Großrinderfeld

Faschingszug Seit 50 Jahren schlängelt sich der Gaudiwurm durch die Straßen / Müllabfuhr will rechtzeitig vor Beginn fertig sein

Erst die Tonnen, dann die Gaudi

Archivartikel

Das ist wohl der Alptraum eines jeden Fastnachters: Unter den närrischen Umzug mischt sich das Müllfahrzeug. In Gerchsheim soll dies zum 50. Geburtstag am Dienstag nicht passieren.

Gerchsheim. Der Blick auf den Abfallkalender lässt so manchem Gerchsheimer Fastnachter einen Schrecken in die Glieder fahren. Nicht erst nachdem sich am Dienstag der Gaudiwurm durch die Straßen geschlängelt hat, muss die Müllentsorgung ihren Dienst tun: Schon vorher sind die Fahrzeuge im Ort unterwegs. Denn der Plan für die Kommune weist nicht nur die Abholung von Altpapier und gelben Säcken aus, sondern auch die Restmüllabfuhr.

Steffen Henneberger vom Veranstalter des Umzugs treibt das bislang keine einzige Sorgenfalte auf die Stirn. „Die Müllabfuhr wird rechtzeitig beendet sein“, ist er optimistisch. „Es wurde versichert, dass die Unternehmen mit den Straßen entlang der Umzugsstrecke beginnen.“ Denn auch er will nicht, dass Altpapier, gelbe Säcke oder Tonnen den Weg blockieren und die närrische Gaudi schmälern oder gar Unrat statt Konfetti, Bonbonregen und bunten Kostümen das Bild bestimmen. Schließlich sind zum 50. Geburtstag des Gerchsheimer Faschingsumzugs gleich 25 Gruppen angemeldet, darunter 18 Wagenbauer und mehrere Musikgruppen.

Für ihn ist dieses Dilemma nichts Besonderes. Henneberger erinnert sich, schon häufiger am Umzugstag seine Mülltonne zur Leerung an den Straßenrand gestellt zu haben. Und rechtzeitig vor Umzugsbeginn wurde sie wieder aufs Grundstück geholt – geleert.

Der Anruf beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Main-Tauber-Kreises vor wenigen Tagen bestätigt ihn in dieser Auffassung. „Der Mitarbeiter hat sich sofort darum gekümmert und versichert, dass alles klappt.“

Das unterstreicht auch Pressesprecher Markus Moll. Er verweist auf die Abstimmung zwischen Abfallwirtschaftsbetrieb, Gemeinde und beauftragten Entsorgungsunternehmen. „Die Abholung soll bis 14 Uhr durchgeführt sein. Die Umzugsstrecke wird vorher und damit rechtzeitig frei sein.“

Der Wunsch von Veranstalter Steffen Henneberger könnte dann in Erfüllung gehen: Der Umzug soll künftig bei der Planung der Termine berücksichtig werden. Es habe bisher schon immer Abfragen bei den Gemeinde gegeben. Das Ziel sei, alle Wünsche bestmöglichst zu erfüllen. Aber es sei schwierig, allen Anforderungen gerecht zu werden.

Warum aber der Gerchsheimer Umzug nicht als solch wiederkehrender Termin wie etwa der Umzug in Assamstadt oder auch die Königshöfer Messe aufgenommen wurde, könne man nicht erklären.

Künftig soll sich das ändern. „Wir sind immer in Gesprächen mit den Entsorgungsfirmen und haben vereinbart, den Umzug für die nächsten Jahre zu berücksichtigen“, versichert Moll, dass solche Kollisionen nicht mehr vorkommen sollten.

Vor Faschingsdienstag ist Steffen Henneberger daher nicht Bange. Er freut sich, wie viele Gerchsheimer Narren und Besucher von auswärts auf einen großartigen Umzug, der dem runden Geburtstag gerecht wird. Am Faschingsdienstag 1969, am 18. Februar, bewegten sich die Gerchsheimer Narren erstmals durch die Straßen und sorgten für Frohsinn im Ort. Seit diesem Tag ließ man die Tradition nicht mehr abreißen und veranstaltete jährlich das Faschingsbeben im Ortskern. Selbst ein Elferrat hatte sich gebildet, der über das Ortsgeschehen zu berichten wusste.

Mittlerweile ist der Umzug weit in der Region bekannt, so dass immer mehr Gruppen aus dem Umland in die Faschingshochburg als Teilnehmer, aber auch als Zuschauer kommen. Kaum ein Thema, das noch nicht beim Gaudiwurm gesehen wurde: Piraten, Cowboys, Hexen, Eskimos, aber auch lokale Themen und die große Politik wurden aufgegriffen und bunt und kreativ in Szene gesetzt.

Waren es am Anfang meist Fußgruppen, Musikkapellen und kleine Motorwagen, so hat sich das Aussehen der Maskengruppen ziemlich geändert. Riesig und gigantisch sind die bunten Wagen geworden, in denen auch jede Menge Vorbereitungszeit steckt. Auch musikalisch hat sich einiges getan.

Bereits zum 27. Mal sorgt das TSV-Laubenteam an der Bushaltestelle für gute Laune, Partystimmung und das leibliche Wohl der Zuschauer. Von dort wird der Umzug moderiert.

Der Turnhallenbauförderverein (THBFV), der federführend Organisator des Gaudiwurms ist und sich um den reibungslosen Ablauf kümmert, hat sich dieses Jahr etwas Neues einfallen lassen. „Wir wollen mehr Zuschauer in die Steinstraße bringen und gleichzeitig etwas für die Kinder bieten“, so Henneberger. Denn die lauten Umzugswagen werden in der Steinstraße ihre Musik runterdrehen. Zudem ist hier ein weiterer Verpflegungsstand.