Fußball

DFB-Pokal „TBBler“ im DFB-Pokal 90 Minuten auf dem Platz

Lars Schmidt verliert – und wird gefeiert

Archivartikel

Wäre jemand am Dienstagabend erst nach dem Spiel am Alfred-Kunze-Sportpark in Leipzig vorbeigekommen und hätte die Szenerie nach dem Schlusspfiff betrachtet, er hätte zur Erkenntnis kommen müssen, dass Chemie Leipzig gerade die zweite Pokalüberraschung gelungen war. Die Spieler feierten noch 20 Minuten nach dem Ende mit ihren positiv verrückten und inbrünstig singenden Fans. Die Paderborner standen da schon unter der Dusche.Allerdings verriet die Anzeigentafel, dass doch der Zweitligist gegen den Oberligisten aus der Bach-Stadt gewonnen hatte: 0:3 stand da – recht humorlos.

Mittendrin in der vor der Fantribüne hüpfenden Mannschaft war ein Tauberbischofsheimer: Lars Schmidt. „Nennen Sie mir einen Oberliga-Verein, in dem das noch so ist“, fragte der 23-Jährige recht rhetorisch. „Es war das Beste, was mir passieren konnte, hierher zu wechseln.“ Seit Januar 2017 spielt der Linksverteidiger für den Traditionsklub im Leipziger Stadtteil Leutzsch (wir berichteten am 15. September ausführlich), und er fühlt sich pudelwohl – auch nach der 0:3-Niederlage im Zweitrundenspiel des DFB-Pokalwettbewerbs gegen Paderborn.

Wie schon bei der Überraschung im Ko.-Spiel der besten 64 gegen Regensburg stand Lars Schmidt auch am Dienstag 90 Minuten auf dem Platz. „Die waren unglaublich spritzig und ganz schwer zu verteidigen“, blickte er auf die 90 Minuten zurück. Eine echte Chance auf einen zweiten Pokal-Coup hatte der Arbeiterklub nicht. Die drei Klassen Unterschied zwischen den beiden Kontrahenten waren nicht immer sichtbar, aber vor allem bei den Toren (unter anderem zwei nach Standards) zu erkennen. „Aber wir sind wenigstens nicht abgeschossen worden“, resümierte Schmidt, zumal sein Team ab der 65. Minute in Unterzahl spielen musste.

„Eigentlich hatte Paderborn sonst gar keine richtige Chance mehr“, hatte der stolze Papa Uwe Schmidt, einst Trainer beim TSV Tauberbischofsheim, erkannt. Er war aber nicht der einzige „Bischemer“ im Stadion: Ein regelrechter Fanclub aus dem Main-Tauber-Kreis feierte Lars Schidt mit Sprechchören. Mitten drin war die nicht minder stolze Mama Anette, die Bürgermeisterin von Großrinderfeld.

Ziel: Regionalliga-Rückkehr

Nach dem Abstieg aus der Regionalliga im Frühjahr gilt es nun, den direkten Wiederaufstieg zu schaffen, „und wenn möglich wieder den Landespokal zu gewinnen“, sagte Lars Schmidt. In der Oberliga führt „Schämie“ (wer „Kämi“ sagt outet sich als Auswärtiger) die Tabelle mit sieben Punkten Vorsprung an.

Noch bis 2019 hat er einen Vertrag bei den Leutzschern. „Das Studium hat Vorrang“, stellt er seine sportlichen Ambitionen zunächst hinten an. Im nächsten Jahr sollte er den Bachelor in der Tasche haben; erst dann wird die Fußball-Laufbahn weiter geplant. Doch schon jetzt ist klar: Die emotionalen Augenblicke im DFB-Pokal nimmt ihm keiner.