Großrinderfeld

Jubiläum Radtreff des TSV Gerchsheim besteht seit 25 Jahren

Beim Radeln den Kopf frei bekommen

Archivartikel

Begeisterte Radfahrer treffen sich unter dem Dach des TSV Gerchsheim zu den wöchentlichen Ausfahrten. Seit 25 Jahren gibt es den Radtreff bereits.

Gerchsheim. Der Pfiff ist nicht zu überhören. Das ist das Zeichen zum Start. Klaus Zeiner blickt in die Runde. Etwa 30 Radler schwingen sich in die Sättel. Trotz der nicht perfekten Wetteraussichten an diesem Dienstag wollen sie den wöchentlichen Radtreff nicht missen. In rund zwei Stunden treffen sich alle wieder am Festplatz. Denn nach der sportlichen Betätigung freuen sich alle auf den „Einkehrschwung“ in der Sportgaststätte.

Seit 25 Jahren gibt es in Gerchsheim den Radtreff als Gruppierung des TSV. 1993 löste er den Lauftreff ab, der von der AOK initiiert worden war. „Damals waren wir rund ein Dutzend Begeisterte“, erinnert sich Roland Seitz. Er war der erste Leiter dieser Sparte. Nach einer kurzen Durststrecke sorgte ein Fahrradboom für mehr Mitglieder. „Vor allem viele Frauen sind dazu gestoßen“, freut sich Bernd Wolf. Damit habe sich die Zahl der wöchentlichen Radler nicht nur gesteigert, sondern gut stabilisiert. Die Höchstzahl lag bei 60 Mitstreitern.

Ohne Helm geht nichts

„Zum festen Stamm gehören etwa 30 Leute, die regelmäßig an den Ausfahrten teilnehmen“, so Wolf, der 14 Jahre lang die Verantwortung für den Bereich innehatte. Und auch die Altersspanne ist bemerkenswert. Die jüngsten Teilnehmer sind Mitte 40, der Älteste fast 80.

Professionelle Ausrüstung braucht man nicht, um bei den TSVler mitzufahren. „Aber einen Helm und ein verkehrssicheres Rad sind Pflicht.“

Aufgeteilt in vier Gruppen, machen sich die Radler an diesem Abend auf den Weg. Die sportlichen Rennradfahrer schaffen bis zu 60 Kilometer. Die Gruppe der sportlichen Tourenräder und E-Bikes legt rund 40 Kilometer zurück. Wer es lieber gemütlicher haben will, sucht sich die dritte Gruppe aus, die an diesem Abend von Gerchsheim über Paimar nach Großrinderfeld und wieder zurück ihre Runde dreht. Für die gemütlichen E-Biker wurde ebenfalls eine eigene Gruppe eingerichtet.

„Gefahren werden solche Strecken, die man bis zum Einbruch der Dunkelheit gut bewältigen kann“, sagt Klaus Zeiner. Er hat nach Seitz und Bernd Wolf 2016 die Leitung der Sparte übernommen. Im badischen Bereich könne man dabei auf gut ausgebaute Radwege zurückgreifen. In Richtung Bayern sehe das anders aus. „Wir würden gerne häufiger die Richtung eingeschlagen, aber zwischen Gerchsheim und Kist gibt es keinen Radweg“, kritisieren die drei. Auch wenn die Akzeptanz der Autofahrer den Radlern gegenüber gestiegen sei, vermeide man viel befahrene Straßen.

Die Ausfahrten werden von den einzelnen Gruppenbetreuern koordiniert und vorgeschlagen. Sie wissen, was sie den Mitgliedern abverlangen können. „Die Rennradgruppe ist oft entlang der Tauber unterwegs“, erzählen die drei. „Wenn die Gruppe gut drauf ist, plant man schon mal spontan eine Verlängerung ein. Wenn die Mitglieder „blasen“, muss man eine Abkürzung in petto haben“, sagt Wolf. Flexibilität ist also oberstes Gebot.

Und dabei ist den Verantwortlichen auch Rücksichtnahme wichtig. Es werde keiner alleine gelassen. „Wir fahren in der Gruppe weg und kommen in der Gruppe wieder zurück“, ist der Maßstab. Und auf eines sind sie besonders stolz: Bei mehr als 20 000 Kilometern jährlich gab es bisher keine Unfälle und nur einmal einen „Plattfuß“.

Die Fahrradbegeisterten treffen sich allerdings nicht nur zur wöchentlichen Ausfahrt. Bei verschiedenen Runden steht auch der kulturelle Aspekt in nichts nach, etwa wenn die Kartause Tückelhausen oder auch das Pfeifermuseum in Niklashausen angesteuert werden. Die Radwallfahrt nach Walldürn – in diesem Jahr am 9. September – gehört schon seit zehn Jahren zum Terminkalender. Einer, der sich immer gerne anschließt, ist Pfarrer Harald Bethäuser, wenn der Rektor der Pastoralausbildung in Freiburg die Familie zu Hause besucht. Die Radtouren der Landräte aus Main-Spessart und Würzburg sind für die Gerchsheimer passende Anlässe zu weitere Touren. Und auch beim Ferienprogramm mit Übernachtungen im Heuhotel war man schon aktiv. Daneben wurden Lehrgänge besucht und viele Kontakte mit anderen Radgruppen geknüpft.

Dass neben dem sportlichen Ehrgeiz auch der Spaß wichtig ist, unterstreichen die drei unisono. Und im Mai starten sie wieder mit dem „Frühstücksradeln“: Wer Lust hat, kommt am ersten Montag im Monat mit auf eine kleine Spritztour am Morgen. Den Spaß haben die Teilnehmer des Radtreffs nicht nur im Sommer, sondern seit einiger Zeit auch in Winter. Dann geht es statt per Rad zu Fuß los in die Umgebung rund um Gerchsheim.

Aber viel lieber schwingen sich die drei und ihre Mitstreiter aufs Fahrrad. „Dann sind wir in der Natur unterwegs und erleben gemeinsam sehr viel“, sagt Roland Seitz, der wegen gesundheitlicher Probleme mit dem Radeln begonnen hat. Und alle drei haben noch einen weiteren Grund: „So bekommt man den Kopf frei.“

In der Natur unterwegs

Beliebt nicht nur bei Klaus Zeiner ist die Tauber-Runde, die ihn von Gerchsheim über Altertheim und Werbach nach Tauberbischofsheim und Gerlachsheim führt. Über Grünsfeld geht es wieder zurück. Bernd Wolf zieht es in Richtung Wittighausen, Kirchheim und Gerolzhausen nach Reichenberg und Kist wieder zurück. Eine wunderschöne Radstrecke führt für Roland Seitz nach Bad Mergentheim und Weikersheim oder auch nach Wertheim.

Bis zum Saisonabschluss am 3. Oktober in Gerchsheim steht der wöchentliche Radtreff an – zum Jubiläum sogar in neuen gesponsorten Trikots. Tausende Kilometer wollen sie wieder gemeinsam radeln.