Fußball

Vortrag Lutz Wagner über verschiedene Perspektiven

Wie man sich täuschen kann

„Schiedsrichter spielen“ durfte das Publikum während des interaktiven Vortrags von Lutz Wagner. Der ehemalige Bundesligareferee (197 Spiele) ist mittlerweile leitender Koordinator für Regelauslegung beim DFB sowie Leiter der Nachwuchs- und Talentförderung in Deutschland. In Igersheim demonstrierte Wagner nun, wie schwierig es ist, in Sekundenschnelle richtige Entscheidungen zu treffen. Dem Publikum wurden verschiedene Fußballszenen vorgespielt, und jeder sollte direkt danach entscheiden, ob zum Beispiel ein Foul vorliegt und ob eine gelbe oder eine rote Karte angebracht sei. Der erfahrene Schiedsrichter wählte seine Fallbeispiele so, dass die erste Perspektive meist einen trügerischen Eindruck beim Zuschauer hinterließ. Bei einer auf den ersten Blick brutalen Grätsche zeigte sich in einer anderen Kameraeinstellung, dass eigentlich nur der Ball gespielt wurde. Für Erheiterung sorgte eine Szene mit einem vermeintlichen Ellenbogencheck. Hier wurde bei genauerem Hinsehen klar, dass sich das „Opfer“ den Arm des Gegenspielers selbst ins Gesicht geschlagen hatte. Auf diese Art führte Wagner die „Hobbyreferees“ häufig aufs Glatteis und zeigte, wie kompliziert die Entscheidungsfindung manchmal sein kann.

Ein guter Schiedsrichter, besonders ein Videoassistent, müsse daher immer verschiedene Perspektiven betrachten und dürfe nicht zu voreilig Schlüsse ziehen. Für das Publikum war es interessant zu sehen, wie mehrere Kameraeinstellungen eine Szene komplett unterschiedlich abbilden. So war es gut nachzuvollziehen, dass ein Schiedsrichter auf dem Feld, der eine Aktion nur einmal und nur aus einem Winkel sieht, oft eine andere Wahrnehmung hat, als der Fernseh-Zuschauer. mbe