Großrinderfeld

Blick in die Geschichte Vor 100 Jahre endete der Erste Weltkrieg / Karl Anton Reinhart kehrte 1920 aus Gefangenschaft zurück

Ehrenplatz für Fotos aus der Dienstzeit

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Der Großrinderfelder Karl Anton Reinhart kehrte erst 1920 in die Heimat zurück.

Grossrinderfeld. Selbst 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs schlummern noch unzählige „Schätze“ aus dieser Zeit in Haushalten und privaten Archiven. Zahlreiche Postkarten, Briefe und Fotos, aufbewahrt in Schuhkartons oder alten Zigarrenkistchen, erinnern an die Generation, die „14-18“ für das Vaterland ins Feld ziehen musste.

Meist waren es die Großväter oder schon die Urgroßväter der jetzt lebenden Generationen, die zwischen 1880 und 1900 geboren waren. Die Älteren von ihnen hatten in den badischen Garnisonen Rastatt, Mannheim oder Karlsruhe zwei Jahre gedient und waren während der ganzen Ausbildungszeit nur zweimal für je zwei Wochen auf Heimaturlaub.

Von ihrer Militärzeit im Deutschen Kaiserreich ließen sie oft Erinnerungsfotos machen, die einen Ehrenplatz im persönlichen Fotoalbum hatten. Oft hingen auch größere gerahmte Bilder in der guten alten Wohnstube. Man war einfach stolz darauf, „gedient“ zu haben. Wer aus körperlichen Mängeln nicht eingezogen worden war, wurde gehänselt oder als minderwertig angesehen.

Als es im August 1914 zum Kriegsausbruch dann ernst wurde, mussten die ab 1885 Geborenen sofort einrücken. Die ab 1894 Geborenen wurden als Rekruten eingezogen und ausgebildet. Sie kamen dann ab 1915 zum Einsatz, die meisten davon im Westen an der deutsch-französischen Front.

Dem gut erhaltenen Wehrpass des Musketiers Karl Anton Reinhart aus Großrinderfeld ist zu entnehmen, dass er der 5. Kompanie des Infanterieregiments Nr. 264 angehörte. Er kämpfte hauptsächlich in der Champagne, im Priesterwald und vor der Festung Verdun. Alles Kriegsschauplätze, die hart umkämpft waren und hohe Verluste auf beiden Seiten forderten. Ende 1916 kam er vor Verdun in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst im Februar 1920 entlassen wurde, also rund 15 Monate nach Kriegsende.

Während der Zeit an der Front wurden in kurzen Kampfpausen immer wieder Briefe und Postkarten nach Hause geschrieben – in den letzten Kriegsjahren mit Durchhalteparolen und Träumen vom baldigen Sieg gekennzeichnet.

Wer Glück hatte und die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ überlebte, kam im November 1918 in die Heimat zurück. Karl Anton Reinhart musste noch bis 1920 in Frankreich als Gefangener Kriegsschäden beseitigen.

Dort traf er auch Michael Stoy aus Krensheim, mit dem er zusammen auf einer im Gefangenenlager gemachten Fotografie zu sehen ist. Gut 20 Jahre später wurde er gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nochmals wehrerfasst. Glücklicherweise wurde er nicht mehr zum „Volkssturm“ eingezogen.

Karl Anton Reinhart starb 1953 im Alter von 57 Jahren.