Fußball

Relegation zur Kreisliga A 3 Hohenlohe 750 Zuschauer sehen am Mittwochabend in Apfelbach einen Krimi, der erst im Elfmeterschießen entschieden wird

Nagelsberg befördert Berlichingen/J. eine Etage nach unten

Archivartikel

Berlichingen – Nagelsberg 3:6 n.E.

Berlichingen: Lewicki, Schreiber, Zutterkirch, Simon Leuz, Saur, Münch, Sebastian Leuz (85. Jörg), Specht (60. Schad), Schneider, Kotschik, Brenner (43. Pfennig) – Nagelsberg: Burkert, Bajrami (26. Müller), Seckan (106. Tassioudis), Franz (72. Baron), Demaku, Stützle, Sowe (44. Göbel), Jasseh, Manneh, Sanyang, Kadioglu – Tore: 0:1 (7.) Kadioglu, 1:1 (14.) und 2:1 (36.) Brenner/FE, 2:2 (75.) Demaku, Elfmeterschießen: 2:3 Demaku, 3:3 Lewicki, 3:4 Göbel, 3:5 Kadioglu, 3:6 Stützle – Schiedsrichter: Stellmach (Schwäbisch Hall) – Zuschauer: 750

Als der Hohenloher Bezirksschiedsrichter-Obmann Volker Stellmach am Mittwochabend das spannende Relegationsspiel in Apfelbach nach drei Stunden abpfiff, waren sich viele Zuschauer einig: Diese Partie hatte eigentlich keinen Verlierer verdient!

Bevor der FC Nagelsberg sich als nervenstärker erwies und das Elfmeterschießen mit 4:1 für sich entschied, hatten beide Mannschaften alles geboten, was das Herz eines Anhängers des lokalen Fußballs begehrt: vorbildliche Einsatz- und Laufbereitschaft, Tempofußball, packende Zweikämpfe, viele gelungene Kombinationen, feine Einzelleistungen, jede Menge Strafraum- und Torszenen auf beiden Seiten und last but not least sehr beachtliche Torwartleistungen. Kurzum: alles, was ein prickelndes Relegationsspiel zweier Kreisligisten vor großer Kulisse bieten kann.

In der Anfangsphase war der körperlich überlegene SV Berlichingen/Jagsthausen das bessere Team und zeigte die Präsenz, die Spielertrainer Sebastian Leuz im Vorfeld gefordert hatte. Die Nagelsberger standen gewaltig unter Druck und fanden sich zunächst gar nicht zurecht. Zwei sehr gute Möglichkeiten zur Führung ließ der SVB jedoch ungenutzt. So war es wie ein Blitz aus heiterem Himmel, als der B2-Vizemeister mit dem ersten Gegenangriff in der siebten Minute in Führung ging: Ejmad Damaku wurde vor kurz vor dem Sechszehner gefoult und Kapitän Oguzhan Kadioglu setzte den Freistoß platziert und unhaltbar in die Maschen.

Der SV Berlichingen/Jagsthausen ließ sich dadurch jedoch nicht beeindrucken. „Wir haben sie durch zwei individuelle Fehler wieder zurück ins Spiel gebracht“, meinte FC- Spielertrainer Witali Baron nach dem Spiel. Zunächst luchste sein Berlichinger Kollege Sebastian Leuz einem allzu sorglosen Verteidiger in der 14. Minute auf der linken Abwehrseite das Leder ab und legte präzise für den sehr agilen Sascha Brenner auf, der in der neunten Minute noch am großartig reagierenden SVB-Keeper Mirco Lewicki gescheitert war und nun mühelos den Ausgleichstreffer erzielte.

Nachdem Lewickis Gegenüber Andre Burkert in der 17. Minute mit einer Glanztat gegen den von Lucas Stützle mustergültig bedienten Alagie Sowe die erneute Nagelsberger Führung vereitelt hatte, war es wiederum Brenner, der in der 36. Minute, nach einem Foul von Yankuba Sekan an Jochen Specht im Nagelsberger Strafraum, den fälligen Elfmeter sicher verwandelte und das Spiel zugunsten des A3-Vorletzten drehte.

„Wir hatten uns gut ins Spiel zurückgearbeitet und wieder alle Trümpfe in der Hand, bis durch den verletzungsbedingten Ausfall von Sascha Brenner unsere Struktur dahin war und wir im Spiel nach vorne stark geschwächt waren“, haderte Spielertrainer Sebastian Leuz mit dem Schicksal. Sascha Brenner, der sich in der 42. Minute bei einem Zusammenprall eine klaffende Platzwunde am Kopf zuzog und über eine halbe Stunde lang auf dem Platz behandelt wurde, war bis zu seinem Ausscheiden ein ständiger Unruheherd für die Nagelsberger Hintermannschaft.

Nach der langen Unterbrechung ließ der Hohenloher Schiedsrichter-Obmann Volker Stellmach, der seine großzügige Linie konsequent durchzog und die Partie sicher im Griff hatte, die fehlenden Minuten der ersten Halbzeit nachspielen und pfiff dann sofort den zweiten Durchgang an.

Nun wollte der FC Phönix mit aller Macht den Ausgleich erzwingen, das Berlichinger Tor war etwa eine Viertelstunde förmlich im Belagerungszustand. Die Nagelberger schossen aus allen Rohren, es war aber immer ein Bein dazwischen und die Jagsttäler hatten mit Mirco Lewicki, der in der 50. Minute eine Riesenchance von Torjäger Ejmad Demaku mit glänzendem Reflex zunichte machte, einen ganz großen Rückhalt zwischen den Pfosten.

Trotz starker Nagelberger Dominanz hatte auch der SV Berlichingen/Jagsthausen noch Möglichkeiten. „Es gelang uns aber nicht, die Nadelstiche zu setzen“, kommentierte Sebastian Leuz die verpassten Konterchancen. Denn die Gegenangriffe verpufften meist schon, wenn es zu Laufduellen mit dem pfeilschnellen, umsichtigen und technisch hervorragenden FC-Innenverteidiger Mustapha Sanyang kam.

Eine Viertelstunde vor Schluss wurde die Nagelsberger Überlegenheit mit dem sehr sehenswerten und verdienten Ausgleichstreffer belohnt: Der kurz zuvor eingewechselte Spielertrainer Witali Baron setzte sich auf halbrechter Position technisch versiert durch und nach einer Kopfball-Verlängerung von Marvin Göbel lupfte Ejmad Demaku den Ball gekonnt über den herauseilenden Keeper ins Netz. Bis zum Ende der regulären Spielzeit blieb es beim 2:2.

In der Verlängerung sahen die zufriedenen Zuschauer trotz nachlassender Kräfte der Akteure noch einen offenen Schlagabtausch. Neben SV-Schlussmann zeichnete sich auch sein Gegenüber noch aus: Einen platzierten Kopfball von Tobias Jörg lenkte Andre Burkert im Rückwärtslaufen mit enormer Sprungkraft über den Kasten. So musste das Elfmeterschießen über Auf- und Abstieg entscheiden.

Bereits der zweite Schuss des SV Berlichingen/Jagsthausen ging an die Latte, den dritten entschärfte Andre Burkert. Nagelsberg verwandelte jeweils souverän, so dass bereits der vierte Strafstoß das Spiel endgültig entschied. „Ich bin glücklich, dass wir nach zwei vergeblichen Anläufen endlich den Aufstieg geschafft haben und mega stolz auf meine Jungs, merkte man Spielertrainer Witali Baron nach dem Spiel die große Erleichterung an.

„Dieser Abstieg tut sehr weh, aber wir haben auch die Chance einen Neuanfang zu machen und – wie Bieringen – gestärkt wiederzukommen“, kommentierte SVB Spielertrainer Sebastian Leuz nach der unglücklichen Niederlage in einem denkwürdigen Spiel.