußball Der Odenwälder Simon Lorenz ist auf Anhieb Stammspieler beim TSV 1860 München geworden / Sulzbach „Lebensmittelpunkt“

Er überzeugt mit Robustheit

Archivartikel

Auch am Tag danach war Simon Lorenz noch zerknirscht. Der späte Ausgleichstreffer der Würzburger Kickers beim 1860 München (wir berichteten) war nicht kompatibel mit dem ausgesprochenen Ehrgeiz des „Löwen“-Akteurs. „Wir müssen uns alle hinterfragen, warum wir in der Schlussphase immer so anfällig für Gegentore sind“, grummelte der Verteidiger.

Doch im Laufe des Gesprächs wird schnell deutlich, dass der 21-Jährige kein latent schlecht gelaunter Mensch ist. Im Gegenteil. Wenn der Jung-Profi über sich und den Fußball erzählt, wird, bei aller Ernsthaftigkeit freilich, häufig gescherzt und gelacht. Simon Lorenz ist wieder einmal ein Kicker aus der Region Odenwald, der seinen Traum leben darf: Nach der sportlichen Ausbildung im Leistungszentrum der TSG Hoffenheim hat er den Sprung zum Fußballprofi geschafft. Noch spielt er in der 3. Liga, doch sein Ziel formuliert er eindeutig: „Die Bundesliga.“

Der robuste Verteidiger kommt aus Sulzbach, einem Ortsteil der Gemeinde Billigheim. So oft es geht, ist er noch dort bei seiner Familie, seinen drei Geschwistern und seinen Kumpels aus der Jugend. „Ich empfinde es weiter als meinen Lebensmittelpunkt“, sagt er, auch wenn es immer schwieriger werde, regelmäßig dort zu sein. Die Spiele, das Training, die Reisen – der Weg von München, wo er etwas außerhalb eine Wohnung bezogen hat, nach Sulzbach wird irgendwie immer weiter.

Der Wechsel im Sommer zum Drittligisten TSV 1860 München ist auf den ersten Blick ein Schritt zurück, kam Simon Lorenz doch vom Zweitligisten VfL Bochum an die Grünwalder Straße. Erst im Januar war der Abwehrspieler von Hoffenheim in den Ruhrpott gegangen, hatte beim ehemaligen Erstligisten aber keinen Einsatz. „Kurz vor dem Wechsel habe ich mir im Training in Hoffenheim das Syndesmoseband gerissen. Ich habe beim VfL Bochum mehr die Reha-Bereiche als den Trainingsplatz gesehen“, blickt er etwas betrübt zurück.

In Hoffenheim hatte das Defensiv-Talent eine Zeit lang unter Coach Julian Nagelsmann bei den Profis mittrainiert. Es reichte allerdings nur zu einem Einsatz, doch der hatte es in sich: Gegen Ludogorez Rasgrad spielte er einmal in der Europa League: „Das war ein echt geiles Erlebnis“, blickt er stolz zurück.

Kam der Tipp von Nagelsmann?

Aufgrund der starken Konkurrenz mit Kevin Vogt, Benjamin Hübner, Ermin Bicakcic, Havard Nordtveit und Kevin Akpoguma sah er aber keine Chance, regelmäßig bei 1899 zu spielen, weshalb der Winter-Wechsel zum VfL Bochum erfolgte; übrigens zusammen mit dem Wertheimer Philipp Ochs. Angeblich soll die augenblickliche Leihe zu 1860 München auch auf Anraten von Julian Nagelsmann, in der Jugend selbst für die „Löwen“ aktiv, zustande gekommen sein. Offiziell weiß das Simon Lorenz aber nicht: „Ich habe auch davon gehört. Ich selbst habe aber in dieser Zeit keinen Kontakt zu ihm gehabt“, erzählt der Sulzbacher. Lorenz hat Nagelsmann viel zu verdanken. Er war sein Coach ab der U16. Gemeinsam wurden sie mit den A-Junioren Deutscher Meister.

Vermutlich hat auch die Top-Ausbildung in Hoffenheim ihren Anteil daran, dass er nun beim TSV 1860 auf Anhieb Stammspieler geworden ist. Alle zehn Saisonspiele hat er bestritten. Trainer Daniel Bierofka schätzt an Lorenz vor allem dessen Athletik, die Robustheit und den präzisen Spielaufbau. Dazu ist er flexibel in einem Dreier- oder Vierer-Abwehrverbund einsetzbar. Mit „Cleverness und Sicherheit“, benennt der junge Spieler die fußballerischen Bereiche, die vor allem noch besser werden müssten. Apropos: Dass die Robustheit stimmt, ist kaum verwunderlich: Sein Vorbild ist Sergio Ramos.

Sportlich lernt Simon Lorenz viel auf dem Platz, doch auch abseits des Spielfelds nimmt der 21-Jährige derzeit viel mit. „,Sechzig’ hat mit dieser Tradition schon eine enorme Wucht hier in der Stadt“, hat er erfahren und erzählt mit einem smarten Lächeln: „Eine halbe Stunde, nachdem ich hier den Vertrag unterschrieben habe, stand es schon im Internet. In den Zeitungen stehen Dinge, die wir selbst als Spieler nicht wissen.“ Dazu ist die Erwartungshaltung enorm hoch. Die Fans wollen möglichst den sofortigen Durchmarsch in die 2. Bundesliga. Die Bundesliga darf es dann aber bitteschön auch möglichst fix sein.

Ob Simon Lorenz auch über das Saisonende hinaus bei den „Blau-Weißen“ spielt, ist derzeit noch überhaupt nicht absehbar. „Das kann ich am Ende gar nicht selbst entscheiden“, sagt er zu seiner auf ein Jahr begrenzten Leihe. Im Moment jedenfalls fühlt er sich pudelwohl bei „Sechzig“ – trotz der späten Gegentreffer. . .