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Fußball Wer die Champions League in der neuen Saison komplett verfolgen möchte, benötigt im Grunde zwei Verträge

. . . und der Fan schaut dabei irgendwie in die Röhre

Archivartikel

Die Fußball-Fans müssen sich in der kommenden Saison umstellen, wenn sie die Champions League sehen wollen. „Das Zweite“ hat sich mit der Final-Übertragung aus Kiew verabschiedet. In der Saison 2018/19, in der die TSG 1899 Hoffenheim erstmals dabei sein wird, wird es unübersichtlich und teuer.

Das Endspiel in Kiew war nicht nur für den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ein Abschied, sondern auch für die deutschen Fußballfans. Von der kommenden Saison an müssen sie für alle Live-Übertragungen des wichtigsten Vereinswettbewerbs zahlen – und das zweimal.

Der Pay-TV-Sender Sky hat sich im Verbund mit dem ebenfalls kostenpflichtigen Streamingportal DAZN die Rechte gesichert. ZDF-Intendant Thomas Bellut bezeichnete das vor einem knappen Jahr unterzeichnete Vertragswerk mit der UEFA als „schlechte Nachricht“ für die Fußballanhänger. Das gilt aber auch für seinen Sender. Sechs Jahre lang durfte sich das ZDF als Nachfolger von Sat.1 über die attraktiven Fußball-Übertragungen freuen. 17 Spiele pro Saison mit Durchschnittswerten von mehr als sechs Millionen Zuschauern und Marktanteilen von über 20 Prozent sorgten für Quoten-Freude in Mainz.

Die erfolgreichste Übertragung der nun endenden ZDF-Ära war das deutsche Finale im Mai 2013. Beim Endspiel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München saßen 21,61 Millionen Deutsche vor dem TV-Schirm und sorgten nach ZDF-Angaben für einen Marktanteil von 61,7 Prozent.

In der kommenden Saison ist das ZDF nicht mehr dabei – und der Fußballfan muss in jedem Fall zahlen. An Sky oder DAZN oder an beide, wenn er nichts verpassen will. Nur in einem Fall gäbe es ein Champions-League-Spiel ohne zusätzliche Bezahlung: Wenn ein deutscher Verein im Endspiel steht. Das regelt der Rundfunk-Staatsvertrag.

Der neue TV-Vertrag mit der Uefa dürfte auch für viele Sky-Kunden ein Ärgernis sein. Denn deutlich mehr Live-Spiele zeigt der Streamingdienst DAZN, der eine sogenannte Sub-Lizenz von Sky erworben hat. Abonnenten, die – wie in der eben zu Ende gegangenen Saison letztmals – die freie Champions-League-Auswahl haben wollen, benötigen neben dem Sky-Vertrag zusätzlich ein DAZN-Abo.

Das Beste oder die Breite?

„Wir konzentrieren uns auf das Beste, unser Partner auf die Breite“, sagte Sky-Boss Carsten Schmidt. Aufgeteilt werden die Spiele zwischen den Partnern nach einem schwer verständlichen Schlüssel. Der Pay-TV-Sender setzt vor allem auf die Attraktivität der bei den Kunden beliebten Konferenzen. 40 werden es in der kommenden Saison sein. Reduzieren wird Sky hingegen sein Angebot an Live-Partien auf - im Normalfall - 34 der insgesamt 138 Spiele pro Saison.

Es seien „mehr Einzelspiele mit deutscher Beteiligung“ als bei DAZN, verspricht Sky. Der Streamingdienst zeigt pro Serie rund 110 Partien. Schon in der Gruppenphase werden einige Partien der vier deutschen Mannschaften (Bayern, Schalke, BVB und Hoffenheim) exklusiv nur bei DAZN zu sehen sein.

Wie unübersichtlich das Vertragswerk der beiden Bezahl-Anbieter für den Fußballfan ist, zeigt sich bereits an den zwölf Spieltagen der Gruppenphase: Neunmal darf Sky sich eine Begegnung aussuchen und exklusiv zeigen. Dreimal besitzt DAZN dieses Vorrecht. dpa