Fußball

Fußball Vereinigung Buchen blickte zurück / Kaum Positives / Ohne Unterstützung des WFV sähe es noch schlimmer aus / Obmann Felix Beuchert hört im nächsten Jahr au

Weiter Großalarm bei den Schiedsrichtern: Im Fußballkreis fehlen 100 Unparteiische

Eine ernüchternde Bilanz über die derzeitige Schiedsrichtersituation in der Vereinigung des Kreises Buchen zog dessen Obmann Felix Beuchert in der Jahreshauptversammlung im Sportheim des TSV Götzingen. Der Mangel an Schiedsrichtern ist mehr als erschreckend und diese Situation dürfte sich auch in naher Zukunft nicht ändern sondern, falls die Sportvereine nicht mälfen, Nachwuchs zu gewinnen, noch verschärfen. In der vergangenen Saison konnten erste Fußballspiele nicht mehr mit den Unparteiischen besetzt werden. In den umliegenden Kreisen ist dies zwischenzeitlich auch der Fall, so dass von benachbarten Vereinigungen mit denen ein Austausch besteht, zukünftig keine große Hilfe mehr erwartet werden kann.

In seinem umfangreichen Jahresbericht sprach Beuchert von einem weiteren „bewegten“ Jahr für die Vereinigung, das vor allem durch eine Vielzahl von Vorkommnissen abseits der Sportplätze bestimmt wurde. Zuerst zog er ein sportliches Fazit über die zurückliegende Saison. Gestartet wurde in die Runde mit vier Verbandsschiedsrichter sowie zwei Verbandsbeobachtern. In beiden Bereichen konnte man aus verschiedenen Gründen mit dieser „Soll-Stärke“ die Saison nicht beenden. Zur Jahresstatistik merkte Beuchert an, dass derzeit der Vereinigung 112 Mitglieder, davon 73 aktive und 39 passive angehören. Es gab 13 Neuzugänge, dem wiederum stehen zwölf Abgänge von aktiven Mitgliedern gegenüber.

Im Hinblick auf die Schiedsrichter-Soll-Berechnung werden 162 Schiedsrichter benötigt, 62 (hiervon jedoch elf aus dem WFV) stehen zur Verfügung, so dass 100 Schiedsrichter fehlen. Wie Beuchert weiter sagte, erfüllen einige Vereine ihr „Soll“, viele davon aber auch nicht. Ohne den WFV wäre ein geregelter Spielbetrieb im Fußballkreis Buchen längst nicht mehr möglich.

Regeländerungen kommen

Lehrwart Heiko Link berichtete, dass die angebotenen Lehrabende (Pflichtversammlungen zur Weiterbildung der Schiedsrichter) von diesen im Allgemeinen durchweg schwach besucht waren, weshalb es einige Schiedsrichter nicht geschafft haben, für ihren Verein gewertet zu werden. Bei dem derzeit aktuellen Schiedsrichterstand liegt die Teilnahme bei rund 50 Prozent, was viel zu wenig ist. An den Angeboten in der Vereinigung mangelt es nicht, so Link, sicherlich jedoch am Interesse und an der Motivation jedes Einzelnen. In Anbetracht der doch gravierenden Regeländerungen, die für die Saison 2019/20 bevorstehen appellierte der Lehrwart, die nächsten Veranstaltungen zu besuchen.

Das Interesse an läuferischen Leistungsprüfungen ist noch geringer. Die Schiedsrichter haben sich jährlich einer schriftlichen und läuferischen Leistungsprüfung zu unterziehen und müssen damit ihre Leistung unter Beweis stellen. Der geplante Neulingskurs im Oktober konnte aufgrund zu geringer Teilnehmerzahl nicht begonnen werden. Geprüft wird derzeit, so Link ob eine Individual-Onlineausbildung möglich ist. Für den nächsten Schiedsrichterlehrgang, so Links Wunsch, soll jeder Verein im Fußballkreis Buchen versuchen, mindestens einen geeigneten Teilnehmer als Schiedsrichteranwärter zu gewinnen.

„Schön wäre es, wenn ich an dieser Stelle mal etwas Positives verkünden könnte“, sagte Spielerverteiler Thomas Mistele zu Beginn seines ernüchternden Berichtes. Er stellte fest, dass die Einteilung der Schiedsrichter jedes Jahr schwieriger werde und keinen Spaß mehr mache. Die Situation des Schiedsrichtermangels im Kreis Buchen sei, so Mistele mehr als erschreckend. Aufgrund fehlender Schiedsrichter, fehlender Motivation und anderen Verhinderungen konnten nicht mehr alle Spiele besetzt werden. Mehr als 50 Prozent der Schiedsrichter, die am Wochenende im Kreis Buchen Spiele geleitet haben, kamen von anderen Vereinigungen.

„Fehlende Moral“

Im Fußballkreis wurde in den vergangenen Jahren auf Verjüngung der Schiedsrichter gesetzt, aber auch hier sprach Mistele von fehlender Moral, Bereitschaft und Motivation. Auch von Seiten der Vereine werde wenig getan, um das bestehende Problem zu lösen. Die Neulinge, die hinzukämen, wollten nur als Assistent tätig sein. Ältere zuverlässige Schiedsrichter beenden ihre Tätigkeit auch deshalb, weil es ihnen von Verbandsseite immer schwerer gemacht wird, denn ständig gibt es neue Anforderungen und Änderungen beim Leistungstest. Dass Schiedsrichter der mittleren und älteren Generation gebraucht werden, um einen Spielbetrieb im eigenen Kreis am Laufen zu halten, das interessiere die wenigsten, sagte ein sichtlich frustrierter Spielerverteiler, für den auch kurzfristige Spielabsagen der Kameraden ein großes Problem darstellten. Sein Fazit: „Wir haben einfach zu wenig Schiedsrichter, müssen aber mit denen, die wir haben das Beste daraus machen.“

Die neu gegründete Jung-Schiedsrichter-Gruppe bestand in der zurückliegenden Saison aus 23 Mitgliedern, berichtete Julia Sturm. Die Jungschiedsrichter werden von elf qualifizierten Schiedsrichterpaten bei ihren Einsätzen unterstützt, was aber nicht ausreichend sei. Wichtig sei deshalb, neue Paten zu gewinnen. Um die Schiedsrichter bestmöglich zu fördern, gebe es seit Januar 2018 ein neues Mentorenprogramm. Pro Quartal findet eine Schulungsveranstaltung statt. Die letzte musste aber mangels Teilnahme abgesagt werden. Zukünftig findet eine Monatsversammlung statt um die Schiedsrichter gut auf ihre Aufgabe vorzubereiten und weiterzuentwickeln. Es sollen noch mehr Talente ausgebildet werden.

Nach einer kurzen Aussprache über die Berichte nahm Holger Jakob die Entlastung des Ausschusses vor, die einstimmig erfolgte.

Die Grüße des Fußballkreises Buchen überbrachte der stellvertretende Kreisvorsitzende Horst Saling. Er sagte in Richtung Heiko Link, Thomas Mistele und Felix Beuchert: „Ihre Arbeit ist wahrlich nicht einfach.“ Bedauerlich sei für ihn, dass in der abgelaufenen Runde einige Spiele nicht besetzt werden konnten, was man aber durch die derzeitige Situation nicht ändern könne.

Nach der Bekanntgabe weiterer Termine beendete Obmann Felix Beuchert, der, wie bereits angekündigt , 2020 sein Amt abgeben möchte, die Versammlung.

Über die Ehrungen bei den Schiedsrichtern im Kreis Buchen berichten wir in unserer Dienstags-Ausgabe